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Schloss ThunstettenFür viele Brautpaare gibt es ein Happy End

Nicht nur wegen Corona gab es im Schloss Thunstetten weniger Buchungen für Trauungen und Hochzeiten. Immerhin: Die meisten Termine konnten verschoben werden.

Wegen der Abstandsregeln können die Trauungen nicht wie sonst hier im Gartenpavillon stattfinden.
Wegen der Abstandsregeln können die Trauungen nicht wie sonst hier im Gartenpavillon stattfinden.
Fotos: Olaf Nörrenberg

Wer sich trauen oder seine Hochzeit feiern möchte, der sucht sich dafür ein idyllisches Plätzchen. Besonders beliebt bei den Brautpaaren ist das Schloss Thunstetten. 2005 wurden dort erstmals zivile Trauungen durchgeführt. Es waren die ersten Eheschliessungen ausserhalb eines Standesamts überhaupt im ganzen Kanton Bern.

In den folgenden Jahren sei die Anzahl Buchungen immer mehr und mehr gestiegen, sagt Betriebsleiterin Elisabeth Rickli. Sie war es gewesen, die damals die Idee gehabt hatte, das Anwesen als Hochzeitslokal anzubieten.

Dass dieser Anstieg nicht ewig so weitergehen könnte, das sei damals schon klar gewesen, sagt sie. Allein schon durch die grosse überregionale Konkurrenz. Und so gab es denn auch mal stärkere Schwankungen. So etwas wie in diesem Jahr hat Elisabeth Rickli aber noch nie erlebt.

Betriebsleiterin Elisabeth Rickli.
Betriebsleiterin Elisabeth Rickli.

Wobei daran nicht nur das Coronavirus schuld gewesen sei, sagt sie. Dass die Buchungen anfangs nur zögerlich erfolgten, erklärt sie sich mit der Fussball-Europameisterschaft, die in diesem Sommer hätte stattfinden sollen. Wenn solche Grossanlässe anstehen, würden auch weniger Trauungen und vor allem Hochzeiten durchgeführt, weiss Rickli aus Erfahrung.

«Das waren teils emotionale Telefongespräche.»

Elisabeth Rickli, Betriebsleiterin Schloss Thunstetten

Trotzdem hätte sie im Frühjahr noch einmal mit Buchungen gerechnet. Diese blieben aber aus. «Wegen der Corona-Pandemie kam es zu einem Buchungsstopp», sagt sie. «Ansonsten wäre die Auslastung sicher besser gewesen.» In den Gesprächen mit den Brautpaaren habe sie gemerkt, dass diese besorgt seien. «Dafür hatte ich natürlich Verständnis.»

Alle Termine ausgebucht

Unterkriegen lassen wollte sich Elisabeth Rickli aber nicht. Und so griff sie nach Absprache mit dem Stiftungsrat zum Hörer und kontaktierte alle Brautpaare. «Das waren teils emotionale Telefongespräche», erinnert sie sich. Das Resultat war jedoch positiv: Für alle Brautpaare, die im Mai oder Juni in Thunstetten einen Termin gehabt hätten, wurde ein Ersatzdatum gefunden.

Die meisten Brautpaare machten vom Angebot Gebrauch. Nur gerade zwei Paare sagten ihre Ziviltrauung ganz ab, eine Hochzeit wurde auf kommendes Jahr verschoben. Und nur je zwei Trauungen wurde im Mai und Juni unter strengen Sicherheitsvorkehrungen trotzdem durchgeführt, mit jeweils maximal nur fünf Personen. «Das war fast ein wenig traurig», sagt Rickli. Dafür sind die Termine im August, September und Oktober nun alle bereits ausgebucht. «Was natürlich toll ist», freut sie sich.

Mittlerweile konnte am 17. Juli wieder die erste Ziviltrauung und am 18. Juli die erste Hochzeit nach dem Lockdown durchgeführt werden. Es sind nun bei den Ziviltrauungen 25 Personen zugelassen. Wobei natürlich weiterhin die Abstandsregeln eingehalten werden. Weshalb die Trauungen auch nicht wie sonst im Gartenpavillon, sondern in der Landvogtstube durchgeführt werden. Zum gleichen Preis, wie Elisabeth Rickli betont. Die Miete des Pavillons kostet 290 Franken.

«Das Schloss Thunstetten ist für das nächste Jahr schon zu 50 Prozent ausgelastet.»

Elisabeth Rickli, Betriebsleiterin Schloss Thunstetten

Unter dem Strich bleibt jedoch die Tatsache, dass ohne Corona mehr möglich gewesen wäre: Rickli rechnet damit, dass bis Ende Saison im Oktober in Thunstetten 27 Trauungen und zusätzlich 15 Hochzeiten durchgeführt werden konnten. Zum Vergleich: 2017 waren im Pavillon 39 Ziviltrauungen durchgeführt worden – von maximal 42 möglichen in einer Saison. 2018 war es – diesmal wegen der Fussball-Weltmeisterschaft – mit 25 Trauungen zu einem Taucher gekommen. Und im vergangenen Jahr wurden laut Rickli 31 Ziviltrauungen durchgeführt.

Immerhin: Weil viele Brautpaare wohl damit rechnen, dass es nächstes Jahr einen Ansturm auf die freien Termine geben könnte, gibt es schon jetzt zahlreiche Buchungen für 2021, also deutlich früher als sonst. Rickli: «Das Schloss Thunstetten ist für das nächste Jahr schon zu 50 Prozent ausgelastet.»

Die Anlage wird gerne für grosse Feste genutzt.
Die Anlage wird gerne für grosse Feste genutzt.

Für das Schloss seien die Trauungen ein wichtiges Standbein, sagt Rickli. «Ohne sie sind wir bei den Einnahmen nur halb so gut dran.» Kommt hinzu, dass mehrere Geburtstags- und Jubiläumsfeiern oder Tagungen auf nächstes Jahr verschoben worden sind. Drei grössere Anlässe, die auch Schlossführungen beinhaltet hätten, wurden gleich ganz abgesagt. Und natürlich gingen auch im Schlosscafé, das mittlerweile wieder geöffnet ist, weniger Gäste ein und aus als in einem normalen Jahr. «Der Schlossbetrieb stand komplett still», sagt Rickli. Als Betriebsleiterin bietet sie seit mittlerweile über 25 Jahren Besichtigungen an, organisiert Feste und Tagungen.

Mit einem blauen Auge?

Für sie ist deshalb klar, dass sich Corona für das Schloss auch wirtschaftlich negativ bemerkbar machen wird. «Wir müssen mit Einbussen rechnen», stellt sie klar. Genau liessen sich diese aber noch nicht beziffern. Immerhin: Bei den Anlässen hofft Rickli, dass man womöglich «mit einem blauen Auge» davonkommt. Auch weil man bei diesen, als plötzlich keine neuen Buchungen mehr eingegangen seien, reagiert und das Budget nach unten korrigiert habe.

Kommt hinzu, dass sich Thunstetten der immer grösser werdenden Konkurrenz stellen muss. Mit dem Schloss Jegenstorf und dem Schloss Burgdorf sind in diesem Jahr zwei neue Lokalitäten für Ziviltrauungen hinzugekommen. Rickli ist zwar zuversichtlich, betont aber auch: «Wir müssen die Augen offenhalten und den Puls der Brautpaare spüren.»