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Die Konstante in einer kurzlebigen Zeit

Aus der Box wurde eine Flunder. Ansonsten hat sich beim Thinkpad, beim erfolgreichsten Laptop, äusserlich in den letzten 25 Jahren wenig geändert. Und das ist gut so.

Computer in einer Box: Vor 25 Jahren brachte IBM mit dem Modell 700C den ersten Thinkpad-Laptop in den Handel.
Computer in einer Box: Vor 25 Jahren brachte IBM mit dem Modell 700C den ersten Thinkpad-Laptop in den Handel.
zvg

Am Anfang waren fast alle Computer beige. Bis zum Jahr 1992. Damals heckte der deutsche Industriedesigner Richard Sapper – ja, der Gestalter des legendären Flötenwasserkessels 9091 von Alessis – eine bahnbrechende Idee aus: Er skizzierte einen Laptop mit einem schwarzen Gehäuse.

Dieses sollte an eine japanische Bento-Box zum Mahlzeitentransport erinnern. Mitten in der Tastatur platzierte er einen roten Farbtupfer: einen Stift als Maus­ersatz. IBM, der damals ins Hintertreffen geratene Geschäftsmaschinengigant, bestückte die Box mit allem technisch Möglichen. Für Aufsehen sorgte vorab der Farbbildschirm. Das Thinkpad 700C war geboren, und mit diesem eine der erfolgreichsten Computermarken. Im verflossenen Vierteljahrhundert wurden 130 Millionen Geräte der Serie verkauft.

Das Thinkpad hatte ich damals noch nicht auf dem Schirm. Und das nötige Geld für die Top­maschine hätte mir während der Ausbildung sowieso gefehlt. Stattdessen besorgte ich mir wenige Jahre darauf als Occasion und doch zu einem Preis hart an der Schmerzgrenze Oli, wie ich den Laptop des italienischen Herstellers Olivetti liebevoll nannte. Dann aber, Anfang der 2000er-Jahre, lief Oli am An­schlag. Ich erstand mein erstes Thinkpad, ein T23. Seither bin ich ganz auf der Denkblock-Linie geblieben. Denn diese Geräte gehören zu den besten Laptops überhaupt.

Thinkpads sind durchdacht. In den Geräten dieser Serie stecken seit je bewährte, gut aufeinan­der abgestimmte Komponenten. Klar kriegte man bei der Kon­kurrenz Maschinen mit mehr Leistung. Dafür verbrannte man sich daran die Oberschenkel. Oder man wähnte sich wegen der Lüftergeräusche in einem Coiffeursalon. Thinkpads sind zudem robust. Der Hersteller wirbt damit, dass die Geräte Tests nach militärischen Standards bestehen müssten. Sie sollen in den Tropen ebenso zuverlässig funktionieren wie am Pol. Entsprechend beliebt sind sie bei Wissenschaftlern. Und selbst auf den allermeisten Raumflügen waren Thinkpads mit an Bord.

Doch selbst ein Thinkpad erträgt nicht alles. So brach bei meinem T23 nach sechs Jahren intensivem Gebrauch an einer schmalen Stelle das Chassis. Und beim X1 Carbon, beim aktuellen Gerät, versagte noch während der Garantiezeit die Tastatur. Der Techniker, der daraufhin vorbeikam, schraubte das Thinkpad auf, klappte eine Komponente nach der anderen zur Seite und ersetzte schliesslich die Tastatur. Solche Reparaturen sind längst nicht bei allen Geräten der Konkurrenten möglich.

Ein Vierteljahrhundert lang gibt es also das Thinkpad. Oder in der Informatikzeitrechnung: seit einer halben Ewigkeit. Zwar hat IBM das Notebookgeschäft 2004 dem chinesischen Hersteller Lenovo verkauft. Doch zum Glück hat dieser die Produkte nicht grundlegend verändert. Das Design jedenfalls ist unverkennbar jenes, das Richard Sapper Anfang der 1990er-Jahre entworfen hat.

Klar – die frühere Muschelbauweise musste weichen; heute sind Flundern gefragt. Und der jüngste Spross macht yogaähnliche Verrenkungen mit. Der rote Trackpoint aber ist geblieben; ich möchte ihn nicht missen, bleiben die Hände dank ihm doch stets auf der Tastatur. Und das Gehäuse ist wie eh und je schwarz. Neben all den gebürsteten Metallchassis wirkt es wohltuend altmodisch.

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