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Langenthaler WortgeschichtenGlungge

Halb daneben ist fast getroffen: An dieser Stelle interpretiert Stadtliterat Alexander Estis Mundartwörter auf seine Weise.

Kullerte eines Nachts vom Turm auf den Kirchenvorplatz: die «Glungge».
Kullerte eines Nachts vom Turm auf den Kirchenvorplatz: die «Glungge».
Illustration: PD / Alexander Estis

Oben auf dem Turm der Dorfkirche hing früher eine Glocke. Der Pfarrer nannte sie «Glungge», und keiner fragte, weshalb, genauso wenig wie man den Pfarrer fragte, warum der Teufel Hörner habe oder weshalb der Erlöser noch nicht wiedergekommen sei, obwohl der Pfarrer es immer wieder versprach. Und der Erlöser hätte ja ruhig einmal wiederkommen können, das hätte niemandem geschadet.

Man fragte den Pfarrer übrigens auch nicht, warum er trotz zahlreicher Spenden die Kirchentür nicht ausbessern liess und die unebenen Kirchbänke, auf denen das Aussitzen der Predigten gewisse Höllenstrafen bereits vorwegnahm. Und Höllenstrafen hatte man ja zu erwarten, so predigte der Pfarrer eindringlich, für alle Sünden, selbst für die kleinen und kleinsten, selbst dafür, dass wir auf der Strasse fluchten. Also hörten wir auf zu fluchen und fragten nicht und warteten, bis der Erlöser vom Himmel herabkommt.

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