Zum Hauptinhalt springen

Wettbewerb der Test-Anbieter Konkurrenz kritisiert Roche wegen günstigen Antikörpertests

Roche verlangt von den Laboren 1.50 Franken für ihren Test. Viel zu wenig, monieren Konkurrenten. Die stossen sich zudem daran, dass Spitzenpolitiker Werbung für den Schweizer Konzern machen.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder besuchte Anfang Mai die Diagnostiksparte von Roche in Penzberg. Diese Gratiswerbung erzürnt die Konkurrenz.
Bayerns Ministerpräsident Markus Söder besuchte Anfang Mai die Diagnostiksparte von Roche in Penzberg. Diese Gratiswerbung erzürnt die Konkurrenz.
Foto: PD

Pharmariesen wie Roche werden seit Jahren von Medien, Krankenkassen und Ärzten für zu hohe Preise für innovative Medikamente kritisiert. Für einmal muss sich Roche nun den Vorwurf gefallen lassen, ein Produkt sei zu billig.

So werfen Konkurrenten Roche vor, ihren neuen Antikörpertest zu günstig zu vermarkten. Dem deutschen «Handelsblatt» zufolge verlangt Roche für den Test 1.50 Franken. Die Produkte der Konkurrenz kosten dagegen 4 bis rund 6 Franken – und damit deutlich mehr. «Der Preis von Roche ist eine Kampfansage», zitiert das Blatt Erwin Soutschek, Geschäftsführer der Diagnostikfirma Mikrogen aus dem Raum München.

Roche zeigt sich unbeeindruckt. Den genannten Preis will der Basler Konzern weder dementieren noch bestätigen. Den Vorwurf, mit Kampfpreisen den Markt aufrollen zu wollen, weist er aber von sich: «Der Preis ist vergleichbar mit den Preisen anderer Antikörpertest für Infektionskrankheiten», sagt Sprecher Nicolas Dunant.

Patienten müssen selber zahlen

Roche will den Preis, den der Konzern den Laboren für die Tests in Rechnung stellt, auch deshalb nicht bekannt geben, weil Patienten viel mehr zahlen müssen. Denn für einen Antikörpertest muss dem Patienten Blut abgenommen werden. Die Labore müssen dafür das Fachpersonal bezahlen und zudem die teuren Analysegeräte finanzieren, auf denen die Tests laufen. So kostet ein Antikörpertest beim Laborbetreiber Medica 108 Franken.

Die Antikörpertests stellen fest, ob jemand eine Infektion bereits durchlaufen und daher Antikörper gegen das Coronavirus gebildet hat. Noch ist zwar nicht sicher, ob der Betreffende dann wirklich immun gegen das Virus ist, aber die Wahrscheinlichkeit dafür gilt als hoch.

Davon zu unterscheiden sind die sogenannten PCR-Tests. Diese prüfen, ob jemand aktuell am Coronavirus erkrankt ist. Dieser Test erfolgt per Rachenabstrich.

Unterschiede gibt es auch, wer die Kosten trägt: Denn die Kosten für einen PCR-Test tragen in der Schweiz die Krankenkassen, abzüglich der Franchise. Für einen Antikörpertest müssen dagegen Patienten selbst zahlen. Die Gesundheitskommission des Nationalrats fordert nun, dass Nutzer der neuen Contact-Tracing-App auch kostenlos einen Antikörpertest machen können.

Boom bei Antikörpertests

Die Industrie stürzt sich derzeit auf Antikörpertests, weil mit ihnen die Hoffnung verbunden ist, das wahre Ausmass der Pandemie im Nachhinein feststellen zu können. Sprich, sollten Staaten entscheiden, die Bevölkerung flächendeckend testen zu lassen, könnte der Diagnostiksparte ein grosses Geschäft winken.

Derzeit sind mehrere Dutzend Tests auf dem Markt. Rund zwanzig davon haben die europäische CE-Zertifizierung, die auch in der Schweiz anerkannt wird. Wichtige Anbieter sind neben Roche der US-Riese Abbott, Siemens Healthineers und das Schweizer Start-up Quotient.

«Der geballte Auftritt der Politik bei Roche hat in der Branche für grosse Irritationen gesorgt.»

Thorsten Hilbich, Chef des Diagnostikkonzerns Diasorin

Es geht dabei auch um Prestige. Daher nervt die Branche, dass deutsche Politiker auch noch Werbung für Roche machen. So besuchten der deutsche Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) und der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) Anfang Mai den Roche-Diagnostics-Standort Penzberg in Bayern, wo der Antikörpertest entwickelt worden ist. Der Besuch ergab werbewirksame Fotos, auf denen Söder den Test in die Kamera hält. Und Spahn lobte das Produkt als den «soweit uns bekannt besten Test».

«Der geballte Auftritt der Politik bei Roche hat in der Branche für grosse Irritationen gesorgt», zitiert das «Handelsblatt» Thorsten Hilbich, Geschäftsführer des Diagnostikkonzerns Diasorin. Es sei «befremdlich», wenn deutsche Minister sich so deutlich für den Test eines Anbieters aussprächen.

Mit Basler Bescheidenheit hatte Roche-Chef Severin Schwan stets betont, dass das Geschäft mit den Tests keinen nennenswerten Effekt auf die Ergebnisse der Konzerns haben wird. Der positive Image-Effekt, von dem Roche weltweit nun profitiert, dürfte dagegen mindestens so wertvoll sein wie das Zusatzgeschäft. Und dass Roche jetzt auch noch für angeblich zu tiefe Preise kritisiert zu wird, ist mit Geld nicht zu bezahlen.