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Mehr Geld für Berner MarketingKanton Bern soll Marketing in der touristischen Krise finanzieren

Wenn heute die Touristen ausbleiben, fehlt das Geld, um die Gäste von morgen anzulocken. Deshalb fordert der Interlakner SP-Grossrat vom Kanton Soforthilfe, damit die Branche Marktarbeit betreiben kann.

Wenig Touristen auf der Flaniermeile am Höheweg mit dem Hotel Victoria Jungfrau im Hintergrund. Anlässlich einer Reportage über die fehlenden asiatischen Touristen in Interlaken am 16.7.2020. Foto: Christian Pfander/Tamedia AG
Wenig Touristen auf der Flaniermeile am Höheweg mit dem Hotel Victoria Jungfrau im Hintergrund. Anlässlich einer Reportage über die fehlenden asiatischen Touristen in Interlaken am 16.7.2020. Foto: Christian Pfander/Tamedia AG
Foto: Tamedia AG

Der Interlakner Grossrat Urs Graf (SP) fordert eine gesetzliche Anpassung, damit der Kanton in Krisenzeiten der Tourismusbranche besser helfen könne. Dies, indem er ausserordentliche Beiträge, die über die im Tourismusentwicklungsgesetz (TEG) vorgesehenen Finanzhilfen hinausgehen, entrichten kann. Dies speziell für die Marktbearbeitung. Wenn die Anpassung erfolgt sei, müsste dann – falls die Situation es erfordert – ein «angemessener» Betrag für das Marketing an die Berner Dachmarkenorganisation madeinbern» und an die Tourismusdestinationen geleistet werden.

Graf weist in der Begründung seiner Motion auf die «hohe volkswirtschaftliche Bedeutung» des Tourismus für den Kanton und das Berner Oberland im Speziellen hin. Und hält fest: «Es ist eine Tatsache, dass andere Kantone, vor allem die Tourismuskantone Wallis, Graubünden und Tessin, mit viel mehr kantonalen Mitteln den nationalen und internationalen Markt bearbeiten.»

Nicht nur das Oberland

Für den Interlakner geht es aber nicht nur ums Oberland. So seien von der aktuellen Krise neben dem global ausgerichteten Interlaken besonders die städtischen Destinationen wie Bern betroffen. Graf hält fest, dass im TEG die Voraussetzungen für Finanzhilfen an die Marktbearbeitung «präzise und abschliessend» umschrieben seien. «Und es gibt keine Regelung für ausserordentliche Situationen.»

Den Destinationen fehlte nun das Geld, das sie benötigen würden, um antizyklisch zu reagieren, sodass die Positionierung von ganzen Tourismusdestinationen auf dem nationalen und internationalen Markt gefährdet seien. «Eine mehrere Jahre dauernde Krise, und eine solche ist leider aktuell nicht auszuschliessen, würde dazu führen, dass ganze Geschäftsmodelle, die an sich höchst wertschöpfungsstark sind, verschwinden könnten», hält Graf fest. «Ein Wiederaufbau wäre dann um ein Vielfaches teurer als eine relativ bescheidene Investition in deren Erhalt.»

Schon Beiträge gesprochen

In seiner Antwort gibt der Regierungsrat Graf über weite Strecken recht, hält aber auch fest, dass er schon einen Rahmenkredit von 5 Millionen Franken zur teilweisen Kompensation der Ausfälle aus der Beherbergungsabgabe beschlossen habe. «Der Rahmenkredit wurde voll ausgeschöpft und für die Mitfinanzierung des Tourismusmarketings eingesetzt, welches im Jahr 2020 innert kürzester Zeit neu fokussiert und vollständig auf den Schweizer Markt ausgerichtet worden ist.»

Der Regierungsrat geht davon aus, dass die Logiernächtezahlen 2021 nicht das normale Niveau erreichen werden und die Beherbergungsabgaben erneut tief ausfallen werden. Die fehlenden Erträge sollen aber zumindest teilweise durch den Kanton kompensiert werden. Darüber werde aber der Grosse Rat entscheiden müssen. «Zusätzlich zu dieser ausserordentlichen Unterstützung stehen dem Tourismus die arbeitsmarktlichen Massnahmen des Bundes wie Kurzarbeit, Erwerbsausfall für Selbstständige und die Härtefallgelder von Bund und Kanton grundsätzlich im gleichen Mass zur Verfügung wie den übrigen Branchen, sodass weitergehende branchenspezifische Massnahmen ausschliesslich für den Tourismus nicht angezeigt sind.»

Postulat statt Motion

Abschliessend hält der Regierungsrat fest, dass eine Anpassung der Gesetze bis zu drei Jahre dauern werde und deshalb «für die Bewältigung der aktuellen Krise kaum geeignet» sei. Er beabsichtige jedoch, gestützt auf die während der Covid-19-Pandemie gemachten Erfahrungen, grundsätzlich zu prüfen, ob die Schaffung von zusätzlichen Rechtsgrundlagen für die Bewältigung von Krisen erforderlich sei. Zudem wolle er zu gegebener Zeit die Tourismusfinanzierung im Kanton Bern einer umfassenden Prüfung unterziehen. Er ist deshalb bereit, die dringliche Motion als Postulat anzunehmen.