Salz in die Wunde der Palästinenser

Die Anerkennung Jerusalems als Hauptstadt Israels durch den US-Präsidenten ist eine arrogante Machtdemonstration.

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Donald Trump ist ein Held in Israel. Zur Einweihung der amerikanischen Botschaft in Jerusalem prangte überall das Sternenbanner, riesige Plakate mit dem Schriftzug «Make Israel great» zeigten den US-Präsidenten, und der beste Fussballverein Jerusalems integrierte sogar dessen Namen in jenen des Clubs: Beitar Trump Jerusalem FC. Zur Feier des Tages reiste Trumps glamouröse Tochter samt smartem Schwiegersohn und Gefolge an, die Party konnte steigen.

Es war eine arrogante Machtdemonstration, mehr Provokation gegenüber den Palästinensern geht fast nicht. Zumal Israelis und Amerikaner den umstrittenen Umzug der US-Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem ausgerechnet auf jenen Tag gelegt haben, an dem die Palästinenser der Nakba gedachten, ihrer Vertreibung aus dem Gebiet des heutigen Israel vor 70 Jahren. Das war Salz in die palästinensische Wunde, die tödlichen Proteste im Gazastreifen an der Grenze zu Israel zeugen von Wut und Frustration.

Existenzrecht Israels steht nicht zur Diskussion

Aber war Amerikas Anerkennung Jerusalems als Hauptstadt wirklich nötig? Klar, Israel, insbesondere die Regierung von Benjamin Netanyahu, hatte seit Jahren darauf gedrängt. Doch es bestand kein Anlass, diesem Wunsch nachzukommen: Das Existenzrecht ­Israels steht in der zivilisierten Welt nicht zur Diskussion, egal, wie die Hauptstadt heisst. Bis anhin sollte die Jerusalem-Frage in einer umfassenden Nahost-Friedenslösung beigelegt werden, da auch die Palästinenser Anspruch auf die Heilige Stadt erheben. Doch Trump preschte vor, um evangelikale Wähler und israelische Freunde zufriedenzustellen.

Mit womöglich schweren Folgen: Die Fanatiker, die Israel das Existenzrecht absprechen, von der Hamas, der Hizbollah, dem IS, al-Qaida und der ganzen islamistischen Terrorbrut bis zu den iranischen Revolutionsgarden – sie alle sehen sich in ihrem Hass bestätigt. Nebenbei verlieren jene Palästinenser die Hoffnung, die mit der Hamas und Konsorten nichts zu tun haben wollen und auf einen Ausgleich mit Israel bedacht wären. Wer aber die Hoffnung verliert, wird empfänglich für Hassprediger. Und die haben nun neue Argumente. Donald Trump sei Dank. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 14.05.2018, 20:06 Uhr

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