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Schweizer beissen in den sauren Apfel

Die Preisunterschiede bei Apples neuen Computern sind gewaltig: Selbst wenn man die Verkaufssteuer hinzurechnet, kauft man in den USA viel günstiger ein. Einen schwachen Trost gibt es jedoch.

Hat gut lachen: Apple-Chef Steve Jobs. Der Computerkonzern konnte sowohl Umsatz als auch Gewinn auf Rekordniveau heben.
Hat gut lachen: Apple-Chef Steve Jobs. Der Computerkonzern konnte sowohl Umsatz als auch Gewinn auf Rekordniveau heben.
Reuters

Gestern stellte Apple zwei neue Notebook-Modelle vor. Die neuen MacBook Airs sind etwas leichter und dünner als zuvor. Leicht und dünn: Zwei Attribute, die so gar nicht zu den feudalen Schweizer Preisen der Gadgets passen. Die Geräte kosten je nach Ausstattung bis zu 1900 Franken.

Was besonders auffällt, sind die Unterschiede zu den Preisen in Deutschland und den USA:

  • Das neue MacBook Air kostet in unserem Land in der einfachsten Ausführung 1200 Franken, inklusive Mehrwertsteuer. In Deutschland müssen Konsumenten dafür umgerechnet 1342 Franken zahlen – in Übersee indes nur 965 Franken.
  • Das teuerste neue Modell kostet in den USA (netto) 1544 Franken, in Deutschland satte 600 Franken mehr. Auch in der Schweiz ist das Gerät teurer als im Apple-Heimatland, nämlich 1900 Franken (plus 355 Franken).

Apple rechtfertigt sich

Wie rechtfertigt Apple diese Preisdifferenzen? Das Unternehmen schreibt in einer Stellungnahme, dass es internationale Produktpreise «auf der Basis verschiedener Faktoren, einschliesslich Währungswechselkurse, regionale Importregelungen, handelsübliche Praktiken, Steuern und Geschäftskosten» empfehle. «Diese Faktoren unterscheiden sich von Region zu Region und über die Zeit.» Hinzu kämen schliesslich die amerikanischen Sale Taxes (Verkaufssteuern). Darum könnten Preise im Ausland nicht immer mit den Preisen in den USA verglichen werden.

Tatsächlich sind die in den US-Geschäften angegebenen Preise immer Nettopreise, die von Bundesstaat zu Bundesstaat unterschiedliche Verkaufssteuer wird nicht ausgeschildert. Sie beträgt zum Beispiel im von Schweizern besonders geschätzten Einkaufsziel New York 8,875 Prozent.

Stiftung für Konsumentenschutz kritisiert das Unternehmen

Doch auch wenn man diesen Zuschlag hinzurechnet, ist das neue Mac Book Air mit der umfassendsten Ausstattung in der Schweiz immer noch fast 220 Franken teurer als in den USA. Selbst bei der günstigsten Variante (1,4 GHz 11-Zoll MacBook Air mit 2 GB Arbeitsspeicher und 64 GB Flash-Speicher) beträgt die Differenz 110 Franken.

Die Schweizerische Stiftung für Konsumentenschutz (SKS) hat für diese Praxis kein Verständnis: «Das Zauberwort für international tätige Unternehmen wie Apple heisst Preisdifferenzierung: Das exakt gleiche Produkt wird in jedem Land zu dem Preis angeboten, den der Kunde zu zahlen bereit ist. Da die Schweizer im Vergleich zum Ausland relativ viel verdienen, ist unsere Zahlungsbereitschaft höher als in anderen Länder», sagt Andre Bähler, Leiter Politik und Wirtschaft beim SKS. «Das machen sich die Unternehmungen zu Nutze und verkaufen ihre Produkte zu überhöhten Preisen. Kein Wunder ist die Schweiz eine Hochpreisinsel. Die Preise von Importgütern liegen in unserem Land rund 30 Prozent über dem Niveau des europäischen Auslandes.»

Das grösste Rätsel: Deutschland teurer als die Schweiz

Für Bähler ein Rätsel ist der Fakt, dass Deutsche für das neue MacBook Air noch tiefer ins Portemonnaie greifen müssen als die Schweizer: «Dafür habe ich wirklich keine Erklärung. Normalerweise sind Elektronik-Produkte in Deutschland günstiger als in der Schweiz.»

Und warum profitieren europäische Apple-Kunden nicht vom tiefen Dollarkurs? «Viele Unternehmen», sagt Bähler, «erhöhen ihre Preise, sobald der Wechselkurs steigt. Sinkt der Wechselkurs jedoch, werden die Kursgewinne einbehalten.» Gegen diese weit verbreitete Praxis müsse die Stiftung für Konsumentenschutz immer wieder intervenieren.

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