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1.-August-Feuerwerk abgeschafftDrohnen statt Pyro-Kunst?

Die Berner Stadtregierung sucht eine zeitgemässe und ökologische Variante, den 1. August würdig zu begehen. Ein Feuerwerk auf dem Gurten wird es deshalb ab sofort nicht mehr geben.

Ende Feuer: Der Gemeinderat verfügt das Aus für das traditionelle Feuerwerk vom 1. August.
Ende Feuer: Der Gemeinderat verfügt das Aus für das traditionelle Feuerwerk vom 1. August.
Foto: Thomas Reufer

Er sei sich bewusst, dass er eine «bei Teilen der Bevölkerung beliebte Attraktivität» zum Verschwinden bringe, nimmt der Gemeinderat die Empörung schon vorweg, als er seinen Entscheid verkündet.

Bereits ab diesem Jahr bricht die Stadt mit der Tradition, am 1. August um 22.15 Uhr auf dem Gurten ein hauptsächlich aus Sponsorengeldern finanziertes Feuerwerk in den Himmel steigen zu lassen. Nicht von diesem Verzicht betroffen ist das restliche innerstädtische 1.-August-Programm mit dem 2019 erstmals betriebenen Monstergrill.

Die Regierung trage mit der Beendigung der Tradition der Tatsache Rechnung, dass «Akzeptanz und Nachhaltigkeit» des Gurten-Feuerwerks immer stärker infrage gestellt werde.

Die kritische Haltung gegenüber Lärm und Abfall sowie ökologische Bedenken seien in der Bevölkerung stärker geworden, die Lust der Sponsoren, Geld dafür zu sprechen, hingegen geringer, hält der Gemeinderat fest.

Abgesehen davon hätten mit den häufigeren trockenen Hochsommerphasen der letzten Jahre die organisatorischen Schwierigkeiten zugenommen. 2019 war erst im letzten Moment klar, dass man die zuvor auf den Gurten transportierten rund drei Tonnen pyrotechnisches Material zünden konnte. 2018 wurde das Abfeuern von den Behörden untersagt.

Verhältnisblödsinn?

Der Gemeinderat betont, dass ökologische Überlegungen für das Aus des 1.-August-Feuerwerks «nicht ausschlaggebend waren», zumal das Abbrennen von Feuerwerk zwar die Feinstaubbelastung erhöht, nicht aber den CO2-Ausstoss. Trotzdem stört sich SVP-Stadtrat Alexander Feuz daran, dass man beim Feuerwerksverzicht überhaupt an das Klima dachte: «Was für ein Verhältnisblödsinn», hält er fest.

Niemand im Gemeinderat habe aufbegehrt, als der Stadtpräsident 2019 nach Südafrika an einen Kongress geflogen sei. Aber wenn man dem Volk das traditionelle Feuerwerk wegnehmen wolle, da denke man ans Klima. Und überhaupt: Es gebe unzählige Stadt- und Seefeste mit Feuerwerk.

Allerdings will der Gemeinderat des Feuerwerk nicht ersatzlos streichen, sondern den 1. August auch künftig «mit einem sinnlichen, feierlichen und symbolischen Akt der Gemeinschaftsbildung bereichern», wie er salbungsvoll schreibt. Man werde dazu einen Ideenwettbewerb lancieren.

Tanz der Drohnen

Es sei indessen nicht so, dass das Ende des 1-August-Feuerwerks ein Partizipationsfeuerwerk zur Folge habe, sagt Stadtschreiber Jürg Wichtermann. Konkret sei noch nichts, aber der Gemeinderat denke daran, sehr gezielt Ideen zu sammeln. Beispielweise, indem er auf Kunstschaffende zugehe.

Wichtermann hält fest, dass ein Feuerwerk ein sehr effizientes und relativ preisgünstiges Instrument sei, um grossräumig einen kollektiven Moment der Besinnung hervorzurufen. Es sei nicht trivial, für die rund 70’000 Franken, die das Feuerwerk kostete, einen ebenbürtigen Ersatz zu finden. Ziel sei es, für die Bundesfeier 2021 mit einer Alternative bereit zu sein.

Blickt man in andere Städte, haben grosse Drohnenverbände das Potenzial, im immissionsbesorgten Zeitalter die Nachfolge von echten Feuerwerken anzutreten. St. Moritz etwa ersetzte vor vier Monaten das Neujahrsfeuerwerk mit einem Ballett leuchtender Drohnen. Auch in der chinesischen Metropole Shanghai liess man – allerdings in geschütztem Rahmen ein paar Tage vor Neujahr – in einer kunstvollen Formation zweitausend Drohnen steigen.