Tränen statt Triumph für angeschlagene Bencic

Die St. Gallerin verpasst gegen Jelina Switolina ihren bisher grössten Final. Ihr Körper lässt sie im Stich, beim Stand von 7:5, 3:6, 1:4 gibt sie auf.

Bencic gibt im dritten Satz bei 1:4 auf. Video: SRF

Das Unheil bahnte sich am WTA-Final in Shenzhen schon im ersten Satz an, und zu Beginn des zweiten wurde es immer offensichtlicher. Belinda Bencic litt, sie humpelte, hielt sich den linken Fuss und warf verzweifelte Blicke zu ihrem Vater Ivan und ihrem Freund Martin Hromkovic. Dabei hatte sie den ersten Satz gegen Jelina Switolina in diesem Halbfinal gewonnen, und das verdient mit einem 7:5 nach 53 Minuten.

Doch schon beim letzten Seitenwechsel in diesem Durchgang hatte sie ein medizinisches Timeout bezogen. Bei diesem standen der Rücken und die Hüfte im Zentrum der Behandlung. Das hinderte die 22-jährige St. Gallerin aber nicht daran, Switolina im nächsten Game zum zweiten Mal den Aufschlag zu durchbrechen und damit den Satz zu beenden.

Bencic holt sich den Startsatz nach einem spektakulären Punktgewinn. Video: SRF

Damit fehlte ihr noch ein Satz, um am Turnier der acht Jahresbesten den Final zu erreichen, sich 1,1 Millionen Dollar Preisgeld zusätzlich zu sichern und erstmals auf Rang 6 vorzustossen – mit der Chance, am Sonntag gegen die Siegerin des zweiten Halbfinals (Ashleigh Barty oder Karolina Pliskova) weitere 2,325 Millionen Dollar aufs Konto zu hieven. Es sollte nicht sein.

Switolina verliess nach dem Startsatz den Court, kam zurück und breakte Bencic gleich zum 1:0, mit ihrem besten Returngame. Kurz darauf wurde offensichtlich, dass Bencics Hauptproblem nun der rechte Fuss war, den sie sich beim Seitenwechsel beim Stand von 1:2 kurz behandeln liess. Bencic versuchte mit dem Mut der Verzweiflung weiter, das Tempo hoch- und die Ballwechsel kurzzuhalten.

«Könnt ihr mich unterstützen?»

Beim Stand von 2:3 liess ihr Freund und Fitnesstrainer ihr einen kleinen Ball bringen, um den Fuss damit zu massieren. Die Frage war nun, wie lange sie mit diesen Schmerzen noch weiterspielen konnte. Bencic hatte schon im verlorenen ersten Gruppenspiel gegen Ashleigh Barty unter Fussproblemen gelitten, damals war es die linke Ferse gewesen, die ihr zu schaffen gemacht hatte. Obwohl läuferisch limitiert, kam sie gegen Switolina dennoch zu weiteren Chancen. Sie konnte aber zwei Breakbälle zum 3:3 nicht nützen, fiel 2:4 zurück.

Switolina kam entgegen, dass sie im Gegensatz zu Bencic in den letzten Wochen keine Sonderanstrengungen zu leisten hatte, um den WTA-Final zu erreichen. Die 25-jährige Ukrainerin kam entsprechend frisch nach China, wo sie im Halbfinal erst ihr 60. Einzel der Saison bestritt, während es für Bencic bereits das 70. war.

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Beim Seitenwechsel bei 3:4 folgte die nächste Kurzbehandlung, mit Eis für den rechten Oberschenkel. Bencics Frustration über ihren Zustand, der sie kaum mehr richtig laufen liess, wurde offensichtlich, als sie ins Publikum rief: «Can you support me?», könnt ihr mich unterstützen? Sie verlor die nächsten beiden Games mit ungewohnten Fehlern, nach 1:33 Stunden war der Satzausgleich Tatsache. Switolina liess zum vierten Mal ihren Coach kommen, während nun Bencic den Court verliess.

Alarmierende Bilanz

Der dritte Satz war erst sechs Minuten alt, als Bencic zum 0:2 gebreakt wurde, worauf ihr Tränen übers Gesicht liefen. Selbst einfachste Bälle konnte sie nun nicht mehr zum Punktgewinn verwerten, ihr fein getunter Körper spielte nicht mehr mit, immer wieder stand sie falsch oder kam zu spät. Als Switolina souverän 4:1 in Führung gegangen war, kam, was kommen musste: Bencic gab auf, gratulierte ihrer Gegnerin, packte ihre Sachen und beendete ihre Saison.

Das 7:5, 3:6, 1:4 aus der Sicht von Bencic verlängert die Serie von Aufgaben und Forfaits in Shenzhen. Naomi Osaka war nach einer Partie ausgestiegen, Bianca Andreescu nach anderthalb Partien, Ersatzspielern Kiki Bertens ebenso und nun Bencic. Vier von neun Spielerinnen vom Körper gebremst – eine alarmierende Bilanz.

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