Gericht spricht Tausendsassa Tapie in Adidas-Affäre frei

Das Pariser Strafgericht setzt einen Schlusspunkt unter den jahrelangen Rechtsstreit um den Verkauf des Sportartikelherstellers.

Das Urteil wurde zehn Jahre nach dem umstrittenen Schiedsspruch erlassen: Tapie erscheint mit Polizeieskorte vor Gericht. (14. März 2019)

Das Urteil wurde zehn Jahre nach dem umstrittenen Schiedsspruch erlassen: Tapie erscheint mit Polizeieskorte vor Gericht. (14. März 2019)

(Bild: Keystone)

In der sogenannten Adidas-Affäre ist der französische Geschäftsmann Bernard Tapie nach jahrelangem Rechtsstreit freigesprochen worden. Das Pariser Strafgericht urteilte am Dienstag, es gebe keine Beweise für Betrug und die Hinterziehung öffentlicher Gelder. Die Staatsanwaltschaft hatte fünf Jahre Haft für Tapie gefordert. Der Anwalt des 76-Jährigen sprach von einer «gewaltigen Zufriedenheit» seines Mandanten.

Das Gericht urteilte, eine Einflussnahme Tapies auf das Urteil eines privaten Schiedsgerichts von 2008 lasse sich nicht nachweisen. Das Gericht hatte dem Geschäftsmann, der auch Sänger, Schauspieler, Rennfahrer und Minister war, gut 400 Millionen Euro Schadenersatz des Staates zugesprochen, weil ihn eine damals staatliche Bank bei dem Verkauf des Sportartikelherstellers Adidas 1993 übervorteilt habe.

In dem Fall spielt auch die designierte Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB), Christine Lagarde, eine Rolle. Sie wurde 2016 wegen Beihilfe zur Veruntreuung von Staatsgeldern schuldig gesprochen, da sie das private Schiedsgericht als französische Wirtschaftsministerin anrief und nach dem Urteil zu Gunsten Tapies keine Rechtsmittel einlegte. Allerdings ging Lagarde straffrei aus.

In Frankreich sorgte die Adidas-Affäre für grosse Empörung: Der Verdacht stand im Raum, dass Lagarde im Auftrag des konservativen Präsidenten Nicolas Sarkozy handelte, den Tapie vor seinem Wahlsieg 2007 unterstützt hatte. Sarkozy hat eine Einflussnahme zugunsten des Geschäftsmannes aber stets bestritten.

Freispruch auch für Orange-Chef

Stephane Richard kann Chef des französischen Telekom-Konzerns Orange bleiben: Ein französisches Gericht sprach den Manager am Dienstag von jeglichem Fehlverhalten in der Affäre um Millionenzahlungen an Tapie frei.

Das Urteil sei eine «immense Erleichterung», sagte Richard zu Reportern im Gericht. Einige seiner engsten Mitarbeiter waren in Tränen aufgelöst.

Richard war eine Mitschuld vorgeworfen worden im Zusammenhang mit einer Zahlung an Tapie in Höhe von 285 Millionen Euro aus der Staatskasse. Er war damals Stabschef der Finanzministerin Lagarde.

Der französische Staat ist der grösste Aktionär von Orange. Finanzminister Bruno Le Maire hatte im Vorfeld des Urteils die Haltung der Regierung bekräftigt, dass Chefs von staatlich kontrollierten Unternehmen kündigen sollten, wenn sie wegen eines Verbrechens verurteilt werden.

nag/AFP

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt