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Von Adi Naamen nach Münsingen«Die Flucht hat mich stark gemacht»

Ataklti Gebrelul (25) beschreibt seinen Weg von Eritrea durch die Sahara über das Mittelmeer bis nach Münsingen – und sagt, wie sich Fluchterlebnisse auf das Leben hier auswirken.

Ataklti Gebrelul spielt im Team des FC Münsingen.
Ataklti Gebrelul spielt im Team des FC Münsingen.
Foto: Susanne Keller

Wenn ich gewusst hätte, wie schwierig der Weg von Eritrea nach Europa ist, hätte ich meine Heimat nie verlassen.

Ich war 17 Jahre alt, als ich meine Eltern verliess und in einer Nacht die Grenze zum Sudan passierte. Von dort aus reiste ich in fast zwei Jahren durch Libyen, übers Mittelmeer, durch Italien in die Schweiz. Ich war unvorbereitet und hatte kaum Geld. Mein Ziel war Europa, wo ich Menschenrechte und eine Zukunft haben würde.

«Die Reise durch die Sahara dauerte 18 Tage, ich glaube, wir hatten uns verfahren.»

Ataklti Gebrelul

27 Personen auf einem Pickup

Die schwierigste Etappe auf der Reise war die Sahara. Schwieriger als das Mittelmeer. Wir waren 27 Personen in und auf einem Pickup-Auto. Ich sass auf der Ladefläche, die nächste Person zwischen meinen Beinen, wir fuhren mehr als 100 km/h. Die Reise dauerte 18 Tage, ich glaube, wir hatten uns verfahren. Die Fahrer hatten fast alles Wasser weggeworfen, weil dafür kein Platz war.

Mein bester Freund, der mit mir reiste, sagte oft: Was machen wir hier? Manchmal hatte ich keine Motivation mehr. Aber wir hatten nur unser Ziel im Kopf, und es blieben keine anderen Optionen. Es war wertvoll, in einer Gruppe unterwegs zu sein. Wir lernten Leute kennen und erlebten viel, was uns zusammenschweisste. Wir trafen Schlepper in der Nacht in Libyen am Strand. Ich weiss nicht, wie sie aussahen, ich hörte nur ihre Stimmen. Sie sagten, wir sollten einsteigen, und dann fuhren wir los aufs Mittelmeer. Sie sagten, es sei ein Schiff, aber es war ein Boot aus Holz. Gott hat uns geholfen.

Foto: Susanne Keller

«Fussball ist mir wichtig: Es ist Teamarbeit, man spielt und gewinnt zusammen.»

Ataklti Gebrelul

Teamarbeit beim FC Münsingen

Ich lebe jetzt seit sechs Jahren in der Schweiz. Die Flucht hat mich stark gemacht. Ich weiss jetzt, was «schlimm» bedeutet, und dass es Menschen gibt, die keine Freiheit, kein Essen und nichts zu trinken haben. Mir war es immer wichtig, hier in der Schweiz etwas aus dem zu machen, was ich mir erarbeitet habe. Diesen Sommer habe ich meine Lehre als Assistent Gesundheit und Soziales im Altersheim Münsingen abgeschlossen. Darauf bin ich stolz. Und die Fussballtrainings beim FC Münsingen sind mir wichtig: Es ist Teamarbeit, man spielt und gewinnt zusammen.

Ein gutes Leben bedeutet für mich Freude im Alltag – die habe ich hier. Es bedeutet auch, dass ich mich in meinem Körper wohl fühle, gesund, stark und beweglich bin. Wenn ich das habe, kann ich ohne Probleme meine Ziele erreichen und meine Zukunft aufbauen.

2 Kommentare
    Sabrina Kehrli

    Gemäss den "black lives matter"-Demos ist die Schweiz rassistisch. Wieso flieht der junge Mann in ein rassistisches Land? Fragen über Fragen.