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Jugend im Bann von Corona«Ihr hattet eure Jugend, doch was ist mit uns?»

Wie gehen junge Leute mit dem Corona-bedingten Vergnügungsverbot um? Was wird von ihnen erwartet? Drei Schülerinnen der Wirtschaftsschule Thun machen sich Gedanken.

Die heutige Situation in den Schulzimmern, mit starkem Desinfektionsmittelgeruch und ständiger Kälte, weil immer wieder gelüftet werden muss.
Die heutige Situation in den Schulzimmern, mit starkem Desinfektionsmittelgeruch und ständiger Kälte, weil immer wieder gelüftet werden muss.
Foto: PD/Wirtschaftsschule Thun

Nichts ist wie früher. Seit bald einem Jahr leben wir alle wie in einer Blase. Auf der ganzen Welt wurde die Pandemie ausgerufen, mit unangenehmen Folgen für alle. Wer hätte sich vorstellen können, dass plötzlich so viel Grundsätzliches infrage gestellt wird? Jungen Menschen wird ihre Unbeschwertheit, ihre Jugend genommen. Wo sollen sie sich treffen, neue Freundschaften oder auch Partnerschaften eingehen, Spass haben? So viel passiert im Freundeskreis, das jetzt nicht stattfinden kann.

«Natürlich mache ich mit bei den Corona-Regeln. Aber es ist nicht mehr wie früher, als ich überall hingehen konnte. Wir verpassen jetzt so viel.»

Aline (17)

Ein einfacher Kuss an einer Party gehörte vorher dazu. Heute besteht ein Mindestabstand von 1,5 Metern. In einer Umfrage wurde nachgewiesen, dass Ältere mit sozialen Einschränkungen besser umgehen können als die jüngere Generation. Denn gerade für die Jugendlichen gehört das Partymachen sowie die Möglichkeit, sich auszuleben und sich auszuprobieren, zu einer prägenden Phase der individuellen Entwicklung. Intensive Partynächte, so wie man sie früher kannte, sind vorbei.

Ersatzlos gestrichen

Für die Jugendlichen aus ländlicher Region mit sehr begrenztem Kulturprogramm waren zum Beispiel die Events der Badi Lounge Frutigen stets eine sehr willkommene und rege besuchte Abwechslung. Dort wurde seit Jahren ein umfangreiches Kulturprogramm wie die Bad-Taste-Party, die 80er-Party und Konzerte von namhaften Künstlern angeboten. Für Jugendliche aus Randregionen sind solche Veranstaltungen Gold wert. Doch auch diese Oasen im Alltag sind ersatzlos gestrichen.

Drastische Massnahmen

Nie hätten sich die Jugendlichen vorstellen können, dass Homeschooling und Homeoffice zur Gewohnheit werden. Im April 2020 wurden alle Schülerinnen und Schüler notgedrungen ins Homeschooling geschickt. Da leuchtet das Handy einmal auf, und schon ist der Lehrer uninteressant. Auch das Bett ist nicht besonders lernförderlich.

«Ich habe immer mehr das Gefühl, dass man mir vorschreibt, nur noch arbeiten zu gehen, und ich danach in meinen vier Wänden sitzen muss. So kann mein Leben doch nicht sein.»

Timon (22)

Nach den Sommerferien ging man wieder zur gewohnten Ordnung über und der grösste Teil musste sich wieder an den Präsenzunterricht gewöhnen. Doch es herrschen sehr drastische Massnahmen auf dem Schulgelände, die den Schülerinnen und Schülern das Leben nicht gerade vereinfachen.

Gefühlte Minusgrade im Schulzimmer

Regelmässiges Stosslüften und Maskenpflicht auf dem gesamten Schulareal sind zur Gewohnheit geworden. Nun sitzen die Jugendlichen mit dicken Winterjacken bei gefühlten Minusgraden in den Schulzimmern und tragen acht Stunden am Tag eine Maske. Sogar im Sportunterricht besteht diese Pflicht.

All diese Massnahmen erschweren ein effektives Lernen enorm. Auch bei der Arbeit können die jungen Menschen nicht vor dem Virus fliehen. Mit leeren Büros oder mit Kurzarbeit in vielen Unternehmen sieht sich die heutige Jugend konfrontiert. Eine gute Ausbildung zu absolvieren, wird dadurch sehr erschwert.

Worte statt Umarmungen

Unsere herzlichen Begrüssungsrituale mussten dem Virus weichen. Was noch vor einem Jahr komplett normal war, ist jetzt verpönt. Grosseltern und Eltern überdenken es, ihre Kinder in die Arme zu nehmen, man weiss ja nie, ob das Virus schon lauert. Einer Umfrage zufolge finden über die Hälfte der befragten Jugendlichen die eingeschränkten Sozialkontakte sehr belastend, ebenso die verminderten Freizeitmöglichkeiten und den Verzicht auf Reisen und Mobilität allgemein.

Unverständnis für die geltenden Massnahmen

Viele der befragten Jugendlichen finden es unverständlich, dass laut Bundesratsbeschluss Bergbahnen nun nicht mehr ganz gefüllt werden dürfen. Gleichzeitig sind die Züge zu Stosszeiten so gefüllt, dass kein Sitzplatz mehr frei ist. Dies seit mehreren Wochen, wie im Zug aus dem Wallis via Frutigen nach Bern um 06.12 Uhr: Dort wurden circa vier Kompositionen abgehängt. Die erste Klasse dagegen ist nur etwa zu einem Viertel belegt. Nicht alle Jugendlichen können im Homeoffice arbeiten und wünschten sich deshalb ausreichend Platz in den öffentlichen Verkehrsmitteln.

«Wollen wir hoffen, dass unsere Welt, die einzige, die wir haben, bald wieder unsere alte Welt ist. Der Ausnahmezustand darf nicht zur Normalität werden.»

Manuela (28)

Die Jugendlichen trauern schon heute ihren besten Jahren hinterher, obwohl sie noch mittendrin sind. Jungen Menschen wird eine grosse Belastung auferlegt, die den Erwachsenen nicht immer bewusst ist. Mittlerweile nagt das Ganze an der Geduld und am Mitempfinden der Teenager. Die Unklarheit, wann die aktuelle Situation sich lockert, bleibt bestehen.

16 Kommentare
    M.T.

    Wir haben Kinder 15/18 und sie meistern die Situation gut und es ist für alle langsam zehrend. Auch für uns Mittelalterlichen.Aber: ich finde auch, dass es für die Jungen sehr belastend ist. Sie haben nicht so ein gefestigtes Umfeld wie wir Eltern. Haben den Drang nach Freiheit und Unbeschwertheit noch nicht ausleben können wie wir. Seien wir ehrlich, wie oft schwelgen wir in Erinnerungen an Ausgang, Erlebtem und Unbeschwertem von unseren Jugendjahren..? Zudem keine Schullager, Konflager, Konfirmationen,Diplomfeiern. Alles doch noch so wichtige Meilensteine in einem jungen Leben die halt einfach wegfallen und nie mehr kommen. Und Hobbys zu finden, die noch erlaubt sind ist auch nicht gerade einfach, wenn man nicht grad joggen will oder Briefmarken sammeln. Denn die bestehenden Hobbys ( ( (Unihockey,Volleyball, Schlittschuhlaufen, Musikverein) sind ja auch auf Eis gelegt.