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Der neuste Streich von Elizabeth Holmes

Die Gründerin des umstrittenen US-Start-ups Theranos will mit einem neuen Gerät den Markt aufmischen.

Kritisierte Jungunternehmerin Elizabeth Holmes: Ein neues Testgerät soll den Erfolg bringen.
Kritisierte Jungunternehmerin Elizabeth Holmes: Ein neues Testgerät soll den Erfolg bringen.
Carlo Allegri, Reuters

Die Fachwelt wartete gebannt auf den Vortrag von Elizabeth Holmes. Das Publikum an dem wichtigen Kongress der «American Association for Clinical Chemistry» in Philadelphia rechnete damit, dass die 32-jährige Unternehmerin erklärte, wie es mit bisherigen Bluttestverfahren von Theranos weitergeht. Zweifel an dem Edison genannten Test beschäftigen seit einigen Monaten die US-Behörden. Die einstmals gefeierte Firmengründerin steht daher stark in der Kritik und wurde von einem Aufsichtsgremium sogar sanktioniert. Doch Holmes nutzte die Gelegenheit anderweitig.

In Philadelphia präsentierte sie ein neues Produkt namens Minilab. Es soll genaue Testresultate aus sehr kleinen Blutmengen liefern. Der Clou dabei: Die Blutproben werden nicht in ein Labor transportiert, sondern die Daten sollen per Cloud-Technologie ausgewertet werden. Zudem genügen nur wenige Tropfen Blut für eine Vielzahl an Analysen. «Theranos Virtual Analyzer» heisst das futuristische System, das den Bluttestmarkt verändern soll, wenn es nach der Unternehmerin geht.

Theranos in der Kritik

Holmes' mutige Ankündigung überrascht. In den letzten Monaten hat das Unternehmen mehrere Rückschläge hinnehmen müssen. Das «Wall Street Journal» weckte in den vergangenen Monaten in einer ganzen Reihe von Artikeln Zweifel, an der die Zuverlässigkeit der verwendeten Technologie infrage gestellt wurde. Theranos erklärte in der Folge Tausende Bluttests für ungültig. Die Firma musste die Auswertungen erneut durchführen – diesmal aber mit einem gängigen Verfahren. Die Behörden und die Börsenaufsicht begannen zu ermitteln. Eine Konsequenz: Holmes selbst darf ab Oktober für zwei Jahre keine Forschungslabors mehr betreten oder führen. Zudem drohen der Firma auch Sammelklagen von Patienten.

Laut «Wall Street Journal» und «Financial Times»kommt die neue Technologie bei Experten nicht gut an. Es gäbe bereits seit Jahren ähnliche Testverfahren. Zudem dauere es mit einer Wartezeit von 20 Minuten bis zu zwei Stunden vergleichsweise lange, bis ein Resultat vorliege. Theranos würde diesbezüglich gegenüber der bestehenden Konkurrenz keinen Vorteil bieten. Interessant sei das Gerät bislang vor allem wegen seiner kleinen Dimensionen. Das spare so im Labor viel Platz.

Öffnung für die Wissenschaft

Mit dem neuen System kündigte Theranos zudem eine Abkehr der bisherigen Unternehmenspolitik an. Bislang scheute die Firma den Austausch mit den Wissenschaftlern. Die Resultate der bisherigen Testmethode wurden unter Verschluss gehalten. Unabhängige Artikel in wissenschaftlichen Magazinen zu Theranos-Tests gibt es daher nicht. Dies soll sich nun ändern. Holmes kündigte an, dass die Resultate des Minilabs von Wissenschaftlern untersucht werden können.

Holmes gilt als die jüngste Selfmade-Milliardärin der Welt. Doch hat ihr Vermögen jüngst stark gelitten. Denn es besteht zu einem grossen Teil aus ihrer Beteiligung an ihrer Firma. Verliert diese an Wert, gilt das auch für ihr Vermögen. Jüngst hat das US-Wirtschaftsmagazin «Forbes» daher seine Schätzung für Holmes' Vermögen angepasst. Sie sank von 4,5 Milliarden Dollar auf null. (jb)

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