«Sein Berater ist seine Frau, und das war tödlich»

Der FCZ taucht in die Challenge League. Experten nennen die Schuldigen und sagen, was jetzt passieren muss.

FCZ-Präsident Ancillo Canepa und seiner Frau Eliane weht ein eisiger Wind entgegen.

FCZ-Präsident Ancillo Canepa und seiner Frau Eliane weht ein eisiger Wind entgegen. Bild: Keystone

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Raimondo Ponte, der ehemalige Manager und Trainer des FC Zürich, fragt sich, ob Präsident Ancillo Canepa überhaupt noch weitermacht. «Falls ja, dann würde ich ihm dringend empfehlen, eine geballte Kraft an Fachkompetenz an seine Seite zu holen», sagt der Sportchef des FC Aarau.

Geradezu beispielhaft sei das Modell Bayern München, sagt der ehemalige Nationalspieler. «Dort war während Jahren Uli Hoeness als Manager und späterer Präsident die treibende Kraft. Ein ehemaliger Profi, der mit Deutschland Welt- und Europameister wurde und viel versteht von der Materie.» Auch Karl-Heinz Rummenigge, ebenfalls ein ehemaliger deutscher Nationalspieler, spiele als Vorstandsvorsitzender eine tragende Rolle beim deutschen Rekordmeister.

Das Vorzeigemodell Bayern München

«Mit Paul Breitner und Franz Beckenbauer sind zwei weitere Weltmeister schon seit Jahren in den Club eingebunden. Und Hoeness wird nach seiner Haftentlassung wohl wieder Präsident», glaubt Ponte. Auch Ehrenpräsident Beckenbauer habe bei den Bayern schon die Funktion als Präsident und Trainer ausgeübt. «Das sind alles absolute Identifikationsfiguren.»

Von einer absoluten Katastrophe spricht Ruedi Elsener, der den FCZ 1981 mit seinem Tor zum 1:1 gegen die Grasshoppers im Hardturm zur Meisterschaft geschossen hatte. «Ancillo Canepa hat schon bewiesen, dass er eigentlich ein guter Präsident ist», sagt Elsener. Doch in den letzten zwei Jahren habe er völlig versagt.

«Canepa wurde zum Diktator»

«Er wollte Präsident und Sportchef sein und dem Trainer möglichst viel dreinreden», sagt Elsener. Canepa sei ein Diktator geworden und habe die totale Macht über den Club gehabt. «Doch er hat einen gravierenden Fehlentscheid nach dem anderen gefällt. Den grössten Fehler hat er in dieser Saison gemacht, als er Urs Meier schon nach drei Runden entliess und Sami Hyppiä als Trainer installierte und diesen auch noch als Mann von Welt vorstellte.»

Canepa habe keinen um sich geduldet, der ihn stoppen wollte. «Sein Berater ist seine Frau, und das war tödlich», sagt Elsener und begründet: «Es glaubt doch keiner ernsthaft daran, dass Heliane Canepa ihrem Mann jeden Morgen den Spiegel vorhält und ihn kritisiert. Sie haben die gemeinsamen Entscheidungen gegenseitig abgewunken und dann wohl auch noch abgeklatscht. Das war fatal.»

Mit Uli Forte weitermachen?

Auch Elsener rät Canepa, Fachkompetenz an seine Seite zu holen. «Es muss ein Sportchef her wie damals Fredy Bickel, mit dem der Club noch in der Champions League spielte.» Der FCZ müsse jetzt sofort mit der Saisonplanung beginnen. «Ich denke, es wäre eine gute Lösung, wenn man mit Trainer Uli Forte weitermachen würde», sagt Elsener.

Die Zürcher Fussball-Tragödie: Der Abstiegsabend des FCZ im Video.

Forte habe nach der 0:3-Niederlage in St. Gallen die Mannschaft doch noch auf die Beine gebracht. Beim 2:2 in Sion und dem Sieg gegen Vaduz war seine Handschrift schon klar zu erkennen. Und im Übrigen habe Forte Erfahrung, wie man eine Mannschaft zum sofortigen Wiederaufstieg bringen kann. «Mit St. Gallen hat er das eindrücklich bewiesen.»

Die Zweifel an Uli Forte

Georges Bregy, der ehemalige Trainer des FC Zürich, bezweifelt, ob Uli Forte auch tatsächlich noch der richtige Trainer ist. «Falls er nach dem Abstieg auch noch den Cupfinal gegen Lugano verliert, wäre es keine gute Idee, mit ihm weiterzumachen», sagt Bregy. Im Übrigen sei es zuerst einmal von grosser Bedeutung, dass Präsident Ancillo Canepa sofort einen Sportchef installiere, um so schnell wie möglich die neue Saison zu planen. «Denn nicht Canepa, sondern der neue Sportchef müsste auch den neuen Trainer bestimmen.»

Bregy erklärt wie Elsener, dass Canepa im Prinzip ein guter Präsident sein könnte. «Er bringt Herzblut für seinen Club auf. Doch er ist ein heissblütiger Fan. Und ein heissblütiger Fan verliert den Fokus auf das Wesentliche, ist nur noch von Emotionen gesteuert», sagt Bregy. «Das führte bei Canepa zu diesem fatalen Realitätsverlust.»

Der FCZ müsse in der Challenge League von der ersten Sekunde an parat sein. «Es ist eine brutale Liga. Neben dem FCZ werden auch Aarau, Xamax, Servette und Wil ihre Aufstiegsambitionen anmelden.» (Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 26.05.2016, 14:39 Uhr

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