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Die Lösung für GC heisst Thorsten Fink

Der 50-jährige Deutsche steigt per sofort als neuer Cheftrainer ein. Er unterschrieb einen Vertrag bis 2019.

Einst Basel, jetzt GC: Thorsten Finks Mission heisst Ligaerhalt.
Einst Basel, jetzt GC: Thorsten Finks Mission heisst Ligaerhalt.
Keystone

Vor etwas mehr als zwei Wochen wars, als Thorsten Fink seine freie Zeit genoss, die er eigentlich gar nicht gewollt hatte. Doch nachdem der 50-Jährige am 25. Februar als Fussballtrainer bei Austria Wien entlassen worden war, sagte er: «Ich habe nicht vor, noch in dieser Saison irgendwo einzusteigen.»

Lange hat dieser Vorsatz nicht überlebt. Weil GC rief, ein Club in Not und mit einem Interimscoach: Mathias Walther, der auch Sportchef ist. Fink hörte sich an, was die Grasshoppers zu bieten haben – und um 21.11 Uhr gestern Abend informierten die Zürcher über das ­Ergebnis der Verhandlung: Zwei ­Wochen nach der Entlassung von Murat Yakin ist Fink ihr neuer Trainer.

«Eindrucksvolles Palmarès»

Seinen Einstand in einem Wett­bewerbsspiel wird er am Samstag in Lausanne geben, Abstiegskampf. Er unterschrieb einen Vertrag bis Sommer 2019 mit Option für eine weitere Saison. ­Bereits gestern Montagabend traf Fink seine Spieler. Und heute Dienstagnachmittag wird er offiziell vorgestellt. Wie glücklich die Grasshoppers mit ihrem fünften Cheftrainer seit Frühling 2014 und dem Antritt von Präsident Stephan Anliker sind, schreibt der Club schon einmal in seinem Communiqué: «Mit der Verpflichtung von Thorsten Fink kommt ein ausgewiesener Fussballfachmann in die Limmatstadt», heisst es da. Und: «Thorsten Fink weist ein eindrucksvolles Palmarès auf und kennt die Super League aufgrund seiner Zeit beim FC Basel bestens.»

Nun gut, die Zeit beim FCB liegt schon einige Jahre zurück. Fink kam 2009 als Nachfolger von Christian Gross aus Ingolstadt. Die Wahl war eine grosse Über­raschung, weil er zuvor nur ein Jahr Cheftrainer auf Profistufe gewesen war. Aber sie erwies sich als richtig. Mit Fink verdrängte der FCB den FCZ wieder von der nationalen Spitze, unter ihm wurde Basel zweimal Meister und einmal Cupsieger.

«Ich bin von mir überzeugt, ich bin selbstbewusst, das darf ich auch sein.»

Thorsten Fink zu Beginn seiner Zeit bei Basel

Doch dann ging Fink im Herbst 2011 praktisch über Nacht. Der HSV reizte ihn mehr als weitere Pokale mit dem FCB. Er führte seinen neuen Verein in der ersten Saison vom letzten Tabellenplatz und aus der Abstiegszone. Die zweite Saison beendete der HSV mit ihm auf Rang 7. In der dritten Spielzeit wurde Fink nach missratenem Start suspendiert. Es folgte ein kurzes Gastspiel auf Zypern, bevor er im Sommer 2015 eben in Wien einstieg. Mit der Austria wurde er einmal Dritter und einmal Zweiter. In diesem Frühjahr kostete ihn Platz 7 den Job.

GC bekommt einen Trainer, der sich den Ruf erwarb, Begeisterung entfachen zu können. Der im Zweifelsfall die ­mutige Option vorzieht. Der auch keine Probleme hat, sich selbst gut zu sehen. Zu Beginn seiner Zeit in Basel sagte er einmal: «Ich bin von mir überzeugt, ich bin selbstbewusst, das darf ich auch sein.» Als der FCB 2010 in Bern gegen YB die sogenannte Finalissima bestritt, stellte er den 18-jährigen Xherdan Shaqiri als linken Verteidiger auf und gab ihm den Auftrag, YB-Topskorer Seydou Doumbia zu stoppen. «Der kann das», sagte Fink nur. Shaqiri konnte. Der FCB siegte 2:0 und wurde Meister.

Fink, die Ruhe selbst

Überhaupt erweckte der Coach kaum einmal den Eindruck, nervös zu werden. Das war selbst dann nicht der Fall, wenn plötzlich Stammspieler nicht zur Ver­fügung standen. Fink klagte nicht, er pflegte zu sagen: «Dann bekommen eben andere eine Chance.» Marco Streller, damals Stürmer und heute der Basler Sportchef, erklärte einmal: «Fink muss nicht drei Stunden lang über den Gegner reden oder 15 Sitzungen ein­berufen, er nennt die wichtigsten Dinge beim Namen. Er weiss einfach, wie man eine Mannschaft gezielt weiterbringt. Ausserdem hat er eine hervorragende Menschenführung.»

Georg Heitz, der als FCB-Sportdirektor eng mit Fink zusammenarbeitete, ­bescheinigt dem neuen GC-Trainer zum einen eine hohe Fachkompetenz, zum anderen glaubt er, dass auch die Liga profitieren wird: «Thorsten kann für beste Unterhaltung sorgen.» In Basel mochten ihn die Spieler, er verschloss sich auch gegenüber der Öffentlichkeit nicht, nahm am Stadtleben teil und hatte oft Zeit für einen Schwatz. Er kann aber auch durchaus unbequem werden, wenn ihm etwas nicht passt. In Erinnerung ist sein Ausbruch nach einer Niederlage mit Austria Wien, als er dem TV-Moderator vor laufender Kamera entgegenschleuderte, er habe doch keine Ahnung.

Beim FC Bayern eignete sich Thorsten Fink Selbstbewusstsein an.

Fink, der gebürtige Dortmunder, hat eine lange Karriere als Spieler in der Bundesliga hinter sich. Beim FC Bayern eignete er sich Selbstbewusstsein an, ihm wurde bewusst, dass es für die Münchner nichts anderes geben konnte als den Erfolg. Er lernte von Mitspielern wie Stefan Effenberg, er lernte auch von Coach Ottmar Hitzfeld, der ihm sagte: «Du wirst einmal ein guter Trainer.» ­Genau das kann GC brauchen.

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