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So ist der neue «Star Wars»-Film

Bis Dienstag, 18 Uhr galt die rigorose, weltweite Sperrfrist. Hier ist nun die Filmkritik für «The Last Jedi».

«The Last Jedi» mit Daisy Ridley als Jedi-Novizin Rey ist ein gelungener Trilogie-Mittelteil.

«Der Weg ist ein anderer, als du ihn dir vorgestellt hast», raunte Luke Skywalker im 300 Millionen Mal angeklickten Trailer zum neuen «Star Wars»-Film – und er sollte recht behalten. «The Last Jedi», der zweite Teil der neusten Trilogie, schafft, was seinen Vorgängern nicht wirklich gelang: Er räumt mit alten Gewissheiten auf. Zwar hat sich die Saga immer wieder neu erfunden, mal das Infantile abgelegt, dann das Sakrale geopfert oder den eindimensionalen Figuren Leben eingehaucht. Aber im Kern wurde stets dieselbe Geschichte runtergerattert, jene vom Kampf von Gut gegen Böse. Natürlich krachen auch in «The Last Jedi» weisse Lichtschwerter zischend auf rote, doch das Storytelling des Films ist viel raffinierter. Statt die Reise von der Dunkelheit zum Licht zu absolvieren, irren die Helden zwischen diesen Polen umher.

Ist Luke der titelgebende letzte Jedi?

Bevor wir aber in die Tiefen des Weltalls abtauchen, zuerst eine Blitz-Zusammenfassung für alle, die nach sieben «Star Wars»-Filmen und verschiedenen Spin-offs den Überblick verloren haben. Kylo Ren heisst der neue Finsterling, er dient der Fascho-Riege «First Order» und deren Anführer Snoke. Er ist auch der Sohn von Prinzessin Leia, was bedeutet, dass der verstorbene Mega-Bösewicht Darth Vader sein Grossvater war. Böses Blut also, und tatsächlich brachte Kylo Ren im ersten Teil «The Force Awakens» seinen Vater Han Solo um. Allerdings bot ihm die Schrottsammlerin Rey Paroli, ein Wildfang mit einem angeborenen Draht zur Macht – wie weiland Luke Skywalker. Dieser tauchte ganz am Schluss von «The Force Awakens» überraschend als alter Mann auf, was Fan-Theorien in den Hyperdrive katapultierte. Ist Luke der titelgebende letzte Jedi? Wird er Rey trainieren? Ist sie seine Tochter?

Bilder: «The Last Jedi»

Der Auftakt des neuen Films ignoriert diesen Cliffhanger gelassen und startet mit einer minutenlangen Schlacht zwischen dem First Order und den Rebellen. Aussergewöhnlich daran ist nicht nur die Länge und Platzierung, sondern die Inszenierung. Wurden solche Gefechte früher mit heiligem Ernst ausgetragen, ist das Kampfgeschehen hier mit lustigen Szenen und gar einem Running Gag durchsetzt: Order-General Hux wird über Funk immer wieder als Hoax angesprochen, was im Englischen «Jux» bedeutet. Randbemerkung: Dass die Zerstörer des First Order wie Klingonenschiffe im All aufpoppen, dürfte für «Star Trek»-Fans als kleiner Insiderwitz ebenfalls amüsant sein – und ist ein weiterer Beweis, dass Regisseur Rian Johnson («Looper») das Erbe von seinen Vorgängern George Lucas und J. J. Abrams mit gesundem Selbstvertrauen angeht.

Dasselbe gilt für die Figur des Luke Skywalker. Als der legendäre Held der Saga endlich auftaucht, schmeisst er das Lichtschwert, das ihm Rey auf seinem einsamen Eiland anbietet, kurzerhand weg. «Ich komme nicht zurück», sagt der Sternen-Prospero trotzig. Aber natürlich ist das Hollywood-Code für: «Gib mir ein paar Tage, um mich in Selbstmitleid zu suhlen, und dann wirds schon.» Lukes Burn-out spiegelt allerdings eine grössere Krise. Was haben die Jedi erreicht? Sind sie nötig? Oder gar kontraproduktiv? Es ist Bilanz-Zeit in der weit, weit entfernten Galaxie.

«Ich komme nicht zurück.»

Luke Skywalker

Die Abrechnung mit den Jedi findet nicht nur über die alten Recken statt, sondern über die Jungspunde Rey und Kylo Ren. Bereits in «The Force Awakens» kreuzten die beiden ihre Lichtschwerter, weil sich die dunkle Seite der Macht gegen die helle erhoben hatte. Wieso? Keine Ahnung. Die dunkle Seite der Macht kann offenbar nicht anders – auch wenn «Star Wars»-Erfinder George Lucas den Grundsatz der Macht «Alles ist verbunden» vom Taoismus geklaut hat, der eigentlich das «Nicht-Erzwingen» predigt.

Intergalaktisches Monaco

Mit dem behaupteten kosmischen Yin und Yang macht «The Last Jedi» nun Schluss, indem Rey und Kylo Ren mittels vieler Parallelmontagen näher zusammengebracht werden, als diesen lieb ist. Zwar wurde schon Luke von der dunklen Seite in Versuchung geführt, aber «The Last Jedi» führt seine Protagonisten und das Publikum näher an die Bedeutung und den Abgrund der Macht als die bisherigen Filme und verzichtet dabei auf pseudowissenschaftliche Erklärungen wie der Anteil an Midi-Chlorianern in den Zellen, der darüber entscheidet, ob man zum erlauchten Kreis der Jedi gehört.

Alles neu also im All? Zwar müssen sich hartgesottene Fans der Reihe auf weniger Altbekanntes einstellen – oder besser gesagt: weniger herkömmliche Dramaturgie. Doch auch der neue Regisseur weiss natürlich, dass das Erfolgsgeheimnis von «Star Wars» weder Philosophie noch eine experimentelle Struktur ist, sondern knatternde Raumschiffe, lustige Roboter und kurlige Kreaturen. Davon bietet der Film einiges, zum Beispiel die Porgs, eine herzige Seevogelspezies, die ein Merchandising-Knaller werden dürften und mit denen sich im Film ein entnervter Chewbacca herumschlagen muss. Schlicht spektakulär ist die Verfolgungsjagd auf Riesenbüffeln durch ein intergalaktisches Monaco, wo die Hautevolee in Casinos ihr Blutgeld verprasst.

Einige Dialogzeilen sind so pathetisch wie Tweets von Donald Trump.

Damit ist es für kritische Gemüter natürlich ein Leichtes, auch diesen «Star Wars»-Film als Weltraum-Disneyland zu zerpflücken: Der Millennium-Falke sieht immer noch wie ein Lego-Konstrukt aus. Die Schlachtszenen krachen ohrenbetäubend, obwohl das All sämtliche Geräusche schlucken sollte, und einige Dialogzeilen («Wir sind der Funke, der das Feuer entfacht») sind so pathetisch wie Tweets von Donald Trump. Doch Fans interessiert solches Gestänker sowieso nicht, und auch der agnostische Kinobesucher kann sich auf einen Film freuen, der die düstere Verzweiflung eines Trilogie-Mittelteils verströmt und gleichzeitig eine runde, emotionale Geschichte erzählt, die am Ende ohne billigen Cliffhanger auskommt. Doch, doch Mr. Skywalker: So dürfen uns die Jedi noch lange begleiten.

«The Last Jedi» ist ab Donnerstag im Kino.

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