Gut gelaunt in die Schicksalsspiele

In der Mannschaft des SC Bern herrscht trotz ungemütlicher Tabellenlage eine gute Stimmung. «Wir müssen Freude an der Arbeit haben», sagt Chef­trainer Lars Leuenberger.

Heute wird sich Simon Moser wohl wieder mit Servette-Goalie Robert Mayer duellieren. «Wer die die Tore schiesst, ist egal», sagt der SCB-Stürmer.

Heute wird sich Simon Moser wohl wieder mit Servette-Goalie Robert Mayer duellieren. «Wer die die Tore schiesst, ist egal», sagt der SCB-Stürmer.

(Bild: Keystone)

Adrian Ruch

Die meisten Spieler des SC Bern biegen, nachdem sie den Garderobentrakt verlassen haben, aus Gewohnheit rechts ab und schreiten Richtung Trainingshalle. Nach wenigen Sekunden bemerken sie den Irrtum und machen eine Kehrtwende. Am Tag vor dem Heimmatch gegen Servette (Dienstag, 19.45 Uhr) wird ausnahmsweise im Stadion geübt.

Der Richtungswechsel hat Symbolkraft: Nur wenn den Bernern subito die Rückkehr zum Erfolg gelingt, qualifizieren sie sich noch für die Playoffs. Holen die Berner aus den Partien gegen Servette, Lausanne (Freitag) und Gottéron (Samstag/auswärts) acht Zähler, sind sie in den Viertelfinals sicher dabei. Es ist eine äusserst schwierige, aber keine unlösbare Aufgabe: Dreimal haben die Mutzen in der laufenden Meisterschaft bisher drei Siege aneinandergereiht, 2016 allerdings noch nie.

Den Traum leben

Der Druck muss zentnerschwer auf den Schultern der Berner Eishockeyprofis lasten. Immerhin spielen sie für den SCB; bei diesem Verein sind die Ansprüche der Führung und des Umfelds von Haus aus hoch. Die Playoff-Teilnahme wird gemeinhin vorausgesetzt, das Mitmischen mindestens im Halbfinal erwartet. Doch im Training, das von Mental­coach Saul Miller von der Tribüne aus verfolgt wird, herrscht keine gedrückte Stimmung, im Gegenteil: Es darf durchaus gelacht werden.

Als die Protagonisten nach der kurzen Einheit das Eis verlassen, stellen sie sich bereitwillig und gut gelaunt der kleinen Gruppe von Journalisten. Coach Lars Leuenberger hält zwar fest, die Situation sei «brutal hart, aber ich lebe meinen Traum. Wir müssen mit breiten Schultern ans Werk gehen und Freude an der Arbeit haben.» Der 40-Jährige ist freundlich wie immer. Es ist ihm nicht anzumerken, dass es auch um seinen Job geht. Verpasst der SCB die Playoffs, muss sich Leuenberger mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit eine neue Stelle suchen. Selbst die Viertelfinalqualifikation garantiert keine Weiterbeschäftigung. Auf diese Ausgangslage angesprochen, antwortet er: «Im ­Leben geht immer wieder eine Türe auf.»

Helden gesucht

Auch Flügel Simon Moser macht einen entspannten Eindruck. Die prekäre Situation bezeichnet er als spannend und als Chance. «Jeder von uns kann froh sein, dass er dabei ist. Im Sport geschehen unter Druck gute Sachen», meint der Emmentaler. Offenbar hat er Saul Miller ausgezeichnet zugehört. Die Titel von dessen zwei neusten Büchern lauten übersetzt: «Unter Druck Leistung bringen» und «Warum Teams gewinnen». Miller habe Inputs gegeben, meint Moser, «jeder Spieler entscheidet selber, was er im Kopf damit macht».

Ramon Untersander spricht ähnlich wie Moser. «Wir freuen uns auf die Herausforderung», sagt der Verteidiger. Auch er äussert sich positiv über den Mentalcoach aus Übersee. Miller habe neue Energie reingebracht. «Das Mentale ist ein wichtiger Faktor.»

Die Berner steigen also gut gelaunt in die Schicksalsspiele. Trainer Leuenberger erzählt, er versuche, jeden Tag ein Ass aus dem Ärmel zu zaubern. Und Moser sagt, er mache sich keinen Kopf, weil er seit sechs Matches keinen Treffer mehr erzielt habe. «Wer die Tore schiesst, ist egal. Jetzt kann irgendeiner zum Helden werden.»

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