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Innovativer 1. August Feuerwerk 4.0 nach Berner Art

Der junge Verein Smart City Bern will die Stadtregierung bei einem alternativen «Drohnen-Feuerwerk» für den 1. August unterstützen – als Plädoyer für intelligente Digitalisierung.

Ohne Feuerwerk, mit Heimatfaktor: Drohnenshow in der Neujahrsnacht 2020 in St. Moritz. Foto: zvg/fotoswiss.com/giancarlo cattaneo
Ohne Feuerwerk, mit Heimatfaktor: Drohnenshow in der Neujahrsnacht 2020 in St. Moritz. Foto: zvg/fotoswiss.com/giancarlo cattaneo

Entpuppt sich der von der Berner Stadtregierung verfügte, ab sofort geltende Verzicht auf das traditionelle 1.-August-Feuerwerk auf dem Gurten als Akt der rot-grüner Innovationsförderung? Auf jeden Fall applaudiert der Verein Smart City Bern dem am Donnerstag bekannt gewordenen Entscheid des Gemeinderats postwendend. Dieser hatte angekündigt, mit einem noch genauer zu definierenden Ideenwettbewerb zum Beispiel bei Kunstschaffenden nach Alternativen zu suchen. Denn die Regierung will wohl ab 2021 «mit einem sinnlichen, feierlichen und symbolischen Akt der Gemeinschaftsbildung» den künftig von einem offiziellen Grossfeuerwerk befreiten 1. August bereichern.

Smart City Bern steht mit einer Idee bereits in den Startlöchern und schlägt in einer Mitteilung vor, das klassische Feuerwerk künftig durch ein Drohnenballett zu ersetzen. Man habe mit dem Seeländer Start-up-Unternehmen Swiss Drone Show AG in den letzten Monaten die Rahmenbedingungen für ein Kunstspektakel mit beleuchteten Drohnengeschwadern abgeklärt. Smart City Bern stehe zur Verfügung, die Stadt bei der Organisation und Finanzierung eines alternativen 1.-August-Spektakels zu unterstützen.

Grüne Digital-Offensive

Bei Smart City Bern handelt es sich um einen 2018 gegründeten gemeinnützigen Verein, der in Stadt und Region Bern «nachhaltige Smart-City-Projekte anstossen will», unter anderem indem Wissenschaft, digital orientierte Unternehmen und Menschen mit grünem Flair vernetzt würden. Zu den Initianten gehören Nino Müller, Co-Gründer des Start-up-Netzwerks Impact Hub in Bern, sowie Matthias Egli und Fabian Scherer, die auch bei den Grünliberalen politisieren. Geschäftsführer ist Felix Adank, der vor der rot-grünen Wende bis 1992 für die Demokratische Alternative Stadtrat war und heute der GFL, der Partei von Stadtpräsident Alec von Graffenried, angehört.

Es habe Kontakte mit der Stadtverwaltung gegeben, aber bezüglich der künftigen Gestaltung des 1. August sei alles offen und nichts vorgespurt, sagt Fabian Scherer, Präsident von Smart City Bern, auf Anfrage. Der Verein treibe das Vorhaben einer künstlerischen Drohnenflugshow unabhängig davon voran, weil «wir es als ideale Versinnbildlichung dessen anschauen, was wir anregen wollen: digitale Technik intelligent zu nutzen». Scherer fände es aber wichtig, wie er sagt, «wenn die Stadt Bern, die neuen Technologien sonst eher zögerlich gegenübersteht, jetzt hier ein Zeichen setzt».

Eher Allmend als Gurten

Die Frage stellt sich, wie man sich einen Feuerwerksersatz mit Drohnen in Bern konkret vorstellen müsste. Weil man ein einigermassen flaches Startgelände braucht, wäre der Gurten als Startort nicht ganz ideal. Laut Scherer käme aber etwa die Allmend als Austragungsort infrage, weil auch genug Platz wäre, viele Zuschauer in ausreichendem Sicherheitsabstand zu platzieren. Eine Drohnenflugshow braucht eine Bewilligung des Bundesamts für Zivilluftfahrt, die namentlich umfassende Sicherheitsvorschriften beinhaltet.

Joris Zahnd ist Mitgründer des Start-ups Swiss Drone Show AG in Gerolfingen am Bielersee, mit dem Smart City Bern die Rahmenbedingungen für einen Event in Bern vorsondierte. Am vergangenen Jahreswechsel führte das Seeländer Unternehmen in St. Moritz ein Neujahrsballett mit 100 leuchtenden Drohnen durch. In ungefähr dieser Grössenordnung könnte sich auch eine Show in Bern bewegen. Ein Drohnenprojekt umzusetzen, sei aufwendig, sagt Zahnd. Es gehe schliesslich darum, künstlerische Vorstellungen in einem Programm zur Steuerung der Drohnen umzusetzen.

Ein Fall für EWB?

Der hohe administrative und technische Aufwand führe dazu, dass ein Drohnenspektakel wohl etwas teurer zu stehen komme als die rund 70’000 Franken, die man in Bern für die pyrotechnische Variante auslegte. Allerdings könnten auch neue Sponsoren angezogen werden. Am Züri-Fäscht 2019 sponserten die Elektrizitätswerke Zürich eine Show mit 150 Drohnen. Wenn die Flugroboter in einem Berner Projekt zum Beispiel mit regionalen Ökostrom betrieben würden, könnte das ein Fall für Energie Wasser Bern (EWB) sein.

Wenn sie mit Ökostrom betrieben würden, sagt Fabian Scherer, seien Drohnen eine in jeder Hinsicht ökologischer als Feuerwerk. Und im Instagram-Zeitalter haben Drohnen einen weiteren Vorteil. Man kann den Namen der Stadt leuchtend in den Himmel schreiben und sich über die geposteten Handyfotos und Filmchen mit den Drohnen sogar noch einen zusätzlichen Werbe- oder Heimweheffekt erfliegen.