«Als Spieler macht dich das wahnsinnig»

Hakan Yakin und weitere ehemalige Nationalspieler sagen, was sie der Schweiz heute im Achtelfinal gegen die Polen zutrauen.

Geschafft: Nationalcoach Vladimir Petkovic klatscht nach dem 0:0 mit Franzosen ab und freut sich mit seinen Spielern über die Achtelfinalqualifikation.

Geschafft: Nationalcoach Vladimir Petkovic klatscht nach dem 0:0 mit Franzosen ab und freut sich mit seinen Spielern über die Achtelfinalqualifikation.

(Bild: Keystone)

Thomas Niggl@tagesanzeiger

Hakan Yakin, der für die Schweiz 87 Länderspiele absolviert und dabei 20 Tore geschossen hat, erklärt: «Die Schweizer müssen die Gier zum Siegen auf den Platz bringen.» Und weil die Spieler auch eine lange Saison in den Knochen hätten, müsse jeder in der Lage sein, zu leiden. «Nach einer so langen und schweren Saison ist der Saft draussen. Das bedingt, dass jeder Einzelne den inneren Schweinehund überwindet und dort hingeht, wo es auch so richtig wehtut.»

Yakin rechnet mit einem Abnützungskampf. «Gegen die Polen braucht es auch Geduld. Du kannst dir keine Fehler in der Rückwärtsbewegung erlauben. Und in der Vorwärtsbewegung musst du im Abschluss vor dem Tor effizient sein.» Dass Polens Torjäger Robert Lewandowski bisher an dieser EM noch kein Tor geschossen hat, ist für Yakin irgendwie erklärbar. «Das zeigt doch, wie unglaublich schwer das Toreschiessen bei diesem Turnier ist. Zumindest in fast allen Spielen bisher.»

«Eckball, Freistoss oder Penalty »

Die Schweiz habe seit dem letzten Gruppenspiel gegen Frankreich eine Woche auf diesen Achtelfinal warten müssen. «Ich spreche aus Erfahrung. Das ist an einem Turnier viel zu lang. Als Spieler macht dich das wahnsinnig. Diese Anspannung darf aber niemals zu einer Übermotivation führen. Da besteht eine gewisse Gefahr», sagt der Mann, der für die Schweiz bei zwei Weltmeisterschaften und zwei Europameisterschaften dabei war.

Raimondo Ponte, der für die Schweiz 34 Länderspiele bestritten und dabei zwei Tore erzielt hat, rechnet ebenfalls mit einem Abnützungskampf und Geduldsspiel. «Die Taktik wird die Partie bestimmen. Beide Teams werden vor allem defensiv gut stehen und vorsichtig sein, um ja kein Tor zu erhalten. Es wird fast sicher ein Lucky Punch sein, der alles entscheidet.» Ponte mutmasst, dass ein stehender Ball die Entscheidung bringen könnte. «Eckball, Freistoss oder Penalty.»

Knackpunkt Lewandowski

Heinz Hermann, der langjährige Captain und mit 118 Länderspielen nach wie vor Rekordnationalspieler der Schweiz, erklärt, was für ihn das Allerwichtigste ist. «Die Schweiz ist mittlerweile eine erfahrene Turniermannschaft und hat schon einiges erreicht. Da darf man gegen die Polen getrost mit breiter Brust auflaufen und muss mutig sein.»

Der Knackpunkt der Polen sei Torjäger Robert Lewandowski. «Das Spiel der Polen ist klar auf ihn ausgerichtet. Die Schweizer müssen ihn im Kollektiv bearbeiten und jede seiner Bewegungen genau beobachten», sagt der Zürcher. Lewandowski sei aber auch eine Chance. «Weil das Spiel der Polen eben auf Lewandowski ausgerichtet ist, sind die Polen in der Vorwärtsbewegung, wenn sie ihn lancieren. Nimmst du ihm dann den Ball ab, ist die Konterchance extrem. Dann kann die Schweiz zuschlagen.»

Marco Schällibaum, 31-facher ehemaliger Nationalspieler, hat eine kleine Sorge. «Dass Lewandowski bisher kein Tor erzielt hat und deswegen in Polen kritisiert wird, macht mir ein bisschen Angst. Das riecht fast ein bisschen nach einer Explosion Lewandowskis, der unglaublich ehrgeizig ist.» Der Trainer des FC Aarau hofft wie Hermann, dass die Schweizer mutig spielen. Er glaubt aber auch, dass die Temperaturen am Samstagnachmittag um 15 Uhr sehr hoch sein könnten. «Dann wird die physische Verfassung letztendlich den Ausschlag geben.»

langenthalertagblatt.ch/Newsnetz

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