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Wegen Corona-MassnahmenKeine Hallenausstellung bei Frankfurter Buchmesse

Die Buchmesse wird 2020 stattdessen fast ausschliesslich digital stattfinden – als Abschluss eines ohnehin schwierigen Jahres.

Ein Jahr her, aber doch ewig weit entfernt von der kommenden Veranstaltung: eine Ausstellungshalle der Frankfurter Buchmesse im Jahr 2019.
Ein Jahr her, aber doch ewig weit entfernt von der kommenden Veranstaltung: eine Ausstellungshalle der Frankfurter Buchmesse im Jahr 2019.
Foto: Jens Kalaene (Keystone)

Der Hauptteil der Frankfurter Buchmesse, die klassische Hallenausstellung, fällt wegen der Corona-Pandemie in diesem Jahr aus. «Aufgrund der aktuell geltenden Reisebeschränkungen können zahlreiche Länderstände nicht wie geplant umgesetzt werden», teilten die Veranstalter gestern mit. Zudem mache die von 1. Oktober 2020 an in Kraft tretende Quarantäneverordnung die Teilnahme von europäischen Ausstellern oder Fachbesuchern nahezu unmöglich.

Bereits im Vorfeld hatten zahlreiche Verlage angekündigt, auf einen Auftritt in diesem Jahr zu verzichten. Somit hätte es nur eine deutlich kleinere Hallenausstellung gegeben. Auch der Auftritt des diesjährigen Gastlandes Kanada war schon auf 2021 verschoben worden.

Buchmessen-Direktor Juergen Boos sprach von einem «ideellen und finanziellen» Verlust. Für die Verlage solle es eine digitale Rechtehandelsplattform geben, als Ersatz für das traditionelle Messegeschäft. «Unser Fokus liegt jetzt auf dem virtuellen Angebot und den Veranstaltungen in der Festhalle und in der Stadt», sagte er. Auf der Buchmesse werden traditionell viele Verträge zur internationale Vermarktung von Büchern ausgehandelt. Es wird sich zeigen, ob sich die Branchentreffen alle einfach digitalisieren lassen.

Vier Millionen Euro an Förderung

Für Verlage bedeutet die Absage der Messestände einen weiteren Rückschlag in einem bereits schwierigen Jahr. Wegen der wochenlangen Schliessung von Buchhandlungen im Frühjahr und der komplett abgesagten Leipziger Buchmesse im März befürchten Verleger einen Umsatzrückgang von zwölf Prozent. Vielen Büchern fehlt ohne die Buchmessen die nötige Aufmerksamkeit, um ein breites Publikum zu erreichen. Besonders kleinere Titel haben es in diesem Jahr sehr schwer, etwa Bücher, die im Zuge des Gastlandauftritts Kanadas eigens übersetzt worden waren und nun etwas kontextlos in den Buchhandlungen liegen.

Gerade erst war bekannt geworden, dass die Buchmesse mit vier Millionen Euro aus dem Förderprogramm des Bundes für die von Corona hart getroffene Kulturbranche unterstützt werden sollte, um zum Beispiel Aussteller bei den Standmieten zu bezuschussen. Ob das Geld auf die digitalen Auftritte umgelegt wird, ist noch unklar. Auch Verlage und Buchhandlungen sollen mit Millionenbeträgen unterstützt werden, die den erwarteten Umsatzrückgang aber vermutlich nicht ganz ausgleichen können.

Die Verleihungen des Deutschen Buchpreises am 12. Oktober und des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels am 18. Oktober sollen indes wie geplant stattfinden.

1 Kommentar
    Ralf Schrader

    Diese Fast- Krise lehrt, mit wie wenig eine Gesellschaft auskommen kann, ohne dabei substanziell zu verlieren. So wertvoll Kunst ist, es braucht keine 100'000 deutschsprachige Bücher/ Jahr, nicht hunderttausend Filmstunden mit Festivals, Messen und Werbung, als würde es sich bei Kunst um Wirtschaftsgüter handeln.

    Man braucht auch nicht 10 Studien/ Jahr pro Forschungsplatz.

    Der Gesellschaft fehlt nichts und dem Klima nutzt es, wenn man auch Kunst, Wissenschaft, Sport, alle Kultur, auf ein Minimum herunter reguliert. Das sollte uns diese Pandemie lehren. Kultur ist etwas Schönes, Nützliches, aber nicht geeignet, damit seinen Lebensunterhalt zu verdienen.

    Grashalmgewerbe wie Bühnentechnik, Ausstellungsbauer, Soundgeräteverleiher, usw. sind Schönwettergebilde und können unbeschadet verschwinden. 1'000 Bücher im Jahr, ein Dutzend Sprech- und Musiktheater und 5 Open Airs reichen für einen Kleinstaat wie die Schweiz völlig aus.