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Die Vorfahren des iPads

Weil Geld für Tasten fehlte, haben die Designer von «Raumschiff Enterprise» den Touchscreen erfunden – heute sind sie vom iPad begeistert.

Designer lassen sich oft von Science-Fiction-Romanen und -Filmen inspirieren. Name, Design und Funktionsweise des iPad erinnert stark an die Padds aus Star Trek.
Designer lassen sich oft von Science-Fiction-Romanen und -Filmen inspirieren. Name, Design und Funktionsweise des iPad erinnert stark an die Padds aus Star Trek.
Reuters
«Star Trek» (deutscher Titel: «Raumschiff Enterprise») ist eines der populärsten Werke in der Geschichte der Science-Fiction-Unterhaltung.
«Star Trek» (deutscher Titel: «Raumschiff Enterprise») ist eines der populärsten Werke in der Geschichte der Science-Fiction-Unterhaltung.
Keystone
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Wer Science-Fiction-Serien und -Filme als kindischen Unfug abtut, sollte einen genaueren Blick auf seine Umgebung werfen. Viele Hardware-Designer und Software-Entwickler lassen sich von Sciencefiction inspirieren. Gadgets, die vor 40 Jahren futuristische Requisiten in «Star Trek» waren, sind heute Realität.

So wurden etwa Klapptelefone vom Communicator der «Star Trek»-Crew inspiriert. Allen voran sind es heute jedoch Tablets wie das iPad, die uns an die damals noch futuristischen Gadgets erinnern. Für das Design von «Star Trek: Next Generation» zeichnen unter anderem Michael Okuda und Doug Drexler verantwortlich. «Ars Technica» haben sie erzählt, wie sie auf das Trekkie-Design kamen und was sie vom iPad halten.

Kein Geld für Buttons

Das Design der originalen Serie (deutscher Titel: «Raumschiff Enterprise») war massgeblich vom Budget der Produzenten abhängig, das denkbar gering war. Die charakteristische Ausstattung der Enterprise ist Art Director Matt Jeffries zu verdanken. Auch in der Nachfolgeserie «Star Trek: The Next Generation» war das Budget noch knapp bemessen.

Eine Aufgabe für die Designer war beispielsweise ein Kontrollpult zu entwerfen, das futuristisch und glaubwürdig sein musste und dabei so kostengünstig wie möglich herzustellen war. Wenn man kein Geld für Buttons, Tasten und andere Eingabegeräte hat, ist die Bedienung über eine Touch-Oberfläche direkt am Display eine clevere Lösung.

Zudem hatte «Star Trek»-Erfinder Gene Roddenberry ersonnen, dass die neue Enterprise technisch weiter fortgeschritten sein sollte. Das bedeutete jedoch nicht einen komplizierteren Mechanismus, sondern mehr Möglichkeiten, die einfacher auszuführen waren.

Software als Lösung

Nicht nur die Kontrollpulte wurden mit Touchscreens ausgestattet, auch das PADD (Personal Access Display Device) fungierte ab «The Next Generation» als portabler Computer zum Eingeben und Ablesen von Informationen. Mit der App Captain's Log unterscheidet sich Apples Tablet (einmal abgesehen vom Apfel-Logo) optisch kaum von den PADDs aus der TV-Serie.

Diese typischen Grafiken wie man sie von den «Star Trek»-Interfaces kennt, sind auch als Okudagram bekannt, als Hommage an den Designer. Anstatt die Hardware so zu designen, dass es einen Schalter oder eine Taste für jede Funktion gibt, war es nun die Software, die solche Aufgaben zu erfüllen hatte. Das Interface konnte mit der (theoretischen) Software so konfiguriert werden, dass es für jede erforderliche Aufgabe angepasst werden konnte: für Set-Designer und Autoren eine elegante Lösung.

Ein funktionierendes PADD

Diese Idee steht auch heute hinter Computern und Smartphones: Die Software definiert, wie und wofür das Gerät genutzt werden kann. Neue Funktionen können mit zusätzlichen Programmen hinzugefügt werden. Für Doug Drexler ist die Oberfläche des iPads die am weitesten entwickelte. Geräte, bei denen kein Mechanismus zu erkennen ist, würde man schnell als futuristisch oder eben «magisch» bezeichnen.

In den «Star Trek»-Serien habe man sich diese Überlegung auch oft für Alien-Technologie zunutze gemacht, deren Funktionsweise nicht offensichtlich ist. Für Okuda und Drexler sei es heute fast unheimlich mit dem iPad ein tatsächlich funktionierendes PADD in Händen zu halten.

Was die Zukunft bringt

Als nächsten Schritt sehen die «Start Trek»-Designer die Weiterentwicklung der Spracheingabe. Ein klassischer Trekkie-Scherz stammt aus dem Kinofilm «Star Trek: The Voyage Home» aus dem Jahr 1986, in dem ein Teil der Crew in die Vergangenheit – also die Gegenwart des damaligen Filmpublikums – geschickt wird und Scotty versucht den Computer zu bedienen, indem er in die Maus spricht. Eine derart weitentwickelte sprachbasierte Interaktion mit dem Computer ist bis heute noch Zukunftsmusik.

Google macht hier grössere Fortschritte mit seiner Voice Suchfunktion auf Android-Handys. Für die Touch-Technologie sehen Okuda und Drexler die Zukunft in Gesten, ohne dabei das Display tatsächlich angreifen zu müssen. Im Film «Minority Report» kommt ein solches System beispielsweise zum Einsatz. Auch das Okular des Terminators, das der Kampfmaschine Informationen anzeigt, wo sie hinblickt, ist für Drexler denkbar. So utopisch sich das heute auch noch anhören mag, die «Star Trek»-Designer lagen immerhin schon öfter richtig.

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