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Der Job-Hopper

Florian Illies sollte unbedingt Rowohlt-Verleger werden. Jetzt ist er bald schon wieder weg, seine Vorgesetzten sind blamiert.

Verlässt das Verlagshaus Rowohlt nach nur einem Jahr «aus persönlichen Gründen». Er will sich nun wieder dem Schreiben widmen. Foto: Gregor Fischer (Keystone)
Verlässt das Verlagshaus Rowohlt nach nur einem Jahr «aus persönlichen Gründen». Er will sich nun wieder dem Schreiben widmen. Foto: Gregor Fischer (Keystone)

Als Wunderkind begann er. Schon mit 20 schrieb er für das Feuilleton der FAZ, gehörte zu den jungen Genies, die sich dort intellektuell austoben konnten. Mit 26 war er FAZ-Redaktor, zwei Jahre später bespielte er die «Berliner Seiten», die Spielwiese des legendären Herausgebers Frank Schirrmacher. Weiter gings nach oben, als Feuilletonchef der «Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung», danach auf- und seitwärts, nicht gerade im Jahresrhythmus, aber doch fast.

2004 gründete Illies mit seiner Frau Amélie von Heydebreck die Kunstzeitschrift «Monopol», 2008 ging er zur «Zeit», erst ins Magazin, dann als Co-Leiter ins Feuilleton. 2011 dann wieder der Schritt zur Kunst: Er wurde Mitgesellschafter des Auktionshauses Villa Grisebach.

Der nächste Wechsel war ein Aufreger: Illies wurde als Leiter des Rowohlt-Verlages installiert, der Hemingway und Tucholsky betreute und jetzt Daniel Kehlmann, Martin Walser, Elfriede Jelinek, Siri Hustvedt und Jonathan Franzen im Programm hat. Rowohlt gehört der Holtzbrinck-Gruppe, zusammen mit anderen Verlagen wie S. Fischer und Kiepenheuer & Witsch. Um Illies auf den Chefsessel zu hieven, mussten die Holtzbrinck-Manager Barbara Laugwitz entlassen, die amtierende, ebenso erfolgreiche wie bei Mitarbeitern und Autoren beliebte Verlagsleiterin.

Ein Haus wie Rowohlt zu leiten, bedeutet, Verantwortung zu tragen, für Autoren und Mitarbeiter. Das schmeisst man nicht einfach hin.

Das kam schlecht an, von Jelinek bis Kehlmann protestierten Autoren des Verlages gegen den Rausschmiss von Laugwitz. Begründet wurde er nie, weil es keinen Grund gab. Man wollte wohl ein bisschen mehr Glamour, Wunderkind Illies, dem alles zu gelingen schien, sollte ihn bringen. In einem Verlag hat er zwar nie gearbeitet, dafür weiss er, wie man Bücher schreibt, die Bestseller werden: Mit «Generation Golf» über die hedonistischen 1970er-, 1980er-Jahrgänge sowie «1913. Der Sommer eines Jahrhunderts» hat er zwei vorzuweisen, samt entsprechenden Nachläufern.

Beide Bücher sind weniger tiefschürfend als intelligent geplaudert und gerade deshalb so erfolgreich. Ob das die Holtzbrinck-Manager zu ihrem brachialen Personalakt bewogen hat? Der fliegt ihnen jetzt wie ein Bumerang zurück ins Gesicht. Am Freitag hat Florian Illies bekannt gegeben, im Laufe des Jahres Rowohlt wieder zu verlassen. «Aus persönlichen Gründen und mit einem weinenden Auge»: Er wolle sich dem Schreiben widmen. Holtzbrinck-CEO Stefan dankt ihm für ein «ausserordentlich starkes Jahr» 2019 – dessen Programm, wie jeder Kundige weiss, natürlich von der Vorgängerin verantwortet wurde. Schon dieser Satz blamierte die Teppichetage, täte das nicht schon der gesamte Vorgang.

Natürlich kann Illies machen, was er will – also die Job-Hopperei weiter fortsetzen. Seinen Ruf als Tausendsassa ruiniert er damit nicht. Den eines Hedonisten, dem das eigene Vergnügen über alles geht – Generation Golf! –, hat er nun endgültig. Ein Haus wie Rowohlt zu leiten, bedeutet, Verantwortung zu tragen, für Autoren und Mitarbeiter. Das schmeisst man nicht einfach hin. Wenn Illies sich aber an der Zentralisierungspolitik Holtzbrincks gestört haben sollte, wo gerade ein «Director of Content Development» eingesetzt wurde (ihm vorgesetzt?): Wer wäre denn geeigneter und freier als er, genau das zu sagen?

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