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Clips gegen TrumpHeftiger als jedes Wahlvideo der Demokraten

Thrillerautor Don Winslow hat ein Dutzend Filme gegen den US-Präsidenten auf Youtube gestellt. Darin bekämpft er Trump mit dessen eigenen Waffen.

Wahlspots waren nie Höhenflüge der Subtilität. Am wenigsten in den USA. Der mediale Wahlkampf, das ist die Zeit der Familienidyllen im Morgenlicht, der Farmer, die goldene Maiskörner durch ihre Finger rieseln lassen, der von Flugzeugträgern startenden Kampfjets, und das alles begleitet von tief gelegtem Kommentatorenbass und übergossen mit reichlich Geigensauce.

Und dann gibt es die attack ads, die, statt den eigenen Kandidaten zu preisen, den Gegner für korrupt und schwach erklären. Das Trump-Lager versprach sich viel von diesem Genre. Doch die Bemühungen, Joe Biden das Image des senilen Opas anzuhängen, fruchteten bisher kaum.

Trump liebt grosse Diktatoren auf Pferden

Die Gegenseite hat es da leichter. Es gab wohl nie einen US-Wahlkampf, bei dem die Gegner des Amtsinhabers aus einem derart üppigen Bilderfundus schöpfen konnten. Nicht nur die Demokraten selbst produzieren laufend Spots gegen Trump, auch Political Action Committees wie «Meidastouch» oder «Lincoln Project».

Doch nun ist noch ein anderer in die Videoschlacht gezogen: Der Thrillerautor Don Winslow, der für Romane wie «Tage der Toten» auch in Europa berühmt ist. In den vergangenen Wochen hat er ein Dutzend Filme gegen Trump produziert und auf Youtube gestellt, die schneller, lauter, heftiger sind als alle anderen. Einige von ihnen sind auch sehr witzig. Zum Beispiel «Trump liebt grosse Diktatoren auf Pferden», ein 30-Sekunden-Spot, der mit herrlichen Reitdarbietungen von Putin, Kim Jong-un und Erdogan Trumps Schwäche für Autokraten veralbert.

Doch lange hält Winslow die Satire nie durch. Eben hat er noch zu grotesken Bildern erklärt, wie es Trump gelang, den Verwandten seiner Frau das Aufenthaltsrecht in den USA zu sichern. Dank derselben «Chain Migration» nämlich, die Trump nicht müde wird zu geisseln. Da schneidet Winslow zu den Käfigen voller eingesperrter Kinder, die ihren Eltern bei deren Versuch, in die USA zu gelangen, aus den Händen gerissen wurden und noch immer zu Tausenden in Lagern gefangen sind.

Winslow rekapituliert Trumps grösste Skandale und frischt die durch das unaufhörliche Bombardement aus dem Weissen Haus vernebelte Erinnerung des Zuschauers auf: Was kam am Ende bei Trumps Verhandlungen mit Kim heraus? Die Ausweitung des nordkoreanischen Atomprogramms. Für was ist gleich wieder Trumps Corona-Sphinx Deborah Birx zuständig? Propaganda. Unaufhörlich rattern die Zahlen der Arbeitslosen, der Infizierten, der Toten über den Bildschirm. Doch klar ist: Winslow geht es nicht um Aufklärung, sondern um Stimmung. Er beballert den Zuschauer mit Bildern, O-Tönen, Untertiteln, Voice-Over. Schonungslos drückt er auf die Tränendrüse, manipuliert den Zuschauer, packt ihn und zieht ihn im Klammergriff an sich heran, wie es sonst nur Trump selber macht.

Wie stellt man zum Beispiel Trumps Versagen in der Pandemie am effektvollsten dar? Zeigt man sterbende Alte, Leichen im Kühlwagen? Nein, Winslow zeigt nicht den Tod, sondern das Leben, das durch Trump in Gefahr ist. Er beginnt mit einem Embryo, lässt die Sprecherin lyrisch die Mutterliebe preisen, und bald kann das Kleinkind seine ersten Worte sagen: «I love you». Doch dann tritt Trump auf, der dieses Glück zerstört, weil er die Kinder zwingt, in die Schule zu gehen, wo der Seuchentod lauert. «Er will Ihr Kind opfern, damit es so aussieht, als sei das Land offen und alles sei normal», mahnt die Stimme in zunehmender Dringlichkeit. «Dies ist keine Wahl zwischen Trump und Biden. Dies ist eine Wahl zwischen Trump und Ihrem Kind!»

«Man kann gar nicht weit genug gehen, um Trump blosszustellen».

Don Winslow

Es ist klar, dass hier nicht nur ein besorgter Amateur am Werk ist. So schrill die Videos klingen – «Am 3. November werfen wir die ekelhafteste Familie aus dem Weissen Haus, die dort je gelebt hat» – so präzise sind sie auf die rechten Weissen kalibriert, die die Wahl entscheiden werden.

Das wird am deutlichsten in Winslows Meisterwerk, «Democrats Stand Tall». Winslow lässt hier zu Trommelrühren eine Parade demokratischer Politiker bei ihrem heldenhaften Einsatz in Amerikas Kriegen auftreten. «Das ist echter Patriotismus!» Trump hingegen drückte sich vor dem Vietnamkrieg. «Der Feigling weigerte sich, für sein Land zu kämpfen!». Er missbraucht die Soldaten als Staffage für seine Propaganda, donnert der Kommentator, «wie die Porno-Stars» – und hier schreit er den Zuschauer förmlich in den Sessel –, mit denen er seine Frau betrügt».

«Man kann gar nicht weit genug gehen, um Trump blosszustellen», erklärt Winslow sein Überwältigungsverfahren in einer Mail. «Er hat mein schönes Land mit Hass und Lügen zerstört.» Man selbst ist dankbar um die Entfernung, aus der man sich das ansehen kann.

110 Kommentare
    Marina Zingg

    Guten Tag, drücke ich auf die Taste Zustimmung geht die Zahl runter. Etwas ist da falsch programmiert.