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Mannharts erster neuer Text nach der Plagiatsklage

Der Berner Schriftsteller Urs Mannhart nimmt als einer von drei Schweizern in Klagenfurt am Wettlesen um den Bachmann-Preis teil.

Urs Mannhart (rechts) wurde nach Klagenfurt eingeladen.(Archivbild)
Urs Mannhart (rechts) wurde nach Klagenfurt eingeladen.(Archivbild)
Christian Pfander

Ist die Einladung politisch zu verstehen? Zusammen mit Daniel Goetsch und Gianna Molinari wurde der Berner Autor Urs Mannhart als einer von drei Schweizern ans diesjährige Wettlesen um den Bachmann-Preis eingeladen. Der Bachmann-Preis ist bekannt für literarisch elaborierte Texte – Mannhart dagegen schreibt realitätsnah und der literarischen Reportage verpflichtet.

Die Einladung wurde ausgesprochen von Michael Wiederstein, Chefredaktor der Zeitschrift «Literarischer Monat» und Initiant der Nachwuchsplattform Treibhaus. Wiederstein, der in Zürich lebt und neu zu der Jury gestossen ist, hatte vor drei Jahren eine Ausgabe seiner Zeitschrift der literarischen Reportage gewidmet. Darin gab er Urs Mannhart eine Plattform für eine Stellungnahme.

Gegen Mannhart wurden damals Plagiatsvorwürfe erhoben. Er habe in seinem grossen Europaroman «Bergsteigen im Flachland» die Urheberrechte des österreichischen Reporters Thomas Brunsteiner verletzt. Mannhart hatte eine Hommage schreiben wollen, an Brunsteiner und an das Genre.

Der Rechtsstreit wurde 2015 beendet. Brunsteiner zog seine Klage zurück und verpflichtete sich, Mannharts Verlag 20'000 Franken zu zahlen. Mannharts Roman, der ein Jahr vom Markt gezogen war, durfte wieder verkauft werden. Brunsteiners in hohem Mass subjektiv gestaltete Reportagen stützen sich auf Fakten, die urheberrechtlich nicht geschützt sind.

An diesem Punkt ist der Rechtsstreit über den konkreten Fall hinaus interessant: Schon lange steht an, die Gestaltungshöhe und damit den Werkcharakter von Sachtexten zu würdigen – gerade bei literarischen Reportagen.

Die Plagiatsvorwürfe seien ein «Lehrplätz» gewesen, sagt Mannhart heute. Er habe verstanden, wie leicht man jemandem auf die Füsse treten könne. «Ich weiss nun so genau wie wenige Autoren, was Probleme geben kann.» Über den Text, den er in Klagenfurt vorstellen wird, sagt er nur, es gehe um das Erzählen selber. «Die Hühner reden auch nicht, bevor sie ein Ei gelegt haben.»

Bachmann-Preis: Eröffnung 5. Juli, Preisvergabe 9. Juli, ab 11 Uhr.Info und Lesungen:www.bachmannpreis.orf.at

(ass)

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