Zum Hauptinhalt springen

Die Young Boys im EuropacupFür YB gilt: Achtung, fertig, los!

Der Schweizer Meister trifft am Mittwoch in der dritten Qualifikationsrunde der Champions League auf Midtjylland – ein happiger Einstieg nach einer ungewöhnlich kurzen Pause.

Bereits gegen Klaksvik taten sich die Young Boys (links Fabian Lustenberger, rechts David von Ballmoos) zuweilen schwer. Nun wartet ein ganz anderes Kaliber auf den Schweizer Meister.
Bereits gegen Klaksvik taten sich die Young Boys (links Fabian Lustenberger, rechts David von Ballmoos) zuweilen schwer. Nun wartet ein ganz anderes Kaliber auf den Schweizer Meister.
Foto: Anthony Annex (Keystone)

Fünf Tage. So lange haben die Ferien der Young Boys nach dem Cupfinal – und damit dem offiziellen Ende der alten Saisongedauert. Wobei Ferien dafür eigentlich die falsche Bezeichnung ist. Die Spieler haben für diese Zeit einfach keinen Trainingsplan erhalten. Die Devise lautete: Jeder soll selber entscheiden, was er braucht. Rein theoretisch hätte es sogar gereicht, diese Auszeit für einen Kurztrip ans Meer zu nutzen. Aber dass das in Corona-Zeiten auch in die Hose gehen kann, haben jüngst die Fussballer von Paris Saint-Germain bewiesen.

Nun, die meisten YB-Spieler haben es vorgezogen, einfach einmal nichts zu tun. Schliesslich liegen hinter ihnen intensive Monate mit englischen Wochen en masse. So sagt etwa David von Ballmoos: «Ich habe realisiert, dass es vor allem für den Kopf eine brutal anstrengende Saison war.» Also versuchte der Torhüter, so gut es ging, Abstand vom Fussball zu nehmen. «Und die fünf Tage runterfahren haben mir gutgetan.»

Doch reicht diese kurze Zeit auch aus, um sich von den körperlichen Strapazen der letzten Monate zu erholen, die Batterien ganz aufzuladen? «Eigentlich nicht», sagt Fabian Lustenberger. Aber es liegt ihm fern, mit diesen Umständen zu hadern. «Weil es ja nicht nur uns so geht, sondern vielen Mannschaften in ganz Europa.» Und mit den Besten des Kontinents wollen sich die Young Boys bekanntlich messen, in die Gruppenphase der Champions League einziehen. Der Weg dorthin beinhaltet allerdings noch einige Hindernisse. Das erste heisst FC Midtjylland: Am Mittwoch (20.30 Uhr, SRF 2) trifft YB in der dritten Qualifikationsrunde auswärts auf den dänischen Meister.

Keine Anlaufzeit für die Neuen

Ein Spiel also entscheidet darüber, ob die Berner das Playoff zur Champions League oder eben doch nur jenes zur Europa League bestreiten werden. Ende August setzten sich die Young Boys zum Europacup-Auftakt in einer ebensolchen K.-o.-Partie gegen Klaksvik mit 3:1 durchohne sich dabei mit Ruhm zu bekleckern.

«Ich bin mit dem Kopf voll in Bern, möchte mich auf meine Aufgaben hier konzentrieren.»

Silvan Hefti

Silvan Hefti zählte damals noch nicht zum Kader, sein Wechsel vom FC St. Gallen zum Meister wurde erst eine Woche später bekannt. Am Mittwoch dürfte der 22-Jährige nun auf dem Platz stehen, auf der rechten Abwehrseite soll er die Lücke schliessen, die Saidy Janko und Jordan Lotomba hinterlassen haben. Es sei bei YB alles ein Stück grösser, erzählt der Ostschweizer. Doch eigentlich mag er keine Vergleich zwischen seinem früheren und seinem neuen Arbeitgeber ziehen. «Ich bin mit dem Kopf voll in Bern, möchte mich auf meine Aufgaben hier konzentrieren.» Dazu gehört, dass er bald eine Wohnung in Ostermundigen beziehen wird.

Selbiges hat auch Quentin Maceiras vor, der vom FC Sion zu YB stiess. Und der auf der rechten Seite im Konkurrenzkampf mit Hefti steht. Von einem Mentalitätsunterschied spricht der Walliser. «Die Intensität im Training ist grösser, das Niveau höher, manchmal eigentlich so wie in einem Spiel.» Davon sei er zunächst ein bisschen überrascht worden. «Aber ich hoffe, dass ich dadurch Fortschritte machen kann.» Eines eint die beiden Kontrahenten: Sie erhalten beide kaum Anlaufzeit, sich ins Team einzufügen. Denn drei Tage nach dem Duell mit Midtjylland beginnt bereits die Meisterschaft mit dem Heimspiel gegen den FC Zürich. In der nächsten Woche stünde das Playoff-Hinspiel zur Champions League, oder aber wiederum eine Woche später die K.-o.-Partie (ohne Rückspiel) zur Europa League an.

«Wir müssen dagegenhalten. Und wir haben genug physisch starke Spieler, die das können.»

Fabian Lustenberger

Alles andere als ein Maibummel

Klar ist: Im Gegensatz zu Klaksvikdie Färöer traten mit Halbprofis in Bern anwartet auf die Young Boys am Mittwoch ein Gegner von ganz anderem Format. Dies versuchte Gerardo Seoane seinen Spielern mittels einigen Videosequenzen zu vermitteln. Und so sprechen die Berner unisono von einem äusserst hartnäckigen, aggressiven Gegner. «Wir müssen auf den Punkt bereit sein», sagt Lustenberger. Wobei die Young Boys mit K.-o.-Spielen Erfahrung haben: Im August bestritten sie gleich drei davon. Für den Captain gibt es primär ein Rezept, um Midtjylland in Schach zu halten: «Wir müssen dagegenhalten. Und wir haben genug physisch starke Spieler, die das können.»

Kommen die Young Boys am Dienstag in Dänemark an, müssen sie sich sogleich im Hotel isolieren. So schreibt es die Uefa wegen der Corona-Pandemie vor. Es ist gewiss ein Unterschied zu «normalen» Zeiten, als manchmal für Auswärtsspiele im Europacup Familienmitglieder mitreisten und nach dem Spiel ins Mannschaftshotel durften. «Das fällt nun weg, ansonsten ändert sich nicht viel», sagt Lustenberger. Die Young Boys haben in den letzten Monaten gelernt, sich an Dinge anzupassen, pragmatisch zu sein. Etwas anderes bleibt ihnen gar nicht übrig. Und so trifft Goalie von Ballmoos den Nagel ziemlich genau auf den Kopf, als er sagt: «Wir begeben uns nicht auf einen Maibummel, wir wollen in die Champions League. Deshalb ist mir eigentlich egal, ob ich etwas von der Stadt sehe oder nicht.»