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Der Betonbau in der Waldlichtung

Mitten im Wald des Käferbergs steht ein Bauvisier, das bis zu acht Meter in die Höhe ragt – und das in unmittelbarer Nähe zum Weiher. Die Anwohner sorgen sich um ihr beliebtes Ausflugsziel.

Der Käferberg: Der Wald ist ein beliebtes Naherholungsgebiet für die Quartierbewohner.
Der Käferberg: Der Wald ist ein beliebtes Naherholungsgebiet für die Quartierbewohner.
Dominique Meienberg /TA
Weiher zum Verweilen: Mitten im Käferbergwald liegt ein Weiher. Entlang der Uferzone gibt es nicht nur Sitzbänke und Feuerstellen...
Weiher zum Verweilen: Mitten im Käferbergwald liegt ein Weiher. Entlang der Uferzone gibt es nicht nur Sitzbänke und Feuerstellen...
Dominique Meienberg /TA
Der Standort des neuen Reservoirs: Es soll dereinst aus zwei Kammern mit einem Fassungsvermögen von je 8000 Kubikmetern Wasser bestehen. Die Grundfläche einer Kammer ist quadratisch mit einer Seitenlänge von 34 Metern. Die Behälterhöhe variiert abhängig vom Gefälle der Bodenplatte zwischen 7,5 und 8 Metern.
Der Standort des neuen Reservoirs: Es soll dereinst aus zwei Kammern mit einem Fassungsvermögen von je 8000 Kubikmetern Wasser bestehen. Die Grundfläche einer Kammer ist quadratisch mit einer Seitenlänge von 34 Metern. Die Behälterhöhe variiert abhängig vom Gefälle der Bodenplatte zwischen 7,5 und 8 Metern.
Wasserversorgung Zürich
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Beni Weder, Quartiervereinspräsident von Wipkingen, staunte nicht schlecht, als er im Käferbergwald spazieren ging: In unmittelbarer Nähe des Waldweihers steht ein Baugespann mit stattlichen Ausmassen. Die Grundfläche ist mit 34 mal 68 Metern ausgesteckt und die Visire reichen bis zu 8 Meter in die Höhe. «Die Dimensionen dieses Baus sind immens. Da muss ein grosses Stück Wald geholzt werden. An einer solchen Stelle sollte man so was unterirdisch bauen. Die Umgebung ist viel zu sensibel dafür.»

Weder bemängelt insbesondere auch, dass die Bevölkerung nicht darüber informiert wurde, was an dieser Stelle geplant ist. «Der Käferberg ist ein wichtiges Naherholungsgebiet. Dort kann man die Natur geniessen, Kinder können herumtollen und spielen. Wenn an dieser Stelle unweit des beliebten Weihers ein Gebäude mit solchen Ausmassen errichtet werden soll, dann muss darüber informiert werden», so der Quartiervereinspräsident.

Ersatz für das 80-jährige Wasserreservoir

Recherchen von Redaktion Tamedia haben ergeben, dass an der Stelle ein neues Reservoir der Wasserversorgung Zürich geplant ist. Es soll das bereits 80 Jahre alte Reservoir Käferberg ersetzen, das sich in etwa 100 Metern Entfernung vom neuen Standort befindet.

Die Stelle sei in Zusammenarbeit mit den städtischen und kantonalen Forstbehörden ausgewählt worden, sagt Joachim Lenzner, Leiter Betrieb und Unterhalt bei der Wasserversorgung der Stadt Zürich. «Wir haben verschiedene Alternativen geprüft und sind mit den Forstvertretern zum Schluss gekommen, dass der gewählte Standort betreffend erforderliche Höhenlage, Integration ins Gelände sowie Rodung und Wiederaufforstung am geeignetsten wäre.»

Bessere Wasserversorgung in höheren Lagen

Bei der Standortsuche war auch die Distanz zum alten Reservoir entscheidend. «Der alte Wasserspeicher ist am Vertikalstollen Käferberg angeschlossen. Mit diesem Stollen muss auch das neue Reservoir verbunden werden», sagt Lenzner. Hinzu komme, dass das Reservoir an der geplanten Stelle sechs Meter höher liege als die heutige Reservoiranlage. Es könne somit künftig als Gegenbehälter zum Reservoir Sonnenberg, das auf gleicher Höhe errichtet ist, genutzt werden. «Dies bietet Vorteile für die Versorgungssicherheit der betroffenen Druckzone», erklärt Lenzner.

Der neue Wasserspeicher würde einerseits die in der mittleren Höhenlage befindlichen Siedlungsgebiete im Bereich Käferberg, Milchbuck und Zürichberg mit Trinkwasser versorgen. Andererseits übernimmt das Reservoir als Transitbehälter die Versorgung eines Teils von Zürich Nord. «In beiden Funktionen werden jeweils mehrere Zehntausende Personen mit Wasser versorgt.»

Bau ins Gelände integrieren

Unterirdisch kann der Wasserspeicher nicht gebaut werden. «Wir wollen aber selbstverständlich keinen Betonklotz in den Wald stellen, sondern das Gebäude analog den bereits bestehenden alten Reservoiren ins Gelände integrieren», beteuert Lenzner. So wird die am neuen Standort vorhandene Geländekuppe genutzt, um das Gebäude etwa fünf Meter tief in den Boden hineinzubauen. Sobald die Bauarbeiten abgeschlossen sind, werde das Reservoir gemäss Lenzner in gleicher Weise wie alle anderen bestehenden Speicher der Wasserversorgung Zürich rundum mit einer Erd-Böschung versehen. «Auch das Dach wird mit einer etwa 1,5 Meter dicken Erdschicht überdeckt. Lediglich das Eingangsportal wird vom Fussweg aus noch gut zu sehen sein.»

Die Bäume, die für den Bau des Reservoirs gefällt werden müssen, werden wieder aufgeforstet und auch an der Stelle des alten Wasserspeichers, der zurückgebaut wird, sollen ebenfalls wieder Bäume gepflanzt werden. «Nach einiger Zeit wird vom Reservoir nicht viel mehr zu sehen sein, als ein Erdhügel im Wald.»

Baugesuch wird in den nächsten Tagen eingereicht

Der Baubeginn ist noch offen, die Ausschreibung des Bauvorhabens ist noch nicht erfolgt. Die Pläne seien aber erstellt und das Gesuch werde in den nächsten Tagen eingereicht und öffentlich aufgelegt, so Lenzner. «Nach Erteilung der Baubewilligung beabsichtigt die Wasserversorgung, an der Baustelle Informationstafeln über das Projekt für die Bevölkerung aufzustellen.»

Quartiervereinspräsident Weder bleibt skeptisch. «Wir warten nun die offizielle Ausschreibung ab, dann werden wir das weitere Vorgehen besprechen», sagt er auf Anfrage. Es sei zwar schwer zu sagen, ob überhaupt jemand rekurrieren könne, «aber der Käferbergwald ist ein wichtiges Naherholungsgebiet und es ist somit sicher im Interesse des Quartiers, dass man sich gegen einen solchen Bau zur Wehr setzt.»

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