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Zverevs Kampfgeist als Zeichen der Reife

Alexander Zverev zieht in extremis in den Achtelfinal des French Open ein. Boris Becker ist begeistert.

rst/nry
Kämpft sich durch die ersten Runden des French Open: Alexander «Sascha» Zverev.
Kämpft sich durch die ersten Runden des French Open: Alexander «Sascha» Zverev.
Keystone

Es war erneut eine Nervenschlacht. Ein klassisches Tennis-Drama, wie es nur an Grand-Slam-Turnieren vorkommt. Alexander Zverev, die Weltnummer 3, startete eigentlich stark in seine Drittrundenpartie der French Open, dominierte seinen Gegner Damir Dzumhur eineinhalb Sätze lang. Dann kam die Kehrtwende: Der Bosnier drehte auf, ging mit 2:1 nach Sätzen und einem Break in Führung. Nicht mal ein Zusammenprall mit einem Balljungen brachte die Weltnummer 29 aus dem Konzept.

Der Vorfall mit dem Balljungen. Quelle: Twitter

Erster Grand-Slam-Sieg gegen einen Top-50-Spieler

Doch «Sascha» Zverev – bei den Majors bisher noch nie über die Achtelfinals hinausgekommen – kämpfte sich in die Partie zurück. Der 21-Jährige realisierte das Rebreak, wehrte bei eigenem Aufschlag einen Matchball ab und gewann den vierten Durchgang schliesslich im Tiebreak.

Und als der Deutsche auch den entscheidenden fünften Satz für sich entschied und nach 3:54 Stunden zum Handshake ans Netz lief, musste er zuerst einmal tief durchatmen. Nach viel Kampf und Krampf steht er nun in der Runde der letzten 16. «Ich konnte nur kämpfen. Etwas anderes ging nicht. Ich bin jetzt einfach nur müde», sagte Zverev nach dem 6:2, 3:6, 4:6, 7:6, 7:5. «Was zählt, ist nur der Sieg.» Es war sein 150. als Profi, sein erster auf dem Chatrier-Court und sein erster gegen einen Top-50-Spieler an einem Grand-Slam-Turnier.

Becker erstaunt über den Kampfgeist

Obwohl Zverev nun bereits in Runde 2 – Fünf-Satz-Sieg gegen Dusan Lajovic – und Runde 3 im Schnitt mehr als dreieinhalb Stunden auf dem Platz stand und über die volle Distanz gehen musste, ist Boris Becker begeistert vom jungen Deutschen. Bereits am Mittwoch nach dem Zweitrundenspiel lobte der Eurosport-Experte die Physis von Zverev: «Ich glaube, dass er zum ersten Mal in einem Grand-Slam-Match gemerkt hat, dass er physisch stärker als der andere ist. Er hatte keine Angst vor den langen Ballwechseln oder in den fünften Satz zu gehen.»

Nach der Partie gegen Dzumhur legte die ehemalige Weltnummer 1 nach: «Das hatte nachher mit Tennis nichts mehr zu tun, das war nur noch pure Lust aufs Kämpfen. Sascha hat in der entscheidenden Phase Kämpferherz bewiesen.» Für Becker ist Zverevs Mühen in Paris ein Zeichen dafür, dass der Hamburger körperlich gereift ist und somit den nächsten Entwicklungsschritt in seiner Karriere gemacht hat.

Der Running Gag mit dem Reporter aus Yorkshire

Am Sonntag hat Zverev nun die Chance, erstmals in einen Grand-Slam-Viertelfinal einzuziehen. Dafür muss er entweder Lucas Pouille oder Karen Chatchanow aus dem Weg räumen. «Trotz den zwei Fünfsätzern fühle ich mich noch frisch, das ist eine wichtige Erkenntnis», sagte der Sieger von München und Madrid. Falls der Deutsche diese Partie und später vielleicht sogar das French Open gewinnen sollte, wäre klar, wer ihm die erste Frage stellen dürfte: ein Radioreporter aus Yorkshire, der am French Open unerhofft an Popularität erlangt hat.

«Ich liebe ihren Dialekt, aber verstehe kein Wort», hatte ihm Zverev nach Runde 2 erklärt. In seiner Medienkonferenz nach Runde 3 forderte er ihn auf, die erste Frage zu stellen. Worauf der Mann aus Nordengland sogar einige Brocken Deutsch hervorkramte.

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