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LeserreaktionenDie Positionen der Leserschaft

Gleich über fünf Vorlagen darf das Volk am 27. September entscheiden. Hier finden Sie die Meinungen der Leserinnen und Leser.

Am 27. September ist es soweit: Dann werden die Kuverts geöffnet und ausgezählt.
Am 27. September ist es soweit: Dann werden die Kuverts geöffnet und ausgezählt.
Foto: Patric Spahni

Zur Volksinitiative «Für eine massvolle Zuwanderung»

Die Natur der Schweiz ist kostbar

Der freie Personenverkehr mit der EU hat seit seiner Einführung mehr Kosten als Nutzen gebracht. Die Schulden von Gemeinden, Kantonen und Bund sind in diesem Zeitraum nur angestiegen. Dies weil unsere Infrastruktur beispielsweise Verkehrswege, Schulen und Sozialwerke auf eine immer grösser werdende Anzahl Nutzer ausgerichtet werden muss. Die Wirtschaft ist auf gute Handelsbeziehungen angewiesen. Diese werden durch die WTO sowie den EFTA-Freihandelsverträgen sichergestellt. Die Personenfreizügigkeit verursacht eine grosse Bürokratie etwa durch festlegen von sogenannten Kostenmieten beim Wohnungsbau oder bei der Einführung der flankierenden Massnahmen beim Lohndumping. Die Natur der Schweiz ist kostbar. Sie darf nicht einfach mit grenzenloser Zuwanderung zubetoniert werden. Dies zeigt mir die Notwendigkeit einer massvollen Zuwanderung auf.

Michael Lauper, Niederscherli

Ausgelagerte Produktionsbetriebe zurückholen

Ich glaube, wir sind gut beraten, wenn wir uns nicht zu sehr auf die Exportwirtschaft verlassen. Mit Corona haben wir erfahren, wie schnell Exportmärkte wegbrechen. Stabile wirtschaftliche Verhältnisse für die Schweiz kann nur der inländische Markt garantieren. Das Ausrichten auf den Exportmarkt ist hochspekulativ und mit grossen Risiken verbunden. Absatzkanäle können nicht nur durch Corona, sondern ebenso durch politische Entscheide zum Schutz der Wirtschaft in wichtigen Absatzmärkten innert Wochen ausfallen. Immer mehr Regierungen beschränken die Importe aufgrund zu grosser Handelsbilanzdefizite. Die Schweiz mit ihren Überschüssen steht überall unter Beobachtung. Zudem werden Forderungen immer lauter, die Produktion und somit Arbeitsplätze in die Absatzmärkte zu Verlagern. Besser holen wir ausgelagerte Produktionsbetriebe für den Schweizer Markt, und damit Qualität, statt Arbeitskräfte in die Schweiz zurück.

Hansueli Stettler, Bolligen

Gleiche Angstmacherei wie beim Nicht-EWR-Beitritt

Das «Projekt Angst» ist am Laufen. Wider besseres Wissen schürt Bundesrätin Karin Keller-Sutter die Angst vor einem wirtschaftlichen Einbruch bei Annahme der Begrenzungsinitiative. Dabei stützt sie sich auf eine Studie des Basler Wirtschaftsinstituts BAK Economics. Interessant ist, dass die drei Autoren dieser Studie aus Deutschland stammen. Eine gegenüber der Personenfreizügigkeit kritische Studie von Londoner Forschern blendet sie dagegen aus. Wer sich an die Horrorszenarien erinnert, die bei einem Nicht-EWR-Beitritt prognostiziert wurden, dem kommt vieles bekannt vor.

Adrian Junker, Enggistein

Ein zerstörerischer Angriff ohne «Plan B»

Seit Jahren bin ich klar für eine offene und vernetzte Schweiz und die bilateralen Verträge. Die Kündigungsinitiative ist in meinen Augen ein zerstörerischer und kopfloser Angriff ohne «Plan B» in Bezug auf die Bilateralen. Der Kanton Bern besteht zu über 99 Prozent aus KMU, diese sind das Rückgrat und das Herz unserer Wirtschaft. Unser Wohlstand hängt davon ab, dass unsere Unternehmen heute und auch morgen Zugang zu möglichst vielen Ländern auf der ganzen Welt haben und nicht isoliert sind. Unsere Unternehmen brauchen weiterhin Marktzugang und den Erfahrungsaustausch.Toni Lenz, Langnau

Zur Änderung des Jagdgesetzes

Das Gesetz ist verunglückt

Eigentlich wäre es beim neuen Jagdgesetz darum gegangen, unter Berücksichtigung des Artenschutzes und moderner Herdenschutzmethoden einen zeitgemässen Umgang mit der Rückkehr des Wolfes in die Schweiz zu finden. Bei dieser Gelegenheit hätte man auch gleich die bedrohte Arten wie den Feldhasen oder das Schneehuhn unter Schutz stellen können. Stattdessen hat das Parlament den Abschuss geschützter Arten generell erleichtert mittels Gummiparagrafen, deren Interpretation den einzelnen Kantonen überlassen wird. Damit hat das Parlament den Bogen weit überspannt. Das Gesetz ist verunglückt: Wird es abgelehnt, ist der Weg frei für ein besseres.

