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Günstiger SchadenverlaufEmmental Versicherung beteiligt die Kunden am Gewinn

2020 erwirtschaftete die Genossenschaft einen Gewinn von knapp 10 Millionen Franken. Die Hälfte davon sollen die Versicherten erhalten.

Im Lockdown besonders nützlich: Ein Mitarbeiter schaut sich via Handykamera des Kunden einen Schadenfall an.
Im Lockdown besonders nützlich: Ein Mitarbeiter schaut sich via Handykamera des Kunden einen Schadenfall an.
Foto: zvg

Anders als Aktiengesellschaften zahlen Genossenschaften wie die Emmental Versicherung den Kundinnen und Kunden einen Anteil am Gewinn aus. Alle drei Jahre ist Zahltag: 2021 gibt es für die Kunden, die alle automatisch Genossenschafter sind, wieder 15 Prozent der Jahresprämie in bar.

Grundlage dafür ist die trotz Corona solide Entwicklung des Geschäfts mit den Versicherten, zu denen neben Privaten und KMU insbesondere Landwirte gehören. So gab es insgesamt zwar wiederum gut 19’000 Schadenfälle. Im Vergleich zum Vorjahr fielen aber weniger Grossschäden an, wie Geschäftsleiter Christian Rychen festhält.

Auch Corona wurde nicht zum Grossschaden, weil die Emmental Versicherung selber keine Versicherungen mit Epidemie- oder gar Pandemiedeckungen anbietet. Den persönlichen Kontakt mit den Kunden musste aber auch die Genossenschaft, die mit einem Netz von schweizweit rund 230 Agenturen auf Nähe setzt, ab Mitte März drastisch reduzieren. Der Betrieb konnte jedoch stets aufrechterhalten werden, vor allem dank der digitalen Infrastruktur.

Digital aufgerüstet

Das Unternehmen mit Sitz in Konolfingen scheint gerade noch rechtzeitig vor den Kontaktbeschränkungen wegen Corona digital aufgerüstet zu haben. Seit rund zwei Jahren arbeiten die Mitarbeitenden der Schadenabteilung mit Video-Live-Begutachtungen. Die Kunden erhalten dabei einen Link auf ihr Smartphone und können so per Video-Livestream den Schaden vorführen.

Der Emmental Versicherung ist es gelungen, sowohl bestehende Kundenbeziehungen auszubauen als auch neue Kundinnen und Kunden zu gewinnen. So stieg die Zahl der Kunden-Genossenschafter um 191 auf 59’564.

14 neue Agenturen

Die Prämieneinnahmen erhöhten sich gar um gut 3 Prozent auf 85,5 Millionen Franken. Diese Zunahme sei in einem hart umkämpften und nur moderat wachsenden Versicherungsmarkt gelungen, betont Rychen. Etwa die Hälfte des Geschäfts erzielt die Genossenschaft im Bernbiet. Sie expandiert aber auch in der restlichen Schweiz. So wurden 14 Agenturen neu eröffnet, ausserkantonal unter anderem in Martigny VS, Engelberg OW und Bischofszell TG.

Das Agenturnetz wächst immer mehr über den Kanton Bern hinaus.
Das Agenturnetz wächst immer mehr über den Kanton Bern hinaus.
Grafik: pd

Die gesteigerten Prämieneinnahmen und geringeren Schadenskosten liessen den versicherungstechnischen Gewinn deutlich von rund 5 Millionen auf 7,2 Millionen Franken steigen. Dagegen warfen die Kapitalanlagen weniger ab, und die Steuerbelastung stieg. Unter dem Strich ging der Unternehmensgewinn auf 9,97 Millionen Franken zurück, nachdem er im Vorjahr einen Rekordwert von 10,55 Millionen Franken erreicht hatte.

5 Millionen Franken kommen nun in den Gewinnfonds für die Genossenschafter. Dieser war schon vor einem Jahr so gut gefüllt, dass Rychen die Gewinnbeteiligung von 15 Prozent der Jahresprämie 2021 bereits damals fest versprechen konnte. Die neue Gewinnzuwendung wird also ein ansehnlicher Grundbestand schon für die nächste Prämienauszahlungsrunde im Jahr 2024.

Das Unternehmen will aber auch ins weitere Wachstum investieren. Der Aussendienst solle weiter verstärkt und das Agenturnetz ausgebaut werden. Im vergangenen Jahr ist die Zahl der Vollzeitstellen durch den Ausbau des Aussendienstes bereits von 136,2 auf 146,8 gestiegen.