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Nach dem Einknicken von Züri WestJetzt lässt sich auch Mani Matter streamen

Stur bleiben oder sich dem Zeitgeist beugen? Nach langem Widerstand sind bald auch die Lieder des Berner Liedermachers auf Spotify und Co. erreichbar.

Michael Feller
 Ab dem 1. März können Originalsongs von Mani Matter auf Spotify gestreamt werden. (undatierte Aufnahme, vermutlich 1972).
Ab dem 1. März können Originalsongs von Mani Matter auf Spotify gestreamt werden. (undatierte Aufnahme, vermutlich 1972).
KEYSTONE

Sie gehörten zur letzten Bastion des Widerstands: Züri West und Mani Matter. Sie verzichteten auf die bescheidenen Tantiemen von Spotify und Konsorten und setzten auf die guten alten Tonträger. Und so fand epochale Berner Musik auf den Streamingportalen nicht statt. Vergangenen Dezember knickten Züri West ein und stellten ihre Alben digital zur Verfügung. Und jetzt teilt der Basler Zytglogge-Verlag mit: Ab dem 1. März lässt sich auch Mani Matter streamen.

In der Medienmitteilung schreibt der Verlag: «Mani Matter soll auch weiterhin für jüngere Generationen zugänglich sein.» Auf die Frage nach den Beweggründen bleibt Angelia Schwaller vom Zytglogge-Verlag wortkarg: «Es gab das Bedürfnis nach dem Angebot. Mehr kann ich dazu aber nicht sagen.»

«Wir wollen nicht die junge Generation, die gar keine Abspielgeräte mehr besitzt, von diesem Volkskulturgut ausschliessen.»

Sibyl Matter, Anwältin, Tochter von Mani Matter

Es ist bekannt, dass die Familie Matter mit strengem Blick über das Matter-Erbe wacht. Sibyl Matter will aber nicht von einem Widerstand gegen das Streaming sprechen, den die Familie nun aufgegeben habe. «Bis jetzt gab es schlicht den Anlass nicht, die Alben auf Spotify zu veröffentlichen.» Allerdings seien Familienmitglieder in letzter Zeit wiederholt darauf angesprochen worden, dass junge Leute keinen Zugang mehr hätten zu den Matter-Liedern. Deshalb folge nun dieser Schritt. «Wir wollen nicht die junge Generation, die gar keine Abspielgeräte mehr besitzt, von diesem Volkskulturgut ausschliessen.»

Finanzielle Überlegungen hätten keine Rolle gespielt. Finanziell hat die Ablehnung von Streamingdiensten auch anderen nichts gebracht. Die Hoffnung, dass Fans der Berner Mundartmusik auf den (lukrativeren) Download oder die gute alte CD ausweichen würden, wenn sie ihre Helden nicht auf Spotify finden würden, ging nicht in Erfüllung. Es zeigte sich, dass sich die Menschen nicht von ihren neuen Gewohnheiten abbringen lassen: Sie streamen ihre Musik, sie kaufen sie nicht mehr.

Jetzt fehlt nur noch Polo

Noch immer unauffindbar ist auf den Streamingportalen ein letzter grosser Berner Musiker: Polo Hofer. Doch auch dies dürfte sich in Bälde ändern: Auf Anfrage liess Sylvie Widmer vom Musikverlag Sound Service durchblicken, dass es durchaus möglich sei, dass in absehbarer Zeit auch die Polo-Fans auf Spotify und Co. auf ihre Rechnung kommen würden.