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Lucerne Festival als Kurzformat«Im Moment geht das Fenster auf»

Levit, Argerich, Bartoli: Intendant Michael Haefliger kündigt ein kurzes, aber hochkarätiges Lucerne Festival an.

Rund 900 Zuhörer werden die neun Konzerte im Luzerner KKL hören können.
Rund 900 Zuhörer werden die neun Konzerte im Luzerner KKL hören können.
Foto: Keystone

Es gibt nun also doch ein Lucerne Festival.

Sagen wir es so: Es gibt einen Entwurf in einer speziellen Zeit, ein Kurzformat mit neun Konzerten. Der Pianist Igor Levit beendet seinen Beethoven-Zyklus, sonst kommen vor allem Musiker, die in der Schweiz leben: Die Pianistin Martha Argerich spielt ebenfalls Beethoven, Cecilia Bartoli und Mauro Peter werden singen. Und der Dirigent Herbert Blomstedt wird mit 93 Jahren erstmals das Lucerne Festival Orchestra dirigieren.

Chefdirigent Riccardo Chailly wollte nicht kommen?

Er ist im Moment an der Mailänder Scala voll gefordert. Die Lombardei ist ja immer noch im Ausnahmezustand.

Sind Sie eigentlich verärgert über den Bund, der Sie erst zur Absage drängte und nun doch wieder Veranstaltungen mit 1000 Leuten zulässt?

Überhaupt nicht, wir standen und stehen in einem sehr guten Austausch mit dem Bund. Im Moment geht das Fenster auf, wir können fast normal leben; aber im April war es eine absolute Krisensituation. Natürlich war die Absage traurig. Aber wir waren froh, dass der Bund die Verantwortung übernommen hat.

Sie haben damals darauf gehofft, dass vielleicht kleine Streamings möglich sein würden.

Ja, mehr schien kaum denkbar. Und wir haben zusammen mit dem Perkussionisten Peter Conradin Zumthor die Idee einer Klanginstallation mit den Glocken von vier Luzerner Kirchen entwickelt. Die ist nun auch Teil des Kurzfestivals.

Was passiert, wenn sich die Situation in der Schweiz wieder verschlechtern sollte?

Wir leben jetzt von Woche zu Woche. Das ist in der Klassik besonders herausfordernd, weil wir so langfristig planen – was ja auch nicht nur gut ist. Ich hoffe, dass von der derzeit nötigen Spontaneität auch in Zukunft etwas bleiben wird.

1 Kommentar
    Jean-Marc Tétaz

    Wer ein Blick über die Schweizer Grenzen wirft, weiss, dass es auch anders geht: das Programm in Salzburg ist hochkarätig und international. Warum ist Luzern dazu nicht in der Lage? Warum haben sich die dortigen Festspiele seit dem Tode von Abbado und Boulez noch noch um Ersatzlösungen bemüht? Die Antwort liegt auf der Hand: weil Häfliger längst die Ideen ausgegangen sind. Luzern ist beliebig geworden, die Programm von Chailly musikalisch eher uninteressant, die Akademie hat mit den vielen Streitigkeiten der letzten Jahre ein Grossteil ihrer Strahlkraft eingebüsst. Aber Hälftiger scheint immer noch fest im Sattel zu sitzen. Will man wirklich abwarten, bis die Festspiele in Luzern musikalisch nur noch Provinz sind? Mit diesem Notprogramm hat Häfliger eindeutig seine Unfähigkeit bewiesen. Er sollte schleunigst abgelöst werden.