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Berühmte Schriftsteller protestieren gegen Amazon

Stephen King, John Grisham und viele mehr – 909 Autoren unterzeichneten einen Protestbrief, den die «New York Times» heute abdruckte. Sie werfen dem Konzern ungerechte Geschäftspraktiken vor.

«Bücher konkurrieren mit mobilen Spielen, Fernsehen, Filmen, Facebook, Blogs, kostenlosen Nachrichten-Websites und mehr»: Amazon-Chef Jeff Bezos. (Archivbild)
«Bücher konkurrieren mit mobilen Spielen, Fernsehen, Filmen, Facebook, Blogs, kostenlosen Nachrichten-Websites und mehr»: Amazon-Chef Jeff Bezos. (Archivbild)
Reuters

Im Streit um E-Book-Preise zwischen Amazon und dem US-Verlag Hachette melden sich jetzt die Schriftsteller zu Wort. Mehr als 900 Autoren forderten in einem offenen Brief, Bücher nicht als Geiseln zu nehmen. Der Onlinehändler verteidigt seinen Druck für billigere E-Books.

Mehr als 900 Schriftsteller, darunter berühmte Autoren wie Stephen King oder John Grisham, haben das Vorgehen des Onlinehändlers Amazon im Streit um E-Book-Preise scharf verurteilt. «Weder Leser noch Autoren profitieren davon, dass Bücher als Geiseln genommen werden», schrieben sie in einem offenen Brief am Wochenende.

Sie kritisierten, dass Amazon in der Auseinandersetzung mit dem Verlag Hachette etwa die Auslieferung gedruckter Bücher verlangsamt sowie keine Vorbestellungen angenommen habe. Der Internethändler will niedrigere Preise für digitale Bücher durchsetzen.

Unter den Unterzeichnern des von Bestsellerautor Douglas Preston verfassten Protestbriefs finden sich auch Namen weiterer bekannter Literaten wie David Baldacci, Lincoln Child oder Suzanne Collins. Sie riefen die Leser auf, Amazon-Chef Jeff Bezos per E-Mail die Meinung zu sagen. Amazon verstosse gegen sein eigenes Versprechen, vor allem an die Kunden zu denken, indem der Konflikt mit Hachette auf dem Rücken der Leser ausgetragen werde.

Mehreinnahmen dank günstigeren Preisen

Amazon konterte den Vorstoss der Schriftsteller mit einem eigenen offenen Brief. Darin heisst es unter anderem, Literatur müsse günstiger werden, da sie mit vielen anderen Medien im Wettbewerb stehe. «Bücher konkurrieren mit mobilen Spielen, Fernsehen, Filmen, Facebook, Blogs, kostenlosen Nachrichten-Websites und mehr.»

Das Unternehmen verwies auch erneut auf frühere Berechnungen, wonach mit niedrigeren E-Book-Preisen wie 9.99 Dollar viel mehr Bücher verkauft würden als etwa bei 14.99 Dollar, sodass Schriftsteller und Verlage am Ende sogar mehr verdienen würden.

Amazon verteidigte zudem den viel kritisierten massiven Druck auf Hachette. Der Verlag habe in den Verhandlungen drei Monate lang gemauert und sich erst zähneknirschend mit den Amazon-Argumenten auseinandergesetzt, «als wir Massnahmen ergriffen, den Verkauf ihrer Titel in unserem Store zu reduzieren».

Amazon habe vorgeschlagen, für die Dauer des Streits gemeinsam die Einbussen der Autoren auszugleichen – Hachette habe dies aber abgelehnt. Die Leser wurden im Gegenzug aufgerufen, E-Mails an den Hachette-Chef zu schicken.

E-Book für 9.99 Dollar

Amazon hatte früh auf digitale Bücher gesetzt und mit Preisen bei 9.99 Dollar das Geschäft in den USA zunächst dominiert. US-Verlage nutzten den Start von Apples E-Book-Store auf dem iPad-Tablet, um ein Modell nach dem Muster der deutschen Buchpreisbindung durchzusetzen, bei dem sie selbst und nicht der Händler den Preis bestimmen können.

Nach Einschreiten von US-Behörden wurde dieses Verfahren jedoch gekippt, und Amazon kann wieder die Bücher bei Verlagen zum Grosshandelspreis beziehen. Hachette stemmt sich in Verhandlungen über einen neuen E-Book-Deal gegen den von Amazon geforderten niedrigeren Preis von 9.99 Dollar.

Einen ähnlichen Streit um die Preise für E-Books gibt es auch im deutschsprachigen Raum. Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels beschwerte sich beim deutschen Kartellamt über den Onlinehändler. Amazon wies den Vorwurf zurück, im Zuge von Verhandlungen die Auslieferung gedruckter Bücher aus der Verlagsgruppe Bonnier (Ullstein, Piper, Carlsen) zu verzögern.

SDA/ajk

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