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Umweltskandal Blausee«Aushub wurde möglicherweise bewusst falsch deklariert»

Die Steinbruch-Betreiberin Vigier veröffentlicht den Zwischenstand ihrer internen Untersuchungen.

Verschmutztes Aushubmaterial lagert noch immer im Steinbruch Mitholz.
Verschmutztes Aushubmaterial lagert noch immer im Steinbruch Mitholz.
Foto: Beat Mathys

Giftiger Bahnschotter aus dem alten Lötschbergtunnel wurde im Steinbruch der Vigier-Gruppe oberhalb des Naturparks in einer Gewässerschutzzone entsorgt. Auch Abfall aus anderen Gruben wurde dort jahrelang illegal deponiert. Ein Skandal, der immer grössere Kreise zieht.

Zum «weitaus grössten Teil», so fasst die Gruben-Betreiberin Vigier den Zwischenstand ihrer Untersuchungen zusammen, sei «als unverschmutzt deklariertes Aushub- und Ausbruchmaterial sowie Gleisaushub» deponiert worden. Das meiste davon sei vor Ort aufbereitet und wiederverwertet worden. Stärker verschmutzter Gleisaushub sei ordnungsgemäss in dafür geeignete Deponien transportiert und dort entsorgt worden. «Für verhältnismässig geringe Mengen» des angelieferten Aushub- und Ausbruchmaterials lägen Anhaltspunkte dafür vor, «dass sie möglicherweise bewusst falsch deklariert angeliefert wurden».

Vigier hat zwischenzeitlich die Kontrollen verschärft. In enger Abstimmung mit den zuständigen Behörden sei man daran, das weitere Vorgehen zu bestimmen. Seit November 2020 nimmt die Grubenbetreiberin an verschiedenen Stellen in und um den Steinbruch Mitholz regelmässig Wasserproben. «Die Analysen dieser Proben ergaben bis anhin stets unbedenkliche Werte», versichert Vigier. Ein Zusammenhang mit dem Fischsterben schliesst das Unternehmen weiterhin aus.

Laut Kanton Bern «illegal»

Die Mitholz-Blausee-Affäre begann im September 2020. Damals berichteten die Blausee-Besitzer von Materialablagerungen aus dem Lötschberg-Scheiteltunnel auf dem Gelände des Vigier-Steinbruchs. Der obere Lötschberg-Tunnel wird derzeit von der Betreiberin BLS saniert.

Später zeigte sich, dass die BLS schon seit 2012 Altschotter aus verschiedenen Baustellen nach Mitholz geliefert hatte. Noch etwas später wurde bekannt, dass beispielsweise auch Betonschlamm nach Mitholz transportiert wurde.

Der Vorsteher des bernischen Amts für Wasser und Abfall (AWA), Jacques Ganguin, sagte im September 2020 in der «Rundschau» des Schweizer Fernsehens SRF, Aushub aus dem Lötschberg-Scheiteltunnel sei illegalerweise auf dem Gelände des Mitholzer Steinbruchs deponiert worden.

Laut Ganguin hätte alles Material nach Wimmis in eine spezialisierte Anlage gebracht und dort gewaschen werden sollen.

Gleisaushub wiederverwertet

Dazu schreibt Vigier, der von der BLS angelieferte, als wenig bis stark verschmutzt klassierte Gleisaushub sei von Vigier weitertransportiert und vorschriftsgemäss entsorgt worden.

Unverschmutzten sowie «tolerierbaren» Gleisaushub habe Vigier «zum überwiegenden Teil» im Aufbereitungsprozess von «Primärmaterial» aus dem Steinbruch wiederverwertet. Das bedeute, dass unverschmutzter oder «tolerierbarer» Gleisaushub zusammen mit Primärmaterial gebrochen, gesiebt und gewaschen worden sei.

Der Ausschuss sei auf dem Gelände zur Wiederauffüllung von Gruben verwendet worden. Ebenfalls auf dem Gelände deponiert wurde die sogenannte «Grobfraktion» von Gleisaushub aus dem Lötschberg-Scheiteltunnel, welcher nach 2018 angeliefert wurde.

Ein Teil dieses dort abgelagerten Materials sei im Sommer 2020 in Abstimmung mit dem AWA ausgebaut und entsorgt worden. Die internen Untersuchungen hätten gezeigt, dass sich noch weitere Mengen dieses Materials auf dem Gelände befänden.

«Tolerierbar» gleich schwach verschmutzt

Auf Anfrage ergänzte Didier Kreienbühl, Leiter der Personal- und Kommunikationsabteilung von Vigier, unter «tolerierbarem» Material werde schwach verschmutztes Aushub- und Ausbruchmaterial verstanden. Es handle sich um einen früher auch von den Behörden verwendeter Begriff.

Im Rahmen der laufenden Untersuchungen werde geprüft, ob die Ablagerung von Ausschuss-Material auf dem Mitholzer Gelände rechtmässig gewesen sei. Diesbezüglich stehe Vigier mit dem AWA in Kontakt. Bekanntlich läuft eine Strafverfahren wegen des Verdachts auf Verstösse gegen das Gewässerschutz-, Umweltschutz- und das kantonale Abfallgesetz.

Vigier habe in Mitholz keine alten Eisenbahnschwellen abgelagert. Das Unternehmen habe indes seinen Umschlagplatz der Tunnelbaufirma Marti zur Verfügung gestellt, welche dort Gleisjoche zwischengelagert habe. Diese Zwischenlagerung sei letztes Jahr eingestellt worden.

SDA/Chantal Desbiolles