Zum Hauptinhalt springen

Parlament tagt in der Bernexpo«Ein bisschen DDR-Stimmung», findet Christian Levrat

Die neue Umgebung in der Bernexpo ist für die meisten eidgenössischen Parlamentarierinnen und Parlamentarier gewöhnungsbedürftig.

Das Parlament tagt wegen der Corona-Krise zu einer Sondersession in der Bernexpo.
Das Parlament tagt wegen der Corona-Krise zu einer Sondersession in der Bernexpo.
Foto: Urs Lindt/freshfocus
Vor dem Gebäude sorgt die Kantonspolizei für Sicherheit.
Vor dem Gebäude sorgt die Kantonspolizei für Sicherheit.
Foto: Keystone/Alessandro della Valle
Regula Rytz und Gerhard Andrey (beide Grüne) in Diskussion und auf Abstand.
Regula Rytz und Gerhard Andrey (beide Grüne) in Diskussion und auf Abstand.
Foto: Keystone/Alessandro della Valle
1 / 18

Es ist leiser und weitläufiger als im Bundeshaus. «Ein bisschen DDR-Stimmung», so der Eindruck der Bernexpo-Halle von SP-Ständerat Christian Levrat. Er sei zwar sehr froh, dass sich der National- und der Ständerat wieder treffen könnten, sagte Levrat nach einem Sandwich in der Cafeteria. Aber es sei alles sehr formell.

«Die Politik lebt von Zwischengesprächen und schnellen Abmachungen», betonte der Freiburger Ständerat. Die soziale Distanz in den riesigen Räumlichkeiten kille diesen Mechanismus.

Sie nehme eine gewisse Ehrfurcht vor den Dimensionen wahr, beschrieb die Grüne Basler Nationalrätin Sibel Arslan ihre ersten Eindrücke Und es sei spannend, weil noch niemand genau wisse, wie es laufen werde. Die Hemmschwelle für etwas heftigere Auseinandersetzungen könnte deshalb zumindest am Anfang der Session höher sein.

«Weniger es Glöif»

«Fasch gäbiger» sei es in der Bernexpo, sagt der Berner SVP-Nationalrat Heinz Siegenthaler. Auch er schätzt die grosszügigen Platzverhältnisse. Alles scheine ihm disziplinierter und es gebe weniger «es Glöif». Das Raumklima habe aber noch Luft nach oben, es sei etwas zu warm.

Der Grüne Berner Nationalrat Kilian Baumann hat den Saal kurz verlassen mit dem Smartphone am Ohr, weil ihn die Kita sucht, die sein jüngster Spross seit Montag wieder besuchen darf. Die neuen Umstände seien «sehr gewöhnungsbedürftig», stellt er nach gut einer Stunde im Saal fest. Auch er spricht zuerst von den grösseren Distanzen und den grosszügigeren Platzverhältnissen auf dem Pult.

Es seien insgesamt merkwürdige Umstände, in denen er sich befinde und organisieren müsse. Kommende Woche beginne wieder die Schule. Er und seine Frau haben drei Kinder zu betreuen respektive die Betreuung für die Kinder zu organisieren. «Die Organisation von Mandat, Beruf und Familie ist schwieriger geworden, alles ist zusammengebrochen in den letzten Wochen.»

Im Bundeshaus manchmal Kopfweh

«Im Bundeshaus ist es oft so laut, dass man am Abend Kopfw«Weniger es Glöif»eh hat», erinnert sich der Basler SP-Nationalrat Beat Jans vor der Tür zur «Riesenhalle». Hier sei es viel ruhiger, die Akustik jedoch sei gewöhnungsbedürftig.

Und er spricht ein Paradox an. Man habe zwar sehr viel mehr Platz auf den Pulten, den brauche man jedoch gar nicht, weil praktisch alles online laufe. Der Kontrast zum Bundeshaus mit all den Papierbergen auf den einzelnen viel kleineren Pulten ist offensichtlich. Auch deshalb sei dort die Betriebsamkeit viel grösser, weil ständig Dokumente verteilt würden, so Jans.

Weiter äusserte Jans Befürchtungen, dass die grossen Distanzen dazu führen könnten, dass die Überwindung grösser werde, mit dem politischen Gegner das Gespräch zu suchen.

SDA

7 Kommentare
    Peter keller

    Er ist endlich zuhause.