Zum Hauptinhalt springen

Rund 140 Stellen fallen wegKiosk- und Tankstellenlieferant Lekkerland geht in Liquidation

Mangels eines neuen Investors muss der Lebensmittelhersteller nun den Betrieb in der Schweiz einstellen. Für die Mitarbeitenden wird nach Lösungen gesucht.

Ein grosser Lieferant geht in Liquidation: Lekkerland beliefert gemäss eigenen Angaben rund 2'700 Tankstellen, Kioske und Autobahnraststätten mit diversen Produkten, darunter Lebensmittel, Tabakwaren und Süssigkeiten
Ein grosser Lieferant geht in Liquidation: Lekkerland beliefert gemäss eigenen Angaben rund 2'700 Tankstellen, Kioske und Autobahnraststätten mit diversen Produkten, darunter Lebensmittel, Tabakwaren und Süssigkeiten
Foto: Christian Beutler (Keystone) 

Der Lebensmittelhersteller Lekkerland stellt bis voraussichtlich Ende Jahr den Betrieb in der Schweiz ein. Damit fallen rund 140 Stellen weg. Als Grund gibt das Unternehmen an, es habe trotz intensiver Bemühungen keinen neuen Investor gefunden. Die Mitarbeitenden sollen nun möglichst bei der Konkurrenz unterkommen.

«Wir standen kurz vor der Vertragsunterzeichnung mit einem neuen Investor», sagte Sprecherin Christine Anderes gegenüber der Nachrichtenagentur AWP. Doch dann sei der interessierte Investor in letzter Sekunde abgesprungen. Man gehe davon aus, dass dabei auch das wirtschaftliche Umfeld im Zusammenhang mit der Coronakrise eine Rolle spielte.

Die Gesellschafter hätten dem Unternehmen keine Zeit mehr gegeben, um erneut auf die Suche nach Investoren zu gehen. Nun werde das Geschäft gemäss einer Mitteilung auf der Webseite «bis voraussichtlich Ende des Jahres» aufgelöst.

Während der Coronakrise versuchte sich das Unternehmen erstmals auch als Lieferdienst. Doch diese Massnahme hat gemäss Anderes nicht den gewünschten Erfolg gebracht. Man habe zwar Bestellungen verzeichnet, habe aber aufgrund der unsicheren Situation kein grosses Budget gehabt, um diese Möglichkeit zu bewerben. «Die Lieferungen waren aber ohnehin nur als Zusatzgeschäft gedacht und hätten nie unser Hauptgeschäft ersetzt», so Anderes.

Obwohl der operative Betrieb wahrscheinlich noch bis Ende Jahr aufrecht erhalten bleibt, könnten für diesen Zeitraum nicht alle Leistungen auf gewohntem Niveau fortgesetzt werden. «Wir nehmen beispielsweise keine neuen Artikel mehr auf», sagte Anderes. Sonst habe man sich stets bemüht, Neuheiten und Nischenprodukte anzubieten.

Lösung für Mitarbeitende gesucht

Beim Unternehmen seien derzeit rund 140 Mitarbeitende angestellt. Für diese werde nun nach einer Lösung gesucht. «Unser Geschäftsführer ist mit unseren Mitbewerbern in Kontakt», so Anderes. Einerseits werde versucht, die Kunden an die Mitbewerber weiterzugeben und andererseits hoffe man auch, Mitarbeitende bei der Konkurrenz unterbringen zu können, so Anderes.

Die letzten beiden Monate waren gemäss Anderes alle Mitarbeitenden des Betriebs zu 20 Prozent in Kurzarbeit angestellt. Seit diesem Monat herrsche bei Lekkerland Schweiz jedoch keine Kurzarbeit mehr.

Lekkerland beliefert gemäss eigenen Angaben rund 2'700 Tankstellen, Kioske und Autobahnraststätten mit diversen Produkten, darunter Lebensmittel, Tabakwaren und Süssigkeiten. 2013 hatte das Unternehmen von der Schweizer Kioskbetreiberin Valora die Grosshandelssparte übernommen.

SDA

4 Kommentare
    Heinz Ryffel

    Das bürgerliche Credo "Arbeitsplätze schaffen" zeigt sich hier von der miesesten Seite. Gemeint ist nämlich damit nicht die Stelle für den Arbeitnehmer, sondern was der Arbeitgeber am geschaffenen Arbeitsplatz verdient. Und, so wird die Wirtschaft, die Bevölkerung und die dazu notwendige Infrastruktur absolut ungesund aufgeblasen. Es muss durch Prüfstellen angestreb werden, solche Entwicklungen von Anfang an zu erkennen. Bringt es die Firma fertig, ein paar Jahre lang das dreifache an Arbeitgeberbeiträgen in die ALV zu zahlen, hat sie Bestand. Wenn nicht, können wenigstens die stellenlosen Arbeitnehmer besser aufgefangen werden.