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Berner Fotograf Fernand Rausser gestorben

Fernand Rausser war einer der vielseitigsten Fotografen der Schweiz. Er veröffentlichte zahlreiche Bildbände und machte als einer der ersten Luftaufnahmen von Bern. Nun ist er ­89-jährig gestorben.

Klänge in den Bergen und im Konzertsaal: Aus dem Bildband «Meine Kamera lacht, weint und staunt» (2008) von Fernand Rausser und Fred Zaugg.
Klänge in den Bergen und im Konzertsaal: Aus dem Bildband «Meine Kamera lacht, weint und staunt» (2008) von Fernand Rausser und Fred Zaugg.
zvg
Ein Auge für das scheinbar Unspektakuläre: Fernand Rausser liebte die Natur.
Ein Auge für das scheinbar Unspektakuläre: Fernand Rausser liebte die Natur.
zvg
Streng, aber humorvoll: So sei Fernand Rausser als Lehrmeister gewesen.
Streng, aber humorvoll: So sei Fernand Rausser als Lehrmeister gewesen.
zvg
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Die Wegwarte ist eine dieser Blumen, die man schnell übersieht. Sie wächst an Wegrändern, ist leuchtend blau und trotzdem unauffällig. Ihre Blätter sind länglich und zart. Nimmt man sich Zeit, sie zu betrachten, tritt ihre Schönheit zutage. Aus diesem Grund benannte der Berner Fotograf Fernand Rausser seinen Buchverlag nach der «anspruchslosen Wegwarte», wie er das Gewächs nannte. «Im Wegwarte-Verlag erscheinen Bücher, die (...), äusserlich unauffällig, bei näherem Hinsehen aber Staunen erwecken», steht auf der Website des 2003 gegründeten Verlags.

Mit dem eigenen Verlag schenkte sich der Fotograf im Alter von 77 Jahren die Freiheit. Etwas Schönes zu schaffen, ohne Bevormundung durch «Analphabeten der Bildsprache», das war sein Ziel. Veröffentlichen, was gefällt, und nicht, was rentieren muss. Rund dreissig Bücher erschienen seither im Wegwarte-Verlag.

Selbstständig mit 24

Fernand Rausser, von Freunden Sepp genannt, wurde 1926 in Bümpliz geboren, wuchs in Münchenbuchsee und Frauenfeld auf. In der Ostschweiz betrieben seine Eltern eine Konditorei, und dort machte er auch seine Lehre als Fotograf. Die Gesellenjahre brachten ihn von 1946 bis 1949 nach Genf, Lausanne und Bern. Danach besuchte er die Fotoklasse von Hans Finsler an der Kunstgewerbeschule in Zürich.

1950 – im Alter von 24 Jahren – machte er sich selbstständig. Er arbeitete als Presse- und Reportagefotograf und veröffentlichte eine Vielzahl von Bildbänden, darunter «Fünf Orte im Leben von Max Frisch», «Bern-Bummel» und «Meine Kamera lacht, weint und staunt». Er wurde mehrfach mit dem Preis für die schönsten Schweizer Bücher ausgezeichnet.

Sein Schaffen war von Anfang an breitgefächert, Eitelkeit und Dünkel waren Fernand Rausser fremd. Er nahm regelmässig Werbeaufträge an, etwa für die SBB, Swissair, Nestlé und Caritas, er fotografierte für Kalender, Glückwunschkarten und Geschäftsberichte. Daneben zeigte der Fotograf seine Bilder ab 1949 in Einzel- und Gruppenausstellungen und war zudem als Cartoonist und Zeichner tätig.

Die Bilder des Bolligers waren jahrzehntelang Teil des Schweizer Alltags. Zum Beispiel das Schulmädchen, das strahlend über die Strasse rennt und die Autofahrer jeweils zum Schulbeginn zur Vorsicht mahnen sollte. Das Bild war eine Auftragsarbeit für die Beratungsstelle für Unfallverhütung. Auch die erste Ausgabe des Kochlehrbuchs «Tiptopf» lebt von seinen Aufnahmen.

Inspiration Natur

Dass Fernand Rausser bei seinem Verlagsnamen auf die Natur zurückgriff, ist kein Zufall. Die Natur war ihm immer Inspiration, sei es für Landschafts- oder Luftaufnahmen oder für Nahaufnahmen von Pflanzen. Immer wieder veröffentlichte er Bücher über Pflanzen, zum Beispiel «Meine Helden sind das Unkraut, das Gras, der Regentropfen». Im Unscheinbaren das Grosse spiegeln, das war seine Stärke. Rausser war auch einer der Ersten, der Luftaufnahmen von Bern machte. Er veröffentlichte sie im Bildband «Bern von oben herab».

Fernand Rausser lebte in Bolligen und war seit 2004 mit Ursula Rausser verheiratet. Am Karfreitag ist der Fotograf «nach einem erfüllten, turbulenten Leben» gestorben, wie es in der Todesanzeige heisst. Die Anzeige ist mit zwei Brennnesseln bebildert. Eine unspektakuläre Pflanze, die es in sich hat. Wie die Wegwarte.

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