Fabienne Studer ist «hier oben» angekommen

Am Freitag beginnt im rumänischen Cluj-Napoca die Europameisterschaft im Kunstturnen. Für Fabienne Studer wird es der erste Auftritt an einem grossen Wettkampf sein. Die 15-jährige Thunerin hat ereignisreiche Monate hinter sich.

Fabienne Studer in ihrem «Zuhause», der Magglinger Jubiläumshalle.

Fabienne Studer in ihrem «Zuhause», der Magglinger Jubiläumshalle. Bild: emg

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Irgendwann blickt Fabienne Studer um sich. Sie sieht Turngeräte, viele Turngeräte. Die Thunerin steht in der Jubiläumshalle in Magglingen, der Trainingsbasis des Kunstturn-Nationalkaders. Studer lächelt und meint dann: «Als ich klein war, hätte ich mir nie vorstellen können, einmal hier oben zu turnen.»

Seit Januar gehört die 15-Jährige jedoch dazu, sie ist «hier oben» angekommen. Für einen Teenager ist dieser Schritt mit vielen einschneidenden Veränderungen verbunden. Im letzten Sommer zog sie aus dem Elternhaus aus; Studer wohnt nun zusammen mit Livia Schmid, die wie sie Anfang Jahr ins Nationalkader aufgenommen wurde, bei einer Gastfamilie in Biel.

Viel Aufwand

«Es war ein grosser Wechsel für mich, aber mittlerweile hat sich alles normalisiert, und für mich ist das eine grosse Chance», sagt Studer. In Biel besucht sie die Fachmittelschule, trainiert da­neben in Magglingen – mehrere Stunden pro Tag. Das Programm sieht etwa so aus: Morgens Schule, dann Training, nach der Mittagspause lernen, wieder Training – wobei jeden Tag etwas anders geplant ist.

Wer im Kunstturnen erfolgreich sein will, muss früh viel investieren. Mit fünf Jahren begann Studer in Uetendorf, die letzten zehn Jahre trainierte sie im regionalen Leistungszentrum in Bern. «Dabei komme ich überhaupt nicht aus einer Turner­familie», hält sie fest. Es war eine Leiterin des Kinderturnens, welche den Eltern vorschlug, das Mädchen einmal in einem Kunstturntraining schnuppern zu lassen, weil es in der Turnstunde aufgefallen war. Im Gegensatz zu Gleichaltrigen hat Studer allerdings bereits früh viel Disziplin an den Tag legen müssen. «Doch ich habe das Gefühl, genug Freizeit zu haben», entgegnet sie, «ich mag es, wenn viel los ist.»

Grosse Ziele

In Magglingen trainiert Studer nun wieder unter den Fittichen von Natalia Michailowa, welche sie zuvor bereits sechs Jahre in Bern coachte. «Sie kennt mich gut, das ist ein grosser Vorteil», sagt die Thunerin. Weil sie bereits seit letztem August in Magglingen trainieren darf, hat sie ihre Übungen in den letzten Monaten angepasst und erschwert. Nun gehe es in diesem Jahr darum, Erfahrungen zu sammeln, sagt sie.

Und so darf die 15-Jährige ab Freitag erstmals an einer Elite-EM teilnehmen. Im rumänischen Cluj-Napoca wird sie die Schweiz in Abwesenheit von Mehrkampf-Europameisterin Giulia Steingruber zusammen mit Ilaria Käslin, Lynn Genhart und Thea Brogli vertreten. Die vier Frauen werden an allen vier Geräten zum Einsatz kommen. «Etwas nervös bin ich schon, aber ich will einfach mein Bestes geben, möglichst ohne grossen Fehler durchkommen», sagt Studer.

Die Hackordnung im Nationalkader ist klar: Unangefochtene Leaderin ist Steingruber, welche letztes Jahr in Bern am Sprung und am Boden EM-Gold gewann, zwei Monate später in Rio als erste Schweizer Kunstturnerin überhaupt eine Olympia-Medaille holte. «Sie ist nach wie vor ein Vorbild», sagt Studer und lobt die Ostschweizerin. «Haben wir Fragen, können wir uns immer an sie wenden. Es ist sehr gut, so jemanden im Team zu haben.»

Die Wochenenden verbringt Studer jeweils in Thun, einmal pro Monat kann sie bereits am Freitagabend nach Hause gehen und muss erst am Montagmorgen zurück sein. Dann trifft sie sich mit Kolleginnen oder unternimmt etwas mit dem Familienhund, der sinnigerweise auf den Namen Dream hört. Und einen Traum hat natürlich auch die Oberländerin: 2020 will der Turnverband erstmals überhaupt mit einer Frauenequipe an den Olympischen Spielen ver­treten sein – und Studer möchte in Tokio dazugehören. (Berner Zeitung)

Erstellt: 19.04.2017, 17:30 Uhr

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