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Halbmarathon-SM in BelpEmotionale Titel für Salvisberg und Egger

An der Halbmarathon-SM in Belp bezwang Triathlet Andrea Salvisberg alle Laufspezialisten. Und Nicole Egger holte nach einem schwierigen Jahr Gold.

Andrea Salvisberg strahlt. Als Triathlet lief er an der Halbmarathon-SM als Erster ins Ziel.
Andrea Salvisberg strahlt. Als Triathlet lief er an der Halbmarathon-SM als Erster ins Ziel.
Foto: Freshfocus

Die Entscheidungen an der Halbmarathon-SM in Belp glichen sich in zweierlei Dingen. Sowohl Andrea Salvisberg wie Nicole Egger setzten sich erst ganz am Schluss der 21,098 Kilometer durch – im Spurt quasi. Und es waren überraschende Titelgewinner. Auch wenn wegen der am selben Wochenende in Polen ausgetragenen Halbmarathon-WM mit Julien Wanders, Tadesse Abraham und Fabienne Schlumpf bei beiden Geschlechtern die Besten fehlten. Die Berner befanden sich trotzdem nicht in Favoritenpositionen.

Salvisberg gehört als Triathlet seit Jahren zur absoluten Elite. Vor vier Jahren war der aus Hasle-Rüegsau stammende Emmentaler als 16. an den Olympischen Spielen von Rio bestklassierter Schweizer. In der Leichtathletik aber setzte er bis in diesem Jahr wenig Akzente. An der 10’000-Meter-Meisterschaft (2. hinter Tadesse Abraham) und über 10 Kilometer auf der Strasse (3. hinter Abraham und Eric Rüttimann) zeigte der 31-Jährige starke Leistungen, im Halbmarathon hatte er jedoch bis jetzt keine zählbaren Resultate vorzuweisen. Zweimal lief er die Distanz bisher, im Jahr 2011.

Ähnlich wie ein Olympia-Triathlon

Salvisberg vertraute auf seine enormen Fortschritte punkto Tempofestigkeit und Ausdauer in diesem Corona-Jahr. Und er sagte sich: «Ein Halbmarathon ähnelt einem Triathlon über die olympische Distanz: Da muss ich auch am Schluss auftrumpfen.» Hervorragend verstand er es, sich auf sein Körpergefühl zu verlassen. Er hielt sich anfänglich zurück und drehte sodann auf. Zur eigenen Überraschung lief er um Kilometer 20 zum führenden Genfer Morgan Le Guen auf. Und in diesem Augenblick nutzte er eine Erfahrung aus dem Triathlon: «Als ich ihn überholte und er nicht sofort konterte, war ich mir sicher: Auch er läuft am Limit.»

Dem Schlusskilometer von Salvisberg war Le Guen nicht gewachsen. Salvisberg freute sich entsprechend: «Jetzt ist der Medaillensatz aus dem Leichtathletik-Sommer komplett.» Der von Brett Sutton – dem Erfolgscoach von Nicola Spirig – betreute Athlet will seine verbesserten läuferischen Fähigkeiten in Zukunft auch in den Triathlon-Wettkämpfen zur Geltung bringen.

Nicole Egger machte kontinuierlich Positionen gut, am Ende lief sie vorneweg.
Nicole Egger machte kontinuierlich Positionen gut, am Ende lief sie vorneweg.
Foto: Freshfocus

Verletzt und krank

Geringer war der Überraschungseffekt über das Frauen-Gold von Nicole Egger – auch wenn die Langenthalerin grosse Namen hinter sich liess: ihre Clubkollegin, die Marathon-Spezialistin Martina Strähl, und Triathlon-Olympiasiegerin und Titelverteidigerin Nicola Spirig. Um den vierten Meistertitel handelt es sich für die 35-Jährige – nach jenen über 10 Kilometer auf der Strasse und über 5000 Meter auf der Bahn im letzten Jahr sowie dem Cross-Gold von 2018.

Und er war besonders emotional. Egger sagte: «Im letzten Jahr lief es mir einfach, in diesem aber ist überhaupt nichts mehr selbstverständlich gewesen.» Ein Muskelfaserriss im Oberschenkel, eine Gürtelrose sowie eine Herzbeutelentzündung bremsten sie wochenlang aus. «Vor allem auch mental sah ich mich gefordert», sagte sie.

Gerade vor diesem Hintergrund war die Darbietung Eggers von grosser Klasse. Obschon sie vom gelungenen Formaufbau wusste, hielt sie sich in der Anfangsphase bewusst zurück und liess einen Grossteil ihrer Konkurrentinnen ziehen. Ihre Erklärung: «Ich hielt mich an einen Kilometerschnitt von 3:30 Minuten, mit 3:25 hätte ich mich nicht sicher gefühlt.»

Kontinuierlich machte sie Positionen und Zeit gut – auch auf die souverän führende Strähl. Und plötzlich konnte sie aufschliessen. «Jetzt bin ich psychologisch im Vorteil», sagte sie sich, «diesen kann ich nutzen, wenn ich mit dem Kopf arbeite und den Körper mit der entschwundenen Kraft überliste.» Mit ihrer Zeit von 1:13:40 Stunden realisierte sie eine klare neue persönliche Bestzeit.