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Umstrittener NetzausrüsterHuawei mischt sich ins Privatleben der chinesischen Mitarbeiter in Europa ein

Interne Dokumente zeigen, wie der Zulieferer sein chinesisches Personal in den Gastländern auf Linie hält.

In Dübendorf unterhält Huawei Schweiz eine Zweigstelle. Das Unternehmen beschäftigt hierzulande über 300 Angestellte.
In Dübendorf unterhält Huawei Schweiz eine Zweigstelle. Das Unternehmen beschäftigt hierzulande über 300 Angestellte.
Foto: Gaëtan Bally (Keystone)

Der chinesische Konzern Huawei ist weltweit einer der grössten Hersteller von Smartphones und gilt als führend beim neuen Mobilfunkstandard 5G. Nur wenig dringt über das Innenleben des international tätigen Unternehmens an die Öffentlichkeit. Bis jetzt.

Gemeinsame Recherchen von mehreren Zeitungen und Onlineplattformen geben einen Einblick in die Arbeits­kultur der Firma, die in 170 Ländern tätig ist. Davon betroffen sind auch chinesische Mitarbeiter, die für die Schweizer Ländergesellschaft mit Hauptsitz in Liebefeld bei Bern arbeiten.

Militärische Sprache

Die interne Umgangssprache ist militärisch geprägt. So soll Firmen­gründer Ren Zhengfei gefordert haben, dass Aussendienst­mitarbeiter den «Lärm der Artillerie» hören müssen. Kadermitglieder sollen von «Schlachten» gesprochen haben, die an der «Front» geführt werden. Zhengfei selbst diente am Forschungsinstitut der Volksbefreiungsarmee in einer auf Informationstechnologie spezialisierten Einheit.

Regeln fürs Privatleben

Interne Dokumente legen strenge Verhaltens­regeln für das Privat­leben und Konsequenzen bei Nicht­einhaltung fest. Ein ehemaliger Angestellter von Huawei Schweiz berichtet, er sei aufgefordert worden, zu kündigen, weil er mit seiner westeuropäischen Partnerin ein Kind erwartet habe. Der Mann vermutet, Huawei wolle so verhindern, dass chinesische Mitarbeiter im Ausland Wurzeln schlagen.

Rückforderung von Löhnen

Wenn Mitarbeiter nach China zurückkehren wollen und im Gastland mehr verdient haben, als sie in China verdient hätten, müssen sie die Differenz berappen. Ein ehemaliger Mitarbeiter von Huawei Schweiz kann aufgrund einer E-Mail an ihn belegen, dass das Unternehmen 60’000 Franken zurückforderte. Ein vertrauliches Papier zeigt, dass chinesische Mitarbeiter von Huawei Schweiz dem Mutterkonzern im weltweiten Vergleich am meisten Geld schulden.

An der Recherche beteiligt waren «The Daily Telegraph» in Grossbritannien, «El Mundo» in Spanien, die deutschsprachige Plattform Netzpolitik.org sowie das Magazin «Republik» in der Schweiz. Unterstützung erhielten die Titel vom Whistle­blowing-Netzwerk The Signals Network.

Journalistinnen und Journalisten haben nicht nur ehemalige Angestellte von Huawei befragt, sondern auch firmen­interne Dokumente wie E-Mails, Hand­bücher und Systeme zur Arbeitszeit­erfassung ausgewertet. Daraus ergab sich ein Gesamtbild, das auf heikle Praktiken hindeutet.

Das Thema sorgt für Gesprächsstoff in den sozialen Medien.

Huawei Schweiz hält fest, dass sich das Unternehmen an die hiesigen Gesetze und Vorschriften halte. «Wir erfüllen alle gesetzlichen Verpflichtungen gegenüber unseren Mitarbeitern und werden von staatlichen Stellen regelmässig und beanstandungslos geprüft», sagt ein Huawei-Sprecher.

Zur Rolle von Angestellten aus China teilt Huawei mit: Die Schweizer Ländergesellschaft fungiere im Rahmen des internationalen Auftrags des Mutterkonzerns als «Gastunternehmen und die Schweiz als Gastland». «Am Ende des Arbeitsauftrags sollte der Mitarbeiter in sein Heimatunternehmen und in sein Heimatland zurückkehren», so der Huawei-Sprecher.

In der Schweiz beziehen die Swisscom, Sunrise und Salt Netzwerkkomponenten von Huawei. Marktführer Swisscom kündigt an, die Vorwürfe mit Huawei besprechen zu wollen. «Wir erwarten von unseren Lieferanten, dass sie arbeitsrechtliche Bestimmungen lückenlos einhalten», sagt eine Swisscom-Sprecherin. Das Unternehmen befinde sich «in regelmässigem Kontakt» mit seinen Zulieferern. In diesem Rahmen spreche die Swisscom solche Punkte an.

Bei Sunrise heisst es, die Firma verpflichte alle Vertragspartner, die Schweizer Gesetze und Anstellungsbedingungen einzuhalten. «Wir überprüfen regelmässig, ob sich alle Partner an die Verträge halten», sagt eine Sunrise-Sprecherin. Stelle die Firma eine Vertragsverletzung fest, ziehe sie Massnahmen in Betracht. Bei Salt dagegen heisst es, Medienberichte über Lieferanten kommentiere man nicht.

Verdacht der Spionage

Huawei steht im Verdacht, den Aufbau der 5G-Mobilfunknetze in verschiedenen westlichen Ländern zu nutzen, um über die Infrastruktur Spionage zu betreiben. Die Vereinigten Staaten haben deshalb Sanktionen gegen das chinesische Unternehmen verhängt. Huawei weist diese Vorwürfe zurück.

Der Nachrichtendienst des Bundes sieht keine Anzeichen für ein Aushorchen durch die Hintertür.

Zuletzt stand Huawei in der Kritik, weil das Unternehmen Technologie erproben soll, um die muslimische Minderheit der Uiguren in China systematisch zu überwachen.

37 Kommentare
    Cardinaux Edouard

    Es gibt nur einen Weg aus dieser gefährlichen Situation. China komplett von der Rest der Welt isolieren! So wie China seine Corona infizierten Städte isoliert. Sollte ein chinesischer Minister das Land verlassen sofort wegen Menschenrechtsverletzungen inhaftieren und in ein Lager zur Umerziehung stecken. Diese Sprache verstehen die Chinesen. Nur wir wollen Profit darum sind wir noch weniger Glaubwürdig als die Chinesen.