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Sonnige Grüsse und alles Liebe

Vor 150 Jahren wurde die Postkarte offiziell eingeführt. Beliebt ist sie bis heute.

as war einmal. Eine der ersten Correspondenzkarten aus O?sterreich von 1870.
as war einmal. Eine der ersten Correspondenzkarten aus O?sterreich von 1870.
Wikipedia

Postkarten schreiben gehört zu den Ferien wie Ausschlafen und Glace essen. Man setzt sich unter den gestreiften Sonnenschirm eines Cafés und lässt seine Verwandten oder Freunde wissen, dass man an sie denkt.

Meistens klingt das dann ungefähr so: «Liebe Oma, lieber Opa, hier auf Sizilien ist es wunderschön, wir verbringen fast jeden Tag am Meer. Es ist sehr heiss und wir geniessen das gute Essen in vollen Zügen.» Später wird am örtlichen Kiosk mit umständlichen Gesten und der Hilfe von Google Translate eine Briefmarke erstanden und man hofft, dass der Feriengruss noch ankommt, bevor man selbst wieder im Lande ist.

Was heute zum Ferienalltag vieler gehört, nahm im deutschsprachigen Raum vor 150 Jahren Form an. Obwohl es zuvor bereits eine Handvoll Vorläufer der Postkarte gab, wurde eine sogenannte «Correspondenzkarte» offiziell erst 1869 von der österreichischen Post eingeführt.

Indiskrete Kommunikation

Diese Karten, die Vorgänger der heutigen Postkarten, wurden ohne Bebilderung verschickt und gewannen rasch an Beliebtheit. Die Sorge, dass diese indiskrete Form der Kommunikation keinen Anklang finden könnte, war unbegründet. Besonders wurde geschätzt, dass die Karten schnell zugestellt wurden: Pünktlich bei der Post abgegeben, konnte es sein, dass die betreffende Karte noch innerhalb desselben Tages beim Adressaten ausgehändigt wurde.

So entstand ein reger Austausch dieser Karten, die im Gegensatz zum herkömmlichen Brief günstiger waren und bereits in den ersten vier Wochen nach Einführung über eine Million Mal verkauft wurden.

Die bebilderte Version der Correspondenzkarte liess nicht lange auf sich warten. Nur 15 Tage nach der Einführung der Karten im damaligen Österreich-Ungarn bedruckte der Buchhändler und Drucker August Schwartz eine solche und verschickte sie an seine Verwandten. In den darauffolgenden drei Jahren wurde das neue Kommunikationsformat in weiteren Ländern wie Deutschland, Finnland, England, Amerika und der Schweiz eingeführt.

Der Deutsch-Französische Krieg 1870 bis 1871 verlieh der Correspondenzkarte, die wenig später den heutigen Namen der Postkarte erhielt, weiteren Aufschwung. Während der Zeit des Krieges wurden schätzungsweise zehn Millionen Karten von Soldaten an ihre Bekannten und Verwandten verschickt. Die Postkarte wurde mehr und mehr zum beliebten Kommunikationsmedium der breiten Masse.

Dank moderner und günstiger werdenden Drucktechniken setzten sich nach 1896 Postkarten mit Fotomotiven und Illustrationen durch. Bei diesen Ansichtskarten waren Motive von Sehenswürdigkeiten, Städten und Landschaften wie auch heute noch besonders beliebt.

Der Erfolg der Postkarte erreichte seinen Höhepunkt zwischen 1897 und 1918. Millionenfach wurde sie verschickt, kurze Mitteilungen, Grüsse und Wünsche wurden so von Person zu Person vermittelt. Auch verbreitete sich zu dieser Zeit die neu aufkommende Leidenschaft, Postkarten aus aller Welt zu sammeln. Extra dafür hergestellte Sammelsteckalben wurden von zahlreichen Herausgebern produziert. Obwohl die traditionelle Postkarte danach langsam wieder an Bedeutung verlor, erfreut sie sich heute in neuer Form immer noch einer grossen Beliebtheit.

Postkarte via Smartphone

So können Postkarten mit der 2014 lancierten PostCard-Creator App der Schweizerischen Post via Smartphone verschickt werden. Eine Postkarte pro 24 Stunden ist gratis – ein Angebot, das laut Medienstelle der Schweizerischen Post bereits im ersten Jahr nach Einführung der App 800 000-Mal genutzt wurde.

Inzwischen beläuft sich die Anzahl der mit der PostCard-Creator App versandten Postkarten auf ein Vielfaches davon. Dabei tippt der Absender via Smartphone einen Text ein, aus dem eigenen digitalen Fotoalbum wird ein Bild ausgewählt und ein Adressat hinzugefügt. Die so zusammengestellte Postkarte landet ein paar Tage später in ausgedruckter Form im Briefkasten des gewünschten Adressaten.

Im Jahr 2017 wurden mit der App mehr als neun Millionen Postkarten verschickt – ein deutliches Zeichen dafür, dass die Applikation der vor 150 Jahren erstmals verschickten Postkarte eine zweite Jugend verleiht. Da der Text dabei jedoch nicht von Hand geschrieben wird, fehlt ein wichtiges Persönlichkeitsmerkmal auf den so verschickten Karten.

Dies wird jedoch durch das mit dem Smartphone selber geschossene Bild wettgemacht, das dank der App anstatt einem vorgegebenen Motiv verschickt werden kann. Wer also das nächste Mal in den Ferien einen Gruss an seine Verwandten senden möchte, kann sich sogar den Gang zum Kiosk nach dem Verfassen sparen: Via App werden die Postkarten nämlich automatisch frankiert.

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