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«Neuer ist der viel bessere Fussballer als Buffon»

Vor dem EM-Halbfinal zwischen Italien und Deutschland vergleicht der ehemalige Schweizer Nationalgoalie Jörg Stiel im Interview mit Redaktion Tamedia die beiden Torhüter Manuel Neuer (26) und Gianluigi Buffon (34).

Thomas Niggl
Buffon nimmt vor dem Elfmeterschiessen gegen England noch ein erfrischendes Getränk zu sich.
Buffon nimmt vor dem Elfmeterschiessen gegen England noch ein erfrischendes Getränk zu sich.
Neuer misst die Torhöhe aus.
Neuer misst die Torhöhe aus.
Er schnappt sich den Ball und schaut gleich nach vorne, um den nächsten Angriff zu lancieren.
Er schnappt sich den Ball und schaut gleich nach vorne, um den nächsten Angriff zu lancieren.
Neuer bedankt sich bei Philipp Lahm für die Unterstützung des Captains.
Neuer bedankt sich bei Philipp Lahm für die Unterstützung des Captains.
Für einmal ist Neuer geschlagen. Der Grieche Samaras erzielt den 1:1-Ausgleich.
Für einmal ist Neuer geschlagen. Der Grieche Samaras erzielt den 1:1-Ausgleich.
Mit seinen schnellen Auswürfen leitet Neuer manchen Konter ein.
Mit seinen schnellen Auswürfen leitet Neuer manchen Konter ein.
Buffon zeigt an, dass er drei Mann in der Mauer will.
Buffon zeigt an, dass er drei Mann in der Mauer will.
Der Italiener klopft Englands Torjäger Wayne Rooney auf die Schulter, hat aber sogleich den Ball wieder im Visier.
Der Italiener klopft Englands Torjäger Wayne Rooney auf die Schulter, hat aber sogleich den Ball wieder im Visier.
Für Italiens Trainer Cesare Prandelli (l.) ist Torhüter Gianluigi Buffon ein wichtiger Ansprechpartner.
Für Italiens Trainer Cesare Prandelli (l.) ist Torhüter Gianluigi Buffon ein wichtiger Ansprechpartner.
Buffon (l.) ist in der Mannschaft auch wegen seines Humors beliebt.
Buffon (l.) ist in der Mannschaft auch wegen seines Humors beliebt.
Buffon (l.) tauscht sich vor dem Elfmeterschiessen noch einmal mit Englands Keeper Joe Hart aus.
Buffon (l.) tauscht sich vor dem Elfmeterschiessen noch einmal mit Englands Keeper Joe Hart aus.
Dann fischt er den entscheidenden Elfmeter aus der tiefen Ecke.
Dann fischt er den entscheidenden Elfmeter aus der tiefen Ecke.
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Jörg Stiel, wie würden Sie Gianluigi Buffon charakterisieren? Er ist eine grosse Persönlichkeit, ein Vorbild mit einem feinen Charakter.

Wie meinen Sie das? Ich nenne Ihnen mal ein Paradebeispiel: Als sein Verein Juventus Turin wegen des Manipulations- und Wettskandals 2006 zwangsrelegiert wurde, ist er nicht, wie viele andere Juve-Spieler, einfach abgehauen und hat sich aus dem Staub gemacht. Er ist dem Verein treu geblieben und zeigte damit eine unheimliche menschliche Grösse.

Buffon wurde vor der EM jedoch auch mit den üblen Machenschaften im italienischen Fussball in Verbindung gebracht. Er soll ebenfalls Wetten abgeschlossen haben. Beschäftigt ihn das an dieser EM? Nein, überhaupt nicht. Das beweisen ja auch seine grossartigen Leistungen. Im Übrigen geriet er schon 2006 ebenfalls unter Verdacht, illegal auf Partien der Serie A gewettet zu haben. Später wurde Buffon jedoch von der Staatsanwaltschaft für unschuldig befunden und rehabilitiert.

Wie würden Sie Manuel Neuer charakterisieren? Obwohl Manuel Neuer mit 26 Jahren noch ein relativ junger Torhüter ist, besitzt auch er schon eine grosse Persönlichkeit und Ausstrahlung. Er ist in der Hierarchie der deutschen Mannschaft schon ziemlich weit oben anzusiedeln. Sein Wort hat Gewicht.

Was unterscheidet Buffon und Neuer am meisten? Neuer gehört im Gegensatz zum um acht Jahre älteren Buffon zu einer neuen Torhütergeneration.

Was für Auswirkungen hat das? Das hat gravierende Auswirkungen auf das Spiel. Als Buffon ausgebildet wurde, wurden die Torhüter eigentlich noch wenig oder gar nicht ins Spiel einbezogen. Das ist heute ganz anders. Da muss ein Torhüter mitspielen können und deshalb auch mit dem Ball am Fuss ein fast schon perfekter Techniker sein. Neuer ist fussballtechnisch weit besser ausgebildet als Buffon. Er ist zwar nicht der bessere Torhüter, aber der viel bessere Fussballer als Buffon.

Wie wirkt sich das auf das Spiel aus? Neuer kann einen hervorragenden und genauen Pass schlagen und somit in der Auslösung eines Angriffes sehr viel bewirken. Neuer kann auch hervorragend einen Konter auslösen, weil seine langen und präzisen Auswürfe mit der Hand fast immer einen Mitspieler finden. Auch da hat Buffon seine Defizite.

Neuer hat in dieser Saison beim Hintenhinausspielen aber schon schwer gepatzt. Weshalb kann ihm das passieren? Er bewegt sich durch sein Spiel oft auch an der Risikogrenze, weil er eben ein mitspielender Torhüter ist, der sein Gehäuse gerne verlässt.

Was zeichnet Buffon aus? Er hat natürlich eine grosse Routine. Mit seiner immensen Erfahrung strahlt er auf seine Vorderleute sehr viel Ruhe aus. Er bringt sogar eine stoische Ruhe mit.

Was kann diese sonst noch bewirken? Im Spiel gegen die Engländer war Buffon bei einem Schuss bereits in der Bewegung nach rechts. Doch plötzlich blieb er auf der Linie seelenruhig stehen und blockierte den Schuss aus drei Metern mit seiner linken Hand. Das war eine unglaubliche Parade, die er aber nur machen konnte, weil er Nerven wie Drahtseile hat. Zudem sind seine Reflexe trotz seiner 34 Jahre immer noch unfassbar.

Was macht Buffon sonst noch zu einem der besten Torhüter der Welt? Er hat ein überragendes Stellungsspiel. Er ist deshalb auch bei Flanken bärenstark. Auch im Spiel eins gegen eins ist er meist der Gewinner, weil er viel Geduld hat. Bei den Elfmetern bleibt Buffon lange stehen und verunsichert damit den Schützen mit seiner stoischen Ruhe. Er ist der coolste Torhüter von allen. Seine Aura ist beeindruckend.

Wie würden Sie Neuer im Spiel eins gegen eins bewerten? Eins-gegen-eins-Situationen sind für die Stürmer gegen Neuer kein Vergnügen. Er nutzt mit seinen 1,93 Metern seine ganze Spannweite. Er macht sich gross und lang und bleibt wie Buffon lange stehen. Auch er zermürbt mit dieser Taktik die Gegner.

Geben Sie uns doch bitte eine Prognose für das Spiel ab. Ich habe es schon vor dem Turnier gesagt. Am Schluss dieser EM werden die Deutschen ganz oben auf dem Treppchen stehen.

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