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Pädophilen-Prozess in MeilenOrdentliche Verwahrung für kirchlichen Mitarbeiter gefordert

Ein ehemaliger Mitarbeiter der reformierten Kirche steht heute vor Gericht. Er ist wegen sexueller Handlungen mit Kindern angeklagt.

Der beschuldigte Priester soll drei Kinder sexuell missbraucht haben.
Der beschuldigte Priester soll drei Kinder sexuell missbraucht haben.
Foto: Geatan Bally/Keystone

Der 54-jährige Pädophile, der sich am Donnerstag vor dem Bezirksgericht Meilen verantworten muss, soll eine Verwahrung nach Artikel 64 erhalten, also eine ordentliche Verwahrung ohne Therapie. Dies hat die Staatsanwältin gefordert.

Die Anklage verlangt für den ehemaligen Clown, Animator und kirchlichen Mitarbeiter zudem eine Freiheitsstrafe von siebeneinhalb Jahren und ein lebenslängliches Tätigkeitsverbot mit Kindern.

Er soll wegen mehrfacher sexueller Nötigung, mehrfacher sexueller Handlungen mit Kindern, mehrfacher Pornografie und Gewaltdarstellung verurteilt werden.

Angeklagter schiebt Kindern Teil der Schuld zu

In der Befragung schob der Schweizer den Kindern einen Teil der Schuld zu. Diese hätten die sexuellen Handlungen anfangs initiiert. Sein erstes Opfer, einen Knaben aus einem Chor, habe er in der Kirche angesprochen, weil er bei diesem «künstlerische Fähigkeiten» erkannt habe. «Ich habe ihm gesagt, dass ich es toll fände, wenn er Theater spielen würde», sagte der Beschuldigte, der früher als Clown und soziokultureller Animator arbeitete.

Der 54-Jährige schaffte es, ein Vertrauensverhältnis zum Knaben und zur alleinerziehenden Mutter aufzubauen. Irgendwann ging er in deren Wohnung ein und aus, erteilte dem Knaben Nachhilfeunterricht und führte spielerische Ringkämpfe mit ihm aus.

Die ersten sexuellen Handlungen habe der Knabe initiiert, betonte der Beschuldigte beim Prozess in Meilen. Dass es weiterging, liege aber an ihm, was ihm sehr leidtue. Er habe den Kopf verloren.

Der Mann, der gemäss Gutachten unter einer homosexuellen Pädophilie leidet, schaute mit dem Knaben auch ein Aufklärungsbuch aus dem Jahr 1974 an, das wegen seiner Abbildungen längst nicht mehr im Verkauf ist. Es gilt aus heutiger Sicht als hoch problematisch.

Geprägt von der 68er-Generation

«Ich dachte immer, das sei harmlos.» Schliesslich würden die Kinder auf den Bildern lachen, die Atmosphäre sei gut. Für ihn sei ein Penis «etwas Freundliches», dessen Tabuisierung schlecht.

Der Beschuldigte ist geprägt von den Ansichten der 1968er-Generation. Damals gab es die Meinung, dass sexuelle Handlungen mit Kindern unschädlich seien, wenn sie von den Kindern ausgehen würden. Er selber führte als 8-Jähriger eine Beziehung zu einem 16-Jährigen. Diese Beziehung habe er aber gewollt, es sei «eine freudsame Erfahrung gewesen und absolut freiwillig.»

«Mit Mädchen kann ich herzlich wenig anfangen»

Auch sein eigener Stiefsohn wurde Ziel seiner Übergriffe. Als der Knabe ihm gesagt habe, dass er das nicht möge, habe er aber aufgehört. Gemäss Anklage kam es zu zehn bis zwanzig Missbräuchen. «Heute wisse er, das sei nicht korrekt gewesen.»

Obwohl er «nur Knaben mag», wie er selber sagte, missbrauchte er gemäss Anklage auch seine leibliche Tochter. Sie habe von sich aus seinen Penis berührt, es sei ihm aber unangenehm gewesen. «Mit Mädchen kann ich herzlich wenig anfangen.»

Er habe sich schon Gedanken darüber gemacht, ob seine Handlungen den Kindern schaden könnten. Dass diese heute noch darunter leiden, tue ihm leid. Die beiden Knaben sind wegen der Misshandlungen körperlich und psychisch beeinträchtigt und benötigen Therapie.

Mehrfach einschlägig vorbestraft

Der ehemalige kirchliche Mitarbeiter und Clown ist mehrfach einschlägig vorbestraft und erhielt auch schon Freiheitsstrafen. Die erste Verurteilung stammt aus den 1980er-Jahren.

Bei den Verurteilungen wurden teilweise auch therapeutische Massnahmen angeordnet. «Ich dachte deshalb, dass ich die Grenzen zu Kindern wahren kann. Doch da habe ich mich geirrt.»

Medikamente zur Triebsteuerung

Er dürfe auf keinen Fall mehr Kontakt zu Knaben haben und nicht mehr mit ihnen arbeiten. Ein Gutachten attestiert ihm eine homosexuelle Pädophilie und eine hohe Rückfallgefahr. Eine medikamentöse Behandlung der Triebsteuerung lehnte er bisher immer ab. Mittlerweile habe er eine andere Meinung. «Wenn ein Therapeut dies empfiehlt, würde ich mich dem fügen.»

SDA