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Student kontert die SVP und kauft sich die «20 Minuten»-Titelseite

Ziel erreicht: Der Badener Student Donat Kaufmann hat die 138'815 Franken beisammen, um die grosse SVP-Werbung im Pendlerblatt «20 Minuten» zu kontern.

Der 26-jährige Student und Musiker Donat Kaufmann aus Baden kurz vor dem Ziel.
Der 26-jährige Student und Musiker Donat Kaufmann aus Baden kurz vor dem Ziel.
Screenshot Youtube

Zwei Sätze sagte der 26-jährige Donat Kaufmann aus Baden heute Mittag: «Jetzt glaube ich dran.» Und: «Aber ich bin restlos überfordert und habe seit drei Wochen nicht mehr richtig geschlafen.» Kaufmann ist mit seiner Krautrockband One Sentence. Supervisor in Deutschland auf Tournee. Keine Spur von verpenntem Rockmusiker. Donat Kaufmann ist fast Tag und Nacht am Telefon und auf Facebook, wenn er nicht grad als Sänger und Gitarrist auftritt. 134'000 Franken hat er bis heute Nachmittag über die Crowdfunding-Plattform Wemakeit.com gesammelt.

Noch drei Tage Zeit hätte Kaufmann Zeit, um 138'815 Franken zusammenzubringen. Am Donnerstag um punkt 16.11 Uhr schaffte er es. Die verrückte Sammelaktion hatte in den letzten Tagen eine Eigendynamik entwickelt - quasi einen Shitstorm im Positiven. Die 138'000 Franken, abzüglich der Gebühren, braucht Kaufmann, um die ersten beiden Seiten von «20 Minuten» zu kaufen, das wie Redaktion Tamedia auch zum Tamedia-Konzern gehört. Die Frontseite vom 14. Oktober hat Kaufmann bereits reserviert. Wäre das Geld nicht zusammengekommen, hätte er alle Spenden wieder zurückbezahlt

Klamauk statt politischer Inhalte

«Mir langeds», sagte sich Donat Kaufmann, als ihm am 15. September das Pendlerblatt «20 Minuten» in die Hand fiel. Die SVP hatte sich die ganze Titelseite gekauft, um hauptsächlich für ihren Song und das Video «Welcome to SVP» zu werben. Politische Argumente finden sich erst auf der Rückseite. Und da ist zumindest die Grafik mit der Entwicklung des Ausländeranteils umstritten: Der Anteil der Schweizer ist so abgeschnitten, dass der ausländische Bevölkerungsanteil bald in der Mehrheit erscheint.

«Aus dem Bauch heraus» hatte Donat Kaufmann, der in Zürich Germanistik, Philosophie und Anglistik studiert und auf einem Biobauernhof in Full-Reuenthal arbeitet, eine verrückte Idee: Er wollte eine Gegenkampagne zur SVP starten. Titel der Kampagne: «Aufmerksamkeit kann man kaufen – unsere Stimmen nicht». Kaufmann gehts, wie er betont, nicht um die Politik der SVP. «Ich will vielmehr ein Zeichen dagegen setzen, dass der aktuelle Wahlkampf nicht mit Inhalten bestritten wird, sondern mit Budgets.»

Forderung nach Transparenz von Wahlspenden

Die SVP verwandle den Wahlkampf in einen grossen Zirkus und verhindere eine sachliche Politik. «Da werden politische Inhalte weggetanzt, weggesungen und weggelacht.» Kaufmann macht der SVP keinen Vorwurf, dass sie mehr Geld als andere hat. «Aber als Stimmbürger will ich wissen, woher das Geld kommt, erst dann kann ich meinen Job als Wähler richtig machen.» Doch einige Parteien hätten heute «nicht mal die Eier, um hinzustehen und öffentlich zu sagen, wer das Ganze finanziert».

Die verwegene Kampagne des vor drei Wochen noch völlig unbekannten Studenten ging bald wie eine Rakete los. Sein Youtube-Video, in dem er sachlich und anständig seine Argumente darlegt, wurde über 30'000-mal angeklickt. Und auf der Sammelplattform von «We make it» tickt der Zähler, wie wenn für Erdbebenopfer gesammelt würde. Über 11'322 Unterstützer haben bis jetzt mehr als 140'000 Franken gespendet.

8950 Namen auf der «20 Minuten»-Frontseite

Wer fünf Franken über Handyabo, Kredit- oder Postkarte bezahlt, wird am 14. Oktober auf der Frontseite von «20 Minuten» erwähnt, sofern er einwilligt. Kaufmann will seine Spender – im Gegensatz zur Politik – transparent machen. Angesichts des Runs auf diese Seite dürften die bald 9000 Namen allerdings bloss millimetergross abgedruckt werden.

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