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Wieder ein verlorenes Davis-Cup-Jahr

Ohne Federer und Wawrinka ist die Schweiz im Kampf um die Salatschüssel chancenlos.

Marco Chiudinelli hat sich nach seiner langen Verletzungspause nach einer Ellbogenoperation seit August von Rang 428 auf 146 zurückgearbeitet. Er ist damit so gut klassiert wie zuletzt vor drei Jahren. Nun kommt der 34-jährige Basler in seiner 20. Davis-Cup-Begegnung sogar zu einer Premiere: Erstmals ist er die Nummer 1 des Teams von Severin Lüthi – von heute bis Sonntag in Pesaro (zwischen Rimini und Ancona) im Achtelfinal gegen Italien.

Auch der 23-jährige Henri Laaksonen, in Italien die Nummer 2, befindet sich in einer guten Karrierephase. Er ist als Nummer 174 besser klassiert denn je und hat in Davis-Cup-Einzeln inzwischen eine starke 5:1-Bilanz. Er und Chiudinelli ersetzen an der Adria Roger Federer und Stan Wawrinka, deren Absenz schon vor der Knieverletzung des Baselbieters feststand. Die zweite Garde dürfte trotz persönlicher Hochs vor einer unmöglichen Mission stehen. Zwar fehlt mit Fabio Fognini auch den Italienern ihr Bestklassierter, trotzdem verfügt Captain Corrado Barazzutti noch über vier Top-100-Spieler. Die Italiener, die den Davis-Cup wie die Schweiz bisher einmal gewinnen konnten (1976), sind zu Hause seit 2009 ungeschlagen – damals unterlagen sie in Genua den von ­Federer angeführten Schweizern 2:3.

Krasser Aussenseiter in Italien

2015 mussten die Schweizer Tennisfans zusehen, wie ihr Team als Titelver­teidiger ohne die zwei Leader in der 1. Runde an Belgien scheiterte, das danach dank günstiger Auslosung in den Final spazierte. Auch dieses Jahr dürfte für den Champion von 2014, der mit einem Sieg über Holland dann wenigstens den Abstieg verhinderte, zu einem verlorenen werden. Ein Sieg in der Adreatic Arena wäre eine Sensation. Zwar hatte es sich schon lange abgezeichnet, dass Federer und ­Wawrinka in diesem olympischen Jahr den Wettbewerb – zumindest bis zum Herbst – auslassen dürften. Auffallend ist aber, dass sie die einzigen Top-10-Spieler sind, die in dieser Woche auf ein Davis-Cup-Aufgebot verzichteten. (Spanien ist in der 2. Division spielfrei, weshalb auch Rafael Nadal und David Ferrer nicht im Einsatz stehen).

Andy Murray, der Grossbritannien 2015 zum Triumph führte, ist gegen Japan ebenso im Einsatz wie Novak Djokovic in Belgrad gegen Kasachstan. Und wie Frankreich konnten selbst die USA ihr bestes Team nominieren, obwohl sie schon wieder nach Melbourne reisen mussten. Dort werden sie von einem australischen Team empfangen, in dem sich der kürzlich zurückgetretene neue Captain Lleyton Hewitt in Abwesenheit von Nick ­Kyrgios als Ersatzspieler aufstellte.

Kehrt 2017 der Appetit zurück?

Natürlich sei schade, dass die Schweiz auf ihre Top-5-Spieler verzichten müsse, sagt Swiss-Tennis-Präsident René Stammbach. Doch nach dem Titelgewinn in Lille habe er ihnen gesagt, sie hätten ihre Pflicht erfüllt, er werde sie künftig nicht mehr zu Davis-Cup-Starts drängen, gibt er zu. «Das ist wie nach einem guten Essen: Da muss man ein, zwei Tage warten, bis man wieder Hunger hat», so Stammbach. Er glaubt auch, Anzeichen zu erkennen, dass bei den beiden Grand-Slam-Champions der Appetit auf die Salatschüssel im Jahr 2017 zurückkehren könnte.

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