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«Denunziant des ungewaschenen Volksmunds»

Der Berner Autor und Politiker Ernst Eggimann wird am Samstag 75. Mit seinen Gedichtbänden «Henusode» und «Heikermänt» prägte er in den 1960er und 70er Jahren die Schweizer «modern mundart»-Bewegung und verschaffte ihr Ansehen über die Landesgrenze hinaus.

Als er einmal in Frankfurt eine Lesung hielt, gab es stehende Ovationen und sogar Lob von der Lyrik-Legende Ernst Jandl, erinnerte sich Ernst Eggimann kürzlich in einem Interview. Verstanden haben dürften die wenigsten Anwesenden Gedichte wie «weiteresweichsei/ nei/ mirweikeis/ weitereshertsei/ nei/ mirweikeis/ weiteresschpieguei/ neidanke/ weiteramändkesei/ nei/ mirweikeis/ wasweiterde».

Schon die Zürcher dürften Mühe mit solchen Lautgedichten gehabt haben, und trotzdem waren sie an Eggimanns literarischen Durchbruch massgeblich beteiligt. Denn ursprünglich hatten er und Kollegen wie Kurt Marti gar nicht daran gedacht, dass sich die Gedichte zum Druck eigneten.

Nach einer Lesung in Zürich machte der damalige «Arche»-Verleger Peter Schifferli den Vorschlag, die Gedichte zu veröffentlichen. Die Bestseller «Henusode» (1967) und «Heikermänt» (1971) verkauften sich vor allem in Zürich gut, ist Eggimann überzeugt.

«Der ungewaschene Volksmund hat in Eggimann seinen ärgsten Denunzianten gefunden», heisst es - lobend gemeint - in der im DDR- Verlag Volk und Wissen erschienenen Literaturgeschichte «Deutschsprachige Schweizer Literatur. 20. Jahrhundert».

Schmales Werk

Wie Kurt Marti - dessen Frau über Eggimanns Werke gesagt haben soll «daschjawiedekurt» - schrieb Eggimann auch spirituelle, beziehungsweise religionskritische Werke: die Lyrikbände «Psalmen» und «Jesus-Texte», sowie den Prosaband «Meditationen mit offenen Augen».

Dazu kamen in den 70er Jahren fünf Theaterstücke und drei Hörspiele. Sein vorerst letztes Buch war 1983 «Emmental», ein Bildband, zu dem er Prosa verfasste. Mit der Lyrik hatte er zwei Jahre vorher abgeschlossen, mit dem Gedichtband «E satz zmitts i d wäut».

Obwohl die Gedichtvertonungen von Heinz Reber auf «Reber singt Eggimann» 1984 erneut ein Bestseller waren, legte Eggimann keine Lyrik mehr nach. Er habe das Gefühl gehabt, «daschsjitzgsy», sagt er.

Lyrik als die bessere Politik

Er habe das Bedürfnis gehabt, dem Elfenbeinturm zu entrinnen, schrieb der hauptberufliche Sekundarlehrer später, als er für die grüne Freie Liste im Berner Grossrat sass (1986-1997).

Als Politiker aber frage er sich, was die Rituale,» die im Rat gespielt werden, mit der Wirklichkeit zu tun» hätten: «Wie, wenn das Dichten doch eine realistischere Tätigkeit wäre?»

Heute macht er laut eigenen Angaben zwar noch Notizen, weiss aber nicht, «öppsnoöppisgit». Verdienstvollerweise hat aber der spoken- word-Verlag Der gesunde Menschenversand Eggimanns besten Gedichte in der Anthologie «u ner hört» neu aufgelegt.

SDA/tan

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