Kampf um die Kontrolle über den Kakao

Die Elfenbeinküste und Ghana wollen ihre Ernten gemeinsam vermarkten und den Preis bestimmen. Allerdings fehlt es den Anbauländern an Lagerstätten.

Viel Aufwand und wenig Lohn: Ein Kakaobauer in der Elfenbeinküste. Foto: Legnan Koula (EPA)

Viel Aufwand und wenig Lohn: Ein Kakaobauer in der Elfenbeinküste. Foto: Legnan Koula (EPA)

Das Geschäft mit Kakao und Schokolade blüht, vor allem aber basiert es auf der Ausbeutung der Kleinbauern. Die Preise werden vom Weltmarkt bestimmt, nicht von den Produzenten. Das soll sich ändern: Die Elfenbeinküste und Ghana wollen ihre Ernten gemeinsam vermarkten – und den Preis bestimmen.

Dieser soll für die kommende Saison 2600 Dollar je Tonne betragen, was 10 Prozent über dem derzeitigen Marktniveau liegt, aber weit über den Einbrüchen von 2017. Diese Absicht kündigten die beiden Länder bei einem Treffen mit Käufern in Accra, der Hauptstadt Ghanas, an. Der Chef des staatlichen Ghana Cocoa Board, Joseph Boahen Aidoo, sagte, die Forderungen seien grundsätzlich akzeptiert worden.

Bei einem Folgetreffen, so ­Aidoo, solle die Umsetzung der Vereinbarung erörtert werden. Bis dahin würden Ghana und die Elfenbeinküste den Verkauf der Ernte 2020/2021 aussetzen. Er sprach von einem historischen Schritt. Jahrelang hätten die Käufer den Preis bestimmt.

Bauern sind die Verlierer

Die ersten Samen der Kakaopflanze kamen 1876 nach Ghana. Dahinter standen die evangelischen Missionare der Basler Mission. Tetteh Quarshie schmuggelte die Samen ins Land und begann die Pflanzen anzubauen, als wohl Erster auf dem afrikanischen Festland.

Quarshie arbeitete als Hufschmied für die Basler Mission und hatte auf einer Reise auf die Insel Bioko die ersten Kakaopflanzen gesehen. In Ghana gilt er heute als Nationalheld, ein Museum ist ihm gewidmet, ­Spitäler tragen seinen Namen, in Liedern wird seine Pioniertat besungen. Was nicht so oft erwähnt wird: Die erste Ernte soll Quarshie gar nicht mehr erlebt haben, der Tod ereilte ihn früh.

Ghana ist heute der zweitgrösste Kakaoproduzent der Welt. Zusammen mit dem Nachbarn Elfenbeinküste werden etwa 60 Prozent der weltweiten Ernte angebaut. Der Markt mit Kakaoprodukten wird auf etwa 100 Milliarden Dollar beziffert. Den Bauern in Ghana und der Elfenbeinküste geht es aber ähnlich wie dem Pionier Quarshie – sie haben nicht viel davon. Nur etwa 6 Prozent des Erlöses einer Tafel Schokolade kommen beim Kakaobauern an.

Es gibt denn auch nur wenige Familien, bei denen das Durchschnittseinkommen über 2 Franken pro Tag und Person liegt. Und das, obwohl sich seit Jahren zahlreiche Organisationen und Unternehmen um einen faireren Handel bemühen. Zwar hat es Fortschritte gegeben, aber das Hauptproblem, wonach der Weltmarkt die Preise bestimmt, konnten auch die Initiativen nicht beheben.

Die Opec als Vorbild

«Wir begrüssen den Schritt der Regierungen, die Einkommen der Kakaobauern abzusichern und die Gewinne gerechter zu verteilen», sagt Jon Walker, ­Senior-Berater für Kakao bei der Nichtregierungsorganisation Fairtrade International, dem Dachverband der nationalen Fairtrade-Organisationen. Das Preisniveau müsse steigen, um den Bauern ein existenzsicherndes Einkommen zu garantieren. Dies sei aber nur langfristig durchzusetzen.

Fairtrade zahlt seinen Bauern einen Aufschlag von 240 Dollar auf die Tonne. Inflationsbereinigt sind die Kakaopreise seit 1980 um 40 Prozent gesunken, was einerseits an der höheren Produktion liegt, aber auch an der Marktmacht weniger Konzerne. Es ist das Problem mit dem Rohstoffreichtum afrikanischer Länder: Die Veredelung findet weitgehend im Ausland statt – fast wie zu Kolonialzeiten.

Barry Callebaut, der weltgrösste Schokoladenproduzent, wollte sich auf Anfrage dieser Zeitung nicht zu den Plänen der beiden Länder äussern.

Ghana und die Elfenbeinküste wollen nun einen Teil der Kontrolle über ihren Rohstoffreichtum zurückgewinnen. Vielleicht sogar etwas Ähnliches schaffen wie die Opec für die Öl produzierenden Länder, eine Organisation mit grosser Marktmacht. Nur lässt sich die Kakaopro­duktion nicht so leicht steuern: Man kann nicht einfach den Hahn zudrehen.

Für eine künstliche Verknappung fehlen den Anbauländern die Lagerstätten, obwohl Ghana und die Elfenbeinküste immer wieder angekündigt haben, solche bauen zu wollen. Eine junge Generation von Unternehmern ist da schon weiter. In Ghana und der Elfenbeinküste kreieren ­junge Chocolatiers ihre eigene Schokolade. Bei der wachsenden Mittelschicht können sie dafür Spitzenpreise verlangen.

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