Es wird weniger gebaut – aber noch immer am falschen Ort

Eine neue Studie zeigt, dass Investoren die Anzahl der leeren Mietwohnungen weiter in die Höhe treiben – die Mieten sinken nur leicht.

Die Anzahl der neu bewilligten Mietwohnungen ist gesunken, wie eine Studie zeigt: Eine Wohnsiedlung in Zürich. (Symbolbild: Keystone)

Die Anzahl der neu bewilligten Mietwohnungen ist gesunken, wie eine Studie zeigt: Eine Wohnsiedlung in Zürich. (Symbolbild: Keystone)

Das Phänomen Wohnungsleerstand hat die Schweiz seit Jahren fest im Griff. Die tiefen Zinsen bringen professionelle Investoren dazu, verstärkt in Wohnungen zu investieren. Denn Immobilien sind noch immer rentabel. Auch wenn die eine oder andere Wohnung jeweils leersteht. An Aktienmärkten erreichen die Investoren meist keine solch hohen Renditen wie mit Immobilien. Also wird weiter in Mietwohnungen investiert.

Wie eine neue Studie der Zürcher Kantonalbank (ZKB) zeigt, ist nun aber die Anzahl der neu bewilligten Mietwohnungen gesunken. Die Bank beobachtet 2018 einen Rückgang von insgesamt 7 Prozent. Dies vor allem getrieben durch die Entwicklung in den grossen Städten. In Zürich zum Beispiel seien vergangenes Jahr 36 Prozent weniger Mietwohnungen bewilligt worden als 2017, fand die ZKB heraus. In Basel sank die Anzahl der neubewilligten Wohnungen um 19 Prozent.

Die Leerstandsproblematik wird sich aber auch in diesem Jahr nicht entspannen. Denn die Investoren bauen einfach in anderen Regionen als den Städten. Dies, weil es in den Städten zunehmend schwierig sei, überhaupt Mietwohnungsbauten zu realisieren. Ausserhalb der Zentren besteht aber gar keine Nachfrage nach neuen Wohnungen.

Die Bank geht deshalb davon aus, dass es künftig noch mehr leerstehende Mietwohnungen geben wird. Sie rechnet mit knapp 72'000 leeren Mietwohnungen im Jahr 2020. Heute sind es knapp unter 60'000. Ursina Kubli, die Leiterin Immobilien Research der Zürcher Kantonalbank, sagt: «Wir gehen deshalb davon aus, dass auch in Zukunft nicht da am meisten Wohnraum entsteht, wo die meisten Personen wohnen möchten.»

Als Beispiel nennt die ZKB die Regionen im Unterwallis oder im Jura. Dort seien bereits sehr viele Mietwohnungen leer, die neuen Baubewilligungen seien aber stark gestiegen. Im Jura etwa um 158 Prozent. Auch in Olten, Solothurn und Grenchen dürfte sich laut der ZKB die Lage nicht so rasch entspannen und, weil wiederum Mietwohnungen bewilligt wurden, obwohl noch viele leer stehen.

Entspannung in einigen Regionen

Doch die ZKB sieht die Entwicklung nicht nur düster. Denn gerade in der Region Aarau, wo viele Wohnungen leer stehen, zeichnet sich eine Entspannung ab. Dies weil deutlich weniger neue Mietwohnungen bewilligt wurden. Dasselbe auch im Oberaargau und in der Region St. Gallen.

In der Theorie müssten die Mieten bei so viel Leerstand ins Rutschen kommen. Dem ist aber laut der ZKB nicht so. Die Bank geht für die gesamte Schweiz 2019 und 2020 von einem Rückgang der Angebotsmieten von 0,5 Prozent aus. Doch nicht überall werden die Mieter überhaupt profitieren können. Im Kanton Zürich rechnet die Zürcher Kantonalbank damit, dass sich die Angebotsmieten 2019 kaum verändern und 2020 gar wieder 0,5 teurer werden.

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt

Loading Form...