Casimir von Arx, Köniz

Einen Gedanken an uns Bergler verschwenden

Das Jagdgesetz ist kein Gesetz, das massloses Töten von Wildtieren fördert. Es ist aber ein Gesetz, das ein gutes Miteinander von wildlebenden Tieren, von Landwirten und ihren Familien ermöglicht. Es berücksichtigt auch die Tradition der Jagd. Dort wo die Landschaft weiterhin gepflegt wird, floriert auch der Tourismus – ein Wirtschaftszweig, der aus der Schweiz nicht mehr wegzudenken ist. Einen Aspekt möchte ich der Bevölkerung vor allem in Stadtnähe zu bedenken geben: Möchten Sie, dass Euren Kindern oder Enkelkindern ein Wolf auf dem Schulweg begegnet? Ganz klar, auch ich würde diese Frage mit Nein beantworten. An diese Situation muss ja in einer Stadt noch niemand denken. In den Bergen, auf abgelegenen Höfen, beginnt man sich Gedanken darüber zu machen. Darum bitte ich die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger, denen noch nie ein freilebendes Raubtier begegnet ist, zu überlegen, was sie in dieser Situation machen würden – und dabei einen Gedanken an uns Bergler zu verschwenden.Vreni Müllener, Gstaad

Wolfpopulation regulieren

Das vorliegende Jagdgesetz ist nicht, wie die Gegner immer wieder betonen, ein Abschussgesetz. Heute leben 100 Wölfe in der Schweiz. Der Wolf hat keinen natürlichen Feind. Beim Wildbestand, ob dies nun Gämse, Rehe, Hirsche, Steinböcke oder andere Tiere sind, wird eine unerwünschte Überpopulation durch die Jäger reguliert. Dies soll künftig auch beim Wolf möglich sein. Von einem Ausrotten kann keine Rede sein. Herdenschutz hat seine Grenzen. Ich lade alle Gegner des Jagdgesetzes ein, unsere hochgelegenen Schafalpen zu besuchen. Dann sehen sie, dass Herdenschutz in vielen Gebieten nicht möglich ist. Es darf doch nicht sein, dass die Städterinnen und Städter der ländlichen Bevölkerung ihre Sicht der Dinge aufzwingt.

Christoph Berger, Aeschi

Zur Änderung des Bundesgesetzes über die direkte Bundessteuer

Vorlage nützt den wenig Verdienenden nichts

Landauf und Landab beschliessen die SVP-Sektionen die Ja-Parole zu den erhöhten Kinderabzügen von der Direkten Bundessteuer. Die SVP gibt sich als die Partei des kleinen Mannes, des «gewöhnlichen» Volks. Nur nützt diese Vorlage den wenig Verdienenden nichts: Saftige Abzüge können nur die gut bis sehr gut Verdienenden machen. Vielleicht liefert ja die SVP an dieser Stelle eine Erklärung?

Roland Müller-Aebi, Spiez

Zur Abstimmung über die Beschaffung neuer Kampfflugzeuge

Die Milliarden-Jets helfen uns nicht

Zu glauben, dass neue Kampfjets mehr Sicherheit bringen ist ein Trugschluss. Es gibt viele Szenarien bei denen Kampfjets ungeeignet oder gar wirkungslos sind. Bei einem Angriff einer fremden Macht und um diesem Gegner ernsthaft zu begegnen, bräuchten wir 300 Flugzeuge. Das sagen Nato-Experten. Es braucht drei Marschflugkörper auf unsere Militärflugplätze und unsere Vögel bleiben am Boden. Die Anschläge vom 11. September 2001 haben es gezeigt: Die stärkste und modernste Luftwaffe der Welt war nicht in der Lage, den Angriff auch nur ansatzweise zu bekämpfen. Zudem sind diese Jets gegen die wirklich grossen Gefahren, die uns hier und jetzt bedrohen, machtlos. Klimawandel, Artensterben, Hunger, Armut, Flüchtlingsströme und die globale Ungerechtigkeit. Weshalb gehen wir diese «realen und gegenwärtigen» Bedrohungen nicht mit der gleichen Entschlossenheit an? Die Milliarden-Jets können uns da nicht helfen.Sepp Doppmann, Gstaad

Jede Versicherung kostet Prämien

Bei einem Nein zum Planungskredit steht die Luftwaffe ohne das Werkzeug da, welches sie zur Erfüllung eines Verfassungsauftrags braucht. Es geht nicht bloss um Luftpolizei, sondern um die Kontrolle des Luftraums und den Schutz von lebenswichtigen Einrichtungen und der Bevölkerung. Der Kauf der Flugzeuge ist volkswirtschaftlich lukrativ: Bezahlt wird aus dem Armeebudget, Knowhow, Steuern und Arbeitsplätze kommen allen zugute. Es geht nicht um Luxus, sondern das geeignete Flugzeug für die leider unvermeidbaren und möglicherweise noch unbekannten Bedrohungen.Jede Versicherung kostet Prämien.Walter Donzé, Alt-Nationalrat (EVP), Frutigen

Werte nicht überschritten

Der Anteil an CO2-Emmissionen der Luftwaffe aller in der Schweiz energetisch genutzten Brenn- und Treibstoffe beträgt rund 0.3 Prozent. Luftschadstoffmessungen rund um den Militärflugplatz Meiringen zeigen, dass keine grenzüberschreitenden Emissionswerte festgestellt wurden.

Markus Winterberger, Meiringen