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Erwachsen werden

Wer gehört ins Bett mit wem? Wenn der Besuch im Bettengeschäft plötzlich zur Sinnkrise wird.

140 oder 160? Die Grösse der Matratze wird zur Frage nach einer gemeinsamen Zukunft.
140 oder 160? Die Grösse der Matratze wird zur Frage nach einer gemeinsamen Zukunft.
PD

Ich wollte erwachsen werden, aber muss es wohl verschieben. Obwohl ich doch endlich den Übertritt aus der Generation Praktikum zur Generation «anständiger Job» geschafft habe. Aus dem andauernden Übergangsmodus soll das Leben nun stetig und geordnet werden.

Zu einem erwachsenen Leben gehört auch eine erste anständige Investition. Ich ging in ein Bettengeschäft. Ich legte mich auf die erste Matratze. Lattenroste, die sich Körperrundungen anpassen, Latex, Schaumstoff Memory Foam. Wow. Mein Rücken war entzückt, die Jahre auf geschenkten Untersätzen und Bettsofas waren vergessen.

Kurze Zeit später legt sich meine Begleitung neben mich (nachdem er, ungefähr halb so alt wie die Verkäuferin – ihr unaufgefordert die Hand reichte und das Du anbot). Die Verkäuferin: «Sie wollen zusammenziehen? Dann würde ich das Eins-sechzig-Bett empfehlen.» «Zusammenziehen? Äh, ja, also nein.», «Nicht? Nein, schon gut.» «Also nicht grad jetzt.» «Stimmt, finde ich eigentlich auch.»

Die Verkäuferin zeigte Verständnis. «140 dämfall?» 140, auch wenn man einmal alleine wohnen sollte? Oder doch 160? Prophylaktisch? Oder auch einfach so, für sich? Würde ich überhaupt allein wohnen wollen? Das wäre dann sehr erwachsen. Oder entrümple ich lieber mein WG-Zimmer für ein Palastbett, während rundherum alles auseinanderfällt? Vielleicht will ich doch einfach so bleiben, wie ich jetzt bin? Irgendwie provisorisch im Leben eingerichtet, aber nicht unwohl?

Oder ich mache es wie ein Ex-Mitbewohner. Er liess sich mit seiner Freundin von einer Verkäuferin für Küchenutensilien begeistern. Um einen Schmortopf entsponnen sich dabei keine existenziellen Fragen, lediglich, welche Farbe die Investition haben sollte. Orange. Eine schöne Farbe.

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