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Vier Netzausfälle in einem JahrDie Swisscom reagiert auf Pannen bei Notrufnummern

Um Ausfälle zu verhindern, hat der staatsnahe Betrieb seit Februar Rückfallebenen eingebaut.

Um die ständige Erreichbarkeit von Notrufzentralen zu gewährleisten, setzt die Swisscom neue Technik ein.
Um die ständige Erreichbarkeit von Notrufzentralen zu gewährleisten, setzt die Swisscom neue Technik ein.
Foto: Martial Trezzini (Keystone)
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Nach der vierten grossen Panne bei der Swisscom seit Anfang Jahr rücken wieder die Notrufnummern in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses. Am Dienstag war das Mobilfunknetz drei Stunden lang ausgefallen. Kantone wie Zug, Basel-Landschaft und Obwalden meldeten über die Alarm-App Alertswiss, dass deswegen Notfallnummern und Polizeizentralen nicht erreichbar seien.

Diese Darstellung bestreitet die Swisscom: «Anrufe auf Notrufdienste waren nicht von der Störung betroffen und haben funktioniert. Analysen in unserem Netz bestätigen, dass Notrufe durchgestellt wurden.»

Notfallnummern sind ein wunder Punkt

Der staatsnahe Betrieb reagiert deshalb so empfindlich, weil beim ersten Netzausfall im Januar und während der dritten Störung im Februar die Notrufnummern in verschiedenen Kantonen tatsächlich nicht mehr erreichbar waren.

Das führte nicht nur zu einem Imageschaden für den Marktführer, weil er sich als Qualitätsanbieter positioniert. Auch die Politik schaltete sich ein und verlangte Massnahmen, damit Notfallnummern uneingeschränkt funktionieren.

Seit Februar habe das Unternehmen Rückfallebenen eingebaut, teilt die Swisscom nun auf Anfrage mit. Im Störungsfall bewährt habe sich die sogenannte dynamische Leitweglenkung. Einfach gesagt überwacht dieses System die Erreichbarkeit von Notrufnummern ständig. Fällt ein Anschluss aus, erkennt die Technologie diese Fehlfunktion und leitet den Anruf automatisch an eine Stelle weiter, die erreichbar ist.

Laut der Swisscom setzen inzwischen die Blaulichtorganisationen in 23 Kantonen die dynamische Leitweglenkung vollumfänglich ein. In den 3 übrigen Kantonen ist das System nur teilweise in Betrieb. Um welche Kantone es sich handelt, beantwortet das Unternehmen mit Hinweis auf das Geschäftskundengeheimnis nicht.

Widersprüchliches zur neusten Panne

Bleiben die Fragen zur Störung im Mobilfunknetz von dieser Woche: Warum ist sich die Swisscom so sicher, dass die Notrufnummern erreichbar gewesen sind? Und warum gab es widersprüchliche Meldungen via Alertswiss?

Für Notrufe übers Handynetz hat der Betreiber technische Ausweichmöglichkeiten über zweite Verbindungswege eingebaut, wenn es zu Beeinträchtigungen kommt. Deshalb war eine dynamische Leitweglenkung in diesem Fall nicht nötig.

Zu den widersprüchlichen Meldungen heisst es bei der Swisscom, sie stehe im Austausch mit den Blaulichtorganisationen und dem Bundesamt für Bevölkerungsschutz. Dem Vernehmen nach ist dabei auch Alertswiss ein Thema, da die Behörde diese App betreibt.

Standardformulierung bei Alarm-App

Denn bei der Swisscom geht man davon aus, dass die Alarmmeldung von Alertswiss am Dienstag für die Verwirrung gesorgt hat. Die Kurznachricht endete mit dem Hinweis, dass aus dem Swisscom-Netz keine Notrufnummern gewählt werden könnten.

Der Verdacht beim Telecomanbieter ist, dass es sich dabei um eine Standardformulierung handelt, die bei einer Störung ohne vorherige Überprüfung verbreitet werde.

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz bestätigt diesen Sachverhalt. Es sei aber nicht dafür zuständig, bei Netzausfällen die Erreichbarkeit von Notrufnummern zu testen.