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Mamablog: Single-Mütter«Ich will nur eine Affäre!»

Nicht alle alleinerziehenden Mütter sind auf der Suche nach einer Vaterfigur für ihre Kinder. Manche möchten einfach nur durchtanzte Nächte und Sex auf dem Küchentisch.

Entweder ein Vamp oder verzweifelt: Alleinerziehende Mütter werden auf Dates gerne in zwei Schubladen gesteckt.
Entweder ein Vamp oder verzweifelt: Alleinerziehende Mütter werden auf Dates gerne in zwei Schubladen gesteckt.
Foto: Getty Images

Ich habe mehrere Freundinnen, die sind alleinerziehend. Und mit «allein» meine ich diejenigen, die keinen Ex-Partner haben, um zu besprechen, welche Impfungen man durchführen oder auf welche Schule man das Kind schicken soll. Diejenigen also, welche die finanzielle Verantwortung alleine tragen und die Betreuung für ihr Kind zu 100 Prozent selbst übernehmen, ausser sie organisieren sich anderweitig. Obwohl eine Trennung als Paar nicht bedeuten sollte, dass man plötzlich ein Kind ohne den anderen Elternteil grosszuziehen muss … Aber ich schweife ab, das ist ein anderes Thema. Der Punkt ist: Eine dieser Freundinnen ist Paula. Sie lebt allein mit ihrer Tochter. Paula geht es gut. Sehr gut sogar. Sie ist beruflich erfolgreich und hat dank guten Freundinnen und Freunden sowie ihrer Familie genügend Rückendeckung.

Eine gepflegte Affäre bitte

Trotzdem: Für eine Beziehung hat sie derzeit keine Kapazität, für etwas anderes hingegen schon: Sex, Nähe, Spass. «Eine gepflegte Affäre, das wär schon was. Mit freundschaftlichem Respekt, gegenseitiger sexueller Anziehung und ohne Erwartungsdruck. Eine Affäre, die irgendwann auch enden darf – beziehungsweise soll. «Weil sie meiner Meinung nach nur dann als ‹gut› gilt, wenn sie ganz natürlich, ohne Drama oder zerschlagene Liebesträume, friedlich im Sand versickert», sagte mir Paula neulich.

Wo denn diese Affäre bleibe, fragte ich sie. Sie sehe schliesslich toll aus, sei intelligent, humorvoll, unabhängig – und lerne immer wieder spannende Männer kennen, die durchaus Potenzial für eine solche Verbindung bergen würden. Doch so einfach sei es nicht, sagte Paula und holte aus.

«Wenn du kein Kind hast, in einer Bar sitzt und einen Mann kennenlernst, ist alles, was du sein kannst oder was du suchen könntest, offen. Jeder kommt mit seinen Erwartungen und Ängsten daher, die Möglichkeiten sind weit gefächert von ‹Hoffnung auf die grosse Liebe› zu ‹bloss nichts Festes›, ‹Sex zum Dampf ablassen› bis zu ‹verzweifelte Suche nach einem potenziellen Kindsvater›», so Paula. «Das Spiel geht in die erste Runde, man lernt sich kennen, hat Sex und eigentlich hat keiner dem anderen etwas vorzuwerfen bis zu dem Moment, in dem man über seine Wünsche und Erwartungen an diese Verbindung spricht und merkt, ob man das Gleiche will oder eben nicht.»

Stolperstein Phase Eins

Sobald man aber ein Kind habe und das als alleinerziehende Mutter, gestalte sich bereits diese erste Phase schwierig. Oftmals sei von aussen gesehen bereits von Anfang an klar, dass etwas schiefgelaufen sein muss. «Du wirst in folgende zwei Schubladen gesteckt: Entweder, du wurdest verlassen und suchst dringend nach einem Vaterersatz für dein Kind. Oder aber du bist dieser krasse Vamp, der unbedingt ein Kind wollte, jemanden gesagt hat ‹Bitte mach mir ein Baby und du hast nichts damit zu tun› oder aber fälschlicherweise vorgegeben hat die Pille zu nehmen und dann – hoppla – plötzlich schwanger geworden ist.»

Bevor Paula also einem Mann näherkommen kann, muss sie sich entscheiden, ob sie das lediglich in einem Nebensatz erwähnte Thema «Kind» nicht weiter vertiefen und sich sogleich die Last dieser Vorurteile aufladen will – oder einem Wildfremden ungefragt erklären soll, wie man zu diesem Kind gekommen ist und dass man eigentlich «sehr im Reinen» ist mit der Situation. «Dies führt dann wiederum zur Ausgangssituation mit den Vorurteilen, weil es einen verdächtig macht, wenn man all diese intimen Informationen so früh und vor allem unaufgefordert kundtut.»

Bemitleidenswert oder gefährlich?

Seit Paula alleinerziehend ist, fällt ihr auf, wie sehr der Mensch das Bedürfnis hat, alles zu benennen und es sowohl in seinen Formulierungen als auch in der Art, sein Gegenüber einzuordnen gerne vermeidet, eine Grauzone zu betreten.

Oft fehlen ihr die Worte, wenn sich das Gespräch darum dreht, warum sie alleinerziehend ist. Ihre Tochter war weder ein Wunschkind noch ein Unfall. Ihr Vater und sie waren nie zusammen, aber auch kein One-Night-Stand, sie hat ihm das Kind weder untergejubelt noch weggenommen. Sie ist weder bemitleidenswert noch gefährlich.

«Ich muss in meinem Leben schon genug Kompromisse eingehen. Es gibt keinen Platz für einen Dritten.»

Paula

Manchmal ist das Leben komplizierter als Option A oder B, manchmal sind persönliche Geschichten intimer, als dass man sie mit einer flüchtigen Begegnung an der Bar sofort teilen möchte, nur um sich selbst vor Vorurteilen und Schubladisierung zu schützen. «Manchmal gäbe es vielleicht sogar die Möglichkeit auf eine richtig magische Begegnung, die weder die grosse Liebe noch purer Sex ist, wenn die Männer daran glauben könnten, dass eine alleinerziehende Mutter sie weder eiskalt verschlingt noch verzweifelt vor den Traualtar schleppen will», so Paula.

Für mich ganz alleine

Entgegen der Annahme vieler ihrer bisheriger Begegnungen – dass sie auf der Suche nach einem Partner, einem Mann fürs Leben, einer Vaterfigur für ihre Tochter sei – wünscht sie sich vor allem etwas für sich. Für sich ganz allein. Keinen, den sie ihren Freunden vorstellen will, niemanden, der morgens für die Kleine Spiegeleier macht. Lieber einen, der nachts auch wieder geht, damit sie am nächsten Tag ihrer gewohnten Routine mit ihrer Tochter nachgehen kann und die spärlich gesäte Zeit, die die beiden miteinander haben, nicht auch noch in eine Dreierdynamik verwandeln muss. Niemanden, der zusätzliche Ansprüche hat – auf Zeit, gemeinsamen Urlaub oder lieber was anderes zum Abendessen.

Platz für durchtanzte Nächte

Paula: «Ich muss in meinem Leben schon genug Kompromisse eingehen. Es gibt für die klassische Beziehungsform im Moment keinen Platz für einen Dritten.» Aber es gäbe Platz für durchtanzte, heisse Nächte, Kunstwochenenden in Paris und Sex auf dem Küchentisch – nur halt immer mit genügend Vorlauf, um sich diese Slots freizuschaufeln. Dies erfordere jedoch Unvoreingenommenheit und ein Bewusstsein dafür, dass auch Alleinerziehende manchmal einfach nur ein bisschen Spass wollen.

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85 Kommentare
    Paolo Martinoni

    Spannend, dass kein einziger der bisher von mir zu diesem Bericht verfassten Kommentare - alle ausnahmsweise durchaus zumutbar - aufgeschaltet worden sind. Ich versuche es nochmals mit einem neuen Gedanken: Hätte ein Mann einer Frau genau dasselbe vorgeschlagen, wonach sie Paula sehnt, hätte man ihn als jemand abgetan, der nur auf Spass aus ist, Frauen benutzen, keinerlei Verantwortung übernehmen will, immer noch - geistig - in der Pubertät steckt